„Wir halten viel von den Beratern“


Nach dem großen Erfolg des 1. Solarsymposiums in Hamburg findet am 15. September ein zweiter Kongress in München statt. procontra sprach mit Jürgen Braatz, dem geschäftsführenden Gesellschafter von Ratingwissen, über die Veranstaltung und warum sich ein Besuch lohnt.
procontra: Herr Braatz, was erwartet die Teilnehmer auf dem 1. Münchner Solar-Symposium?
Braatz: Wir bringen auf dem Kongress Finanzierer mit der Solarbranche zusammen. Offensichtlich gibt es dafür einen großen Bedarf, denn schon unsere erste Veranstaltung zu dem Thema in Hamburg war ein voller Erfolg. Es gibt viele Veranstaltungen der Fondsbranche und der Solarbranche, auf denen man unter sich bleibt. Beide Seiten sollten aber mehr miteinander kommunizieren.
procontra: Die Emissionshäuser mit Solarfonds kennen doch aber die Produktanbieter und Dienstleister der Solarbranche.
Braatz: Die großen Häuser schon, aber auch da kann man Überraschungen erleben. In Hamburg hat ein Referent eine Akkreditivlösung für den spanischen Markt vorgestellt, die offensichtlich auch großen Häusern nicht bekannt war. Und bei kleineren Emissionshäusern ist der Einkaufsprozess von Dienstleistungen und technischen Komponenten häufig noch nicht professionell genug.
procontra:Können Sie Beispiele nennen?
Braatz:Es gibt einige Anbieter, die für Solaranlagen eigene Einkaufsabteilungen mit erfahrenen Managern gegründet haben. Das kann sich natürlich nicht jeder leisten. Kleinere Anbieter arbeiten manchmal mit Dienstleistern oder Produktlieferanten zusammen, ohne vorher den Markt gründlich gescannt zu haben. Da bringt zum Beispiel ein Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater aus seinem Mandantenkreis Emissionshaus und Projektentwickler zusammen. Das kann gut gehen, ist aber riskant. Ob der Steuerberater nämlich die fachliche Expertise seines Mandanten beurteilen kann, ist fraglich.
Ein anderes Thema ist die Frage bauen oder kaufen. Auf der sicheren Seite ist das Emissionshaus und mit ihm der Anleger, wenn das Emissionshaus das Projekt von Anfang an kennt und begleitet. Nur dann kann man überprüfen, ob wirklich alle Komponenten in der versprochenen Qualität eingebaut werden. Sind die unterirdischen Leitungen in einem Solarpark schon eingebuddelt, kann man das nicht mehr überprüfen. Dieses Vorgehen ist aber zeitlich riskant, deshalb werden auch fertige Solarparks gekauft. Da müssen Kontrollmethoden entwickelt werden und wasserdichte Verträge.
procontra: Warum sollten Dienstleister und Produkthersteller den Kongress besuchen?
Braatz: Wenn Berater beim Einkauf und der Vertragsgestaltung unterstützen, sollten sie die Materie beherrschen. Wir werden auf dem Kongress Berichte aus der Praxis hören, was alles vergessen werden kann. In Hamburg haben uns hochrangige Mitarbeiter von Banken, Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten besucht. Manche haben Fragen gestellt, die wirklich das Basiswissen betrafen. Man arbeitet sich halt ein in ein Boomsegment. Viele Projektentwickler dagegen habe keine Ahnung, welche Anforderungen Banken und Emissionshäuser an sie stellen. Immer noch kommt es vor, dass fertige Projekte keine Bankfinanzierung finden, weil die Bank nicht alle Solarmodule akzeptiert. Auch Emissionshäuser wollen frühzeitig über das Projekt informiert werden, um noch Einfluss nehmen zu können. Den Projektentwicklern ging es in den vergangenen Jahren sehr gut, aber dieser Boom neigt sich dem Ende zu. Die Szene steht vor einer Marktbereinigung.
procontra: Was haben Finanzberater von dem Besuch?
Braatz: Wir werden auch Vertreter von Emissionshäusern als Referenten erleben, und auch als Besucher werden wieder einige dabei sein. Wir halten bekanntlich viel von den Beratern und wissen, dass die besten von ihnen sich nie mit Aussagen aus Prospekten und Roadshows zufrieden geben. Sie wollen das Asset und das Assetmanagement fundiert beurteilen können. Da wird ihnen der Kongress mit seinem Themenmix auf alle Fälle weiterhelfen.
procontra: Und der wäre?
Braatz: Nun wir haben wie erwähnt Emissionshäuser dabei, unter anderem HCI, die etwas über ihren Einkaufsprozess erzählen werden. Die HypoVereinsbank bzw. UniCredit ist mit zwei namhaften Experten vertreten, das Hamburger Beratungsunternehmen TPW Todt & Partner wird über Fragen der Konzeption von Solarfonds sprechen, das Münchener Unternehmen BTU Simon über die rechtliche Seite. Wir erwarten Hersteller, Gutachter, Projektierer – kurz das ganze Spektrum der Beteiligten.
