Teure Rechenaufgabe

 

Die Niederlage vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig kommt die Allianz teuer zu stehen. Neben der Beschäftigung mit kostspieligen Neukalkulationen, heißt es nun zudem verärgerte Versicherungsnehmer bei Laune zu halten.

Foto: fotolia

Mit den günstigen AktiMed-Tarifen lockte die Allianz in den vergangenen drei Jahren Neukunden (procontra berichtete am 1.07. 2010 ), denn in der Krankenversicherung leidet der Konzern an zunehmendem Kundenschwund. Wollten langjährige Versicherte in die günstigeren Tarife wechseln, zahlten sie 20 Prozent Zuschlag. Als das Bundesverwaltungsgericht am 23. Juni den „Tarifstrukturzuschlag“ für unzulässig erklärte, stellte die Allianz den Verkauf der AktiMed-Tarife ein. Ab Mitte Oktober will das Unternehmen wieder private Krankenversicherungen auf den Markt bringen. In der Zwischenzeit sitzen die Vorstände zusammen mit ihren Versicherungsmathematikern über den Neukalkulationen. Der verlorene Zuschlag soll sowohl auf Neukunden als auch auf Tarifwechsler verteilt werden. Dies hätte eine Erhöhung der Prämien zur Folge. Ursprünglich sollte das entstandene Finanzloch von den durch die günstigen Tarife angelockten Altkunden gestopft werden. Nun hat man es sich bei der Allianz aber anders überlegt, die Prämien für bereits bestehende Verträge werden doch nicht angehoben.

Imagepflege heißt jetzt die Devise. Die Tatsache, dass sich der Konzern mit der BaFin angelegt und viele Versicherungsnehmer verärgert hat, macht sich im Wettbewerb nicht gut. Auch im Hinblick auf die Geschäftszahlen sorgte der Vorfall für Unannehmlichkeiten. So bemessen Branchenkenner den entstandenen Verlust – auf die kommenden Jahrzehnte gerechnet – auf mehr als 400 Millionen Euro. Schätzungen zufolge wechselten zwischen 2.500 und 4.000 Versicherte ihren Tarif, diese fordern nun den Risikozuschlag zurück. Die Summe beläuft sich auf etwa fünf bis zehn Millionen Euro. Hinzu kommt, dass die Allianz ihre Bestandskunden weiterhin auf den günstigen AktiMed-Tarifen belassen will. Und Altkunden, die in teuren Tarifen stecken, sollen ab Oktober in die günstigen Tarife wechseln können.

Die neu kalkulierten Tarife dürften also nicht allzu teuer ausfallen, will der Versicherer weiterhin neue Kunden gewinnen und die alten behalten.

pixelstats trackingpixel

Ähnliche Artikel

  1. AktiMed setzt aus


 Was meinen Sie?