„Keine erneute Rezession“
Die Weltwirtschaft verliert an Schwung, meint Léon Cornelissen, Senior Strategist bei Robeco, in seinem aktuellen Marktausblick. Grund dafür sind die allmählich reduzierten staatlichen Förderungen und die Sparmaßnahmen in den großen Schwellenländern.
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Zwar wird es laut Cornelissen zu keiner erneuten Rezession kommen, aber das Wachstum im zweiten Halbjahr 2010 fällt niedrig aus. Weiterhin meint der Experte, dass die europäische Schuldenkrise in den kommenden Monaten nicht gelöst wird, so dass eine neue Belastung auf das Finanzsystem zukommt und die Gefahr eines Staatsbankrotts künftig besteht.
Lage in Europa
Das Vertrauen in die Wirtschaft ist im Euroraum so groß wie nie. Deutschland entwickelt sich aufgrund der relativ guten Fundamentaldaten, der durch den schwachen Euro gestützten Exportabhängigkeit und dank der langfristig niedrigen Zinssätze besonders gut. Die europäische Schuldenkrise ist noch lange nicht vorüber, und die Finanzmärkte warten ungeduldig auf die Ergebnisse der umfangreichen Stresstests für die europäischen Banken, die von den europäischen Politikern angekündigt wurden, um das Vertrauen in das Finanzsystem wiederherzustellen. Bei Robeco geht man nicht davon aus, dass der wirtschaftliche Aufschwung durch die aktuelle Krise gefährdet wird, doch das Wachstum hat eindeutig seinen Gipfel erreicht. Obgleich die allgemeine Inflation steigt (der Rückgang der Ölpreise wird durch den schwächeren Euro kompensiert), zeigt die Kerninflation nach unten: Im Mai belief sie sich im Jahresvergleich auf 0,8 Prozent. Zwar reduziert die EZB einige ihrer Notmaßnahmen, mit einer Erhöhung des Zinssatzes in naher Zukunft rechnet Cornelissen aber nicht. Wahrscheinlich ist, dass es keine Änderungen gibt, bis die Refinanzierungsrate Anfang des vierten Quartals 2011 oder später erhöht wird.
Aktienmarkt
Die Erträge haben sich erholt, besonders bei den zyklischen Sektoren. Die Analysten erwarten allgemein weltweit ein durchschnittliches Ertragswachstum von 35 Prozent. Angesichts des leicht schwächeren Wirtschaftswachstums sind keine signifikanten Überraschungen bei den Erträgen wie in den vorangegangenen Quartalen mehr zu erwarten.
Für Aktien scheint das wahrscheinlichste Szenario aufgrund der gemischten Wirtschaftsdaten in den kommenden Monaten in einem fair bewerteten Aktienmarkt eine volatile Seitwärtsbewegung zu sein. Trotz zahlreicher Unsicherheiten ist ein moderater Aufschwung mehr als wahrscheinlich. Cornelissen rechnet nicht mehr mit weiteren positiven Ertragsüberraschungen. Selbst in dem Fall, dass es noch einmal positive Ertragskorrekturen geben sollte, gibt es doch Zweifel, ob sie Katalysator für einen signifikanten Anstieg des Aktienmarktes sein könnten, da die Anleger aufgrund der in jüngster Zeit etwas schwächeren makroökonomischen Daten Angst vor einer erneuten Rezession haben. Die staatlichen Sparmaßnahmen werden die Wirtschaft kaum in die Rezession drängen, besonders wenn die Regierungen Budgetkürzungen statt Steuererhöhungen bevorzugen. In diesem Szenario dürften die negativen Wirkungen auf die Volkswirtschaft marginal sein.
Unternehmensanleihen
Cornelissen bevorzugt solide Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen. Nach einem signifikanten Anstieg im Mai blieben die Spreads im vergangenen Monat mehr oder weniger unverändert, trotz der anhaltenden Risikoscheu der Anleger. Wer mit einer erneuten Rezession rechnet, sollte Unternehmensanleihen ignorieren, bei einem erwarteten moderaten Wachstum, sind sie jedoch attraktiv. Es ist möglich, dass die Rendite etwas geringer ausfällt, allerdings sollten Anleger zumindest von den aktuell besseren Spreads als bei Staatsanleihen profitieren.
Solide Unternehmensanleihen sind gegenüber Hochzinsanleihen defensiver. Wer mit einer v-förmigen Erholung rechnet, sollte natürlich Hochzinsanleihen kaufen, um von den höheren laufenden Zinsen sowie von einer weiteren Zinskompression zu profitieren, die eintreten dürfte, wenn es zu einer v-förmigen Erholung kommt.
Staatsanleihen
Die Zinssätze für Staatsanleihen liegen auf extrem niedrigem Niveau, zumindest in den Ländern, die als „sichere Häfen“ gelten, und der Spread zwischen Anleihen der Peripherieländer der Eurozone und deutschen Anleihen scheint sich in den vergangenen Wochen nicht vergrößert zu haben. Deutschland muss für eine Zehnjahresanleihe nur 2,5 Prozent Zinsen bezahlen, die USA 2,9 Prozent. Großbritannien zahlt keinen realen Zins, da der Zinssatz für die Zehnjahresanleihe 3,3 Prozent beträgt und damit fast der Kerninflationsrate von 3 Prozent entspricht und noch unter der Inflation bei Einzelhandelspreisen von derzeit mindestens 5 Prozent liegt. Dessen ungeachtet wird in den kommenden Monaten kein wesentlicher Anstieg der Zinssätze für „sichere Häfen“ erwartet. Allgemein ist die Inflation 2010 oder 2011 keine Gefahr, da die Kerninflationssätze in den entwickelten Ländern noch weiter fallen (mit Ausnahme Großbritanniens) und der wirtschaftliche Aufschwung moderat ist.
Die Kürzung der Geldmenge dauert jedoch lange und kompensiert die Sparmaßnahmen. Nach einer Zeit der Disinflation werden Inflationsrisiken auftauchen. Allerdings ist es laut Cornelissen noch zu früh ist, diese für den Aufbau des Portfolios zu berücksichtigen.







