„Aussichten im Health-Care-Segment bleiben gut“
procontra: Auf Jahressicht konnten die meisten der 30 DAX-Unternehmen einen Anstieg der Kurse vermelden. Die Zeiten dürften nun vorerst vorbei sein. Ist es ratsam, jetzt mehr denn zuvor auf Sektorenauswahl und Einzeltitelanalyse im Portfolio zu setzen?
Thomas Hartauer: Absolut. Banken und Versicherungen zum Beispiel leiden sehr stark unter der aktuellen Unsicherheit, während es im Bereich Gesundheitswesen eine stabile Nachfrage gibt und der Sektor allgemein als defensiv eingeschätzt wird.
procontra: Im Branchensegment Biotechnologie sind rund 40 Fonds gelistet. Wie betreiben Sie Ihr Fondsmanagement?
Hartauer: Unser Fondsberater Adamant Biomedical Investments AG aus Zürich, der den Fonds managt, setzt zunächst einmal auf klassisches Fundamentalresearch. Jeder Titel wird analysiert und mindestens einmal besucht, bevor er in das Portfolio aufgenommen wird. Mit neun Analysten und Portfoliomanagern in Zürich, einem in Boston und einem in Singapur gelingt dies sehr gut. Auf Seiten jedes Fonds gibt es dann einen Portfoliomanager, der das Ergebnis der Fundamentalanalyse mit dem aktuellen Marktgeschehen zusammenbringt und so Stimmungen und Trends des Gesamtmarktes mit berücksichtigt.
procontra: Sind Sie der Meinung, dass Pharmafonds auch aktuell noch ein lukratives Investment darstellen?
Hartauer: Klassische Pharmafonds, die auf große Pharmawerte setzen, werden zwar einigermaßen stabil sein, doch aufgrund der Probleme mit sehr großen Patentabläufen über 100 Milliarden Dollar in den kommenden Jahren sind dort keine größeren Anstiege zu erwarten. Profiteure aus unserer Sicht sind in Zukunft einerseits die Generika-Hersteller, die von den Patentabläufen profitieren, aber auch Medizinaltechnik-Unternehmen und Biotechwerte, die Diagnoseverfahren zu verbessern helfen.
procontra: Mit Ihrem Lacuna – Adamant Asia Pacific Health setzen Sie auf den asiatischen Markt. Warum?
Hartauer: Kaum wahrgenommen wurde im vergangenen Jahr die Gesundheitsreform in China. Dort ist es das erklärte Ziel, jedem Chinesen innerhalb von 30 Minuten Zugang zu einer Gesundheitseinrichtung zu ermöglichen, mit Übernahme der Kosten. Einem Drittel der Weltbevölkerung fehlt es dort an einem gut ausgebauten Gesundheitssystem, was wiederum eine Frage auch der sozialen Ruhe ist. Dies ist ein Trend, der uns sicher Jahrzehnte beschäftigen wird, nicht nur über ein paar Monate oder Jahre. Man kann dies auch daran erkennen, dass sich der asiatische Gesundheitsmarkt sehr stabil entwickelt und von den allgemeinen Börsenturbulenzen aktuell wenig beeinflusst wurde.
procontra: Haben Sie auch Risiken im Auge, die Sie branchenmäßig festmachen können?
Zu beachten ist für einige wenige Teile der Gesundheitsindustrie die weitere konjunkturelle Entwicklung, z. B. für die Hörgerätebranche und den Bereich Zahnimplantate. Diese müssen von den Patienten selbst bezahlt werden, oft ohne Zuzahlung der Krankenversicherung. Hier gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen der Erwartung der Menschen in puncto ihres Einkommens und der Auftragslage der Branchen.
