Aus der Krise gelernt
Die Versicherer bewerben eifrig ihre vielfältigen Garantieprodukte. Nach dem eher kläglichen Start der hoch gelobten Variable Annuities (siehe auch) und der Finanzmarktkrise bleibt zu vermuten, dass Anleger alle Versicherungsprodukte, die auch nur im entferntesten mit der Partizipation an den Aktienmärkten zu tun haben, meiden wie der Teufel das Weihwasser. Doch weit gefehlt.
Laut der von der Beratungsgesellschaft Towers Perrin durchgeführten Maklertrendstudie 2009/2010 im Auftrag der maklermanagement.ag haben 85 Prozent der Makler eine starke Nachfrage der Kunden nach Garantieprodukten beobachtet. Fondspolicen ohne Garantien sind nach Meinung der Befragten dagegen schwer verkäuflich. Die Versicherungswirtschaft wittert bei Garantieprodukten ein gutes Geschäft und wirft verstärkt neue Produkte auf den Markt. Bei der Vielzahl der Produkte und der dahinter stehenden Garantiemodelle ist die Kompetenz des Beraters im Verkaufsgespräch besonders gefragt.
Zwei-Topf-Hybrid. Der Zwei-Topf-Hybrid als starres Garantiekonstrukt ist ein altbewährtes Modell in der Lebensversicherungsbranche. Die Garantie wird durch Investitionen in den Deckungsstock gesichert. Der nicht benötigte Beitragsanteil kann in andere Anlagen investiert werden. Dieses Garantiemodell ist leicht verständlich, die Beitragssumme kann problemlos garantiert werden und der Versicherer fungiert als Garantiegeber. Bei kurzen Anschubdauern ist die Aktienquote nicht allzu hoch. Einige Versicherer bieten Zwei-Topf-Hybride der neueren Art an. Dabei kann im Gegensatz zu den „alten“ Modellen das Versicherungsguthaben zwischen Deckungsstock und beispielsweise der Fondsanlage hin- und hergeschichtet werden. Diese Umschichtung übernimmt der Versicherer nach einem mathematischen Verfahren. Bei den „alten“ Modellen sind der Deckungsstock- und der Anlagenanteil festgelegt. Flexible Garantiemodelle, ein aktueller Trend in der Branche, sind Zwei-Topf-Hybride. Der Kunde entscheidet selbst, wann und in welcher Höhe er eine Garantie in seine Fondspolice integriert. Der klassische Deckungsstock ist wie ein Einzelfonds flexibel an- und abwählbar.
Drei-Topf-Hybrid und Variable Annuities. Beim Drei-Topf-Hybrid gibt es als dritten, zusätzlichen Topf meist einen Wertsicherungsfonds, der für den Zeitraum eines Monats 80 Prozent seines anfänglichen Kurses absichert und auf diese Weise ebenfalls zur Bildung der Garantie beiträgt.
Variable Annuities agieren nicht mit einem Deckungsstock, sondern bei diesen Produkten wird die Garantie durch Derivate wie Futures und Optionen dargestellt. Neben einer Rentenzahlung können auch Leistungen garantiert werden. Die Ablaufleistung kann in Form einer Rente oder als Kapitalabfindung dem Kunden gezahlt werden. Die Aktienquote kann bis zu 100 Prozent betragen. Die Garantiekosten können als fester Bestandteil vom Beitrag oder aus dem Guthaben genommen werden.
Produktvielfalt bei Anbietern. Die Bayrische Beamtenversicherung setzt bei ihren Produkten auf zwei Garantiemodelle. Beim dynamischen Zwei-Top-Modell wird die Garantie mittels eines Garantiefonds bewerkstelligt. „Zudem haben wir ausfinanzierte Variable Annuities“, so Andrea Feltel, Abteilungsleiterin Aktuariat bei der BBV. So muss das Produkt beispielsweise nicht irgendwann vom Markt genommen werden, weil die Garantie nicht mehr bedient werden kann. Die Garantieverzinsung geschieht über Zertifikate der Deutschen Bank und ist bereits bei Vertragsabschluss ausfinanziert. „Wir haben aus den schlechten Erfahrungen, die einige Anbieter mit ihren Variable Annuities hatten, gelernt“, so Feltel.
HDI-Gerling Leben setzt in ihrer Two-Trust-Produktfamilie ein Wertsicherungskonzept ein. „Das Vorsorgekapital des Kunden wird in verschiedene Töpfe mit unterschiedlichen Anlageklassen investiert“, so Dragica Csader, Leiterin Produktmanagement Privat der HDI-Gerling Lebensversicherung AG. Zwischen den Töpfen wird das Kapital je nach Restlaufzeit, Garantiehöhe und Entwicklung des Vertragsguthabens umgeschichtet. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Two-Trust-Produkten liegt in der Gewichtung von Rendite und Sicherheit. Die WWK bietet unter der Dachmarke WWK IntelliProtect® fondsgebundene Rentenversicherungen mit kundenindividueller Wertsicherungsstrategie, bei der das Guthaben jedes einzelnen Kunden im Rahmen eines CPPI-Modells börsentauglich zwischen frei wählbaren Investmentfonds und dem Sicherungsvermögen (Deckungsstock) der WWK umgeschichtet wird. CPPI bedeutet Constant Proportion Portfolio Insurance, eine dynamische Absicherungsstrategie. „Bei unserem Produkt handelt sich nicht um ein klassisches dynamisches Hybridprodukt oder um ein statisches Zwei-Topf-Modelle der alten Generation“, betont Thomas Pollmer, Leiter Produktmanagement der WWK Versicherungen. Die Produkte seien performanter als Garantiefondslösungen und dynamische Hybridprodukte mit Garantiefonds, weil sie börsentauglich das maximal mögliche Risikobudget für die Fondsauswahl ermitteln und keiner vorgegebenen Laufzeitenstruktur wie bei Garantiefonds unterliegen.
Anspruchsvolle Kunden. Die Kunden stellen die Versicherer vor eine schwierige Aufgabe. Denn sie wollen Sicherheit und Rendite. Die besondere Crux: Versicherungskunden wollen ihre Garantie am liebsten noch zum Nulltarif. Dabei kostet Sicherheit immer Rendite. Laut einer Untersuchung der Frankfurt School of Finance im Auftrag von Franklin Templeton kosten Garantien bei einem Anlagehorizont von 25 Jahren ungefähr die Hälfte der Renditen. „Eine pauschale Aussage darüber, ob und in welchem Umfang die Rendite durch den Einfluss von garantierten Leistungen reduziert wird, kann unserem Ermessen nach nicht getroffen werden“, sagt Csader
von HDI-Gerling. Dies sei stark abhängig vom gewählten Garantiemodell und der Höhe der garantierten Leistung bzw. von der jeweiligen Restlaufzeit des Vertrages. Die beiden Börsenkrisen der letzten zehn Jahre haben die Nachfrage nach Garantien ansteigen lassen. Der Renditehunger der Kunden ist dabei nicht merklich geringer geworden. „Der Versicherungswirtschaft kommt gegenwärtig zugute, dass sie weniger unter den aktuellen Finanzmarktverwerfungen zu leiden hat als die Banken. Viele Menschen sehen daher zu Recht in Versicherungsunternehmen einen sicheren Hafen für ihre Geldanlagen. Konventionelle Lebensversicherungen und insbesondere Fondspolicen mit Absicherungsmechanismen, die trotzdem noch die Chance auf auskömmliche Renditen wahren, verkaufen sich deshalb besonders gut“, so Pollmer. Natürlich preisen die Anbieter für ihre Produkte die Chancen des Aktienmarktes. In ihren Deckungsstöcken meiden jedoch die meisten Versicherer Aktienrisiken. „Anders als Privatanleger haben wir Anlagevorschriften, um die ausgesprochenen Garantien gewährleisten zu können“, erklärt Feltel von der BBV. Manchmal gestaltet sich die Situation für die Versicherer auch etwas verzwickt. „Eine Zeit lang hieß es, schaut euch doch mal die Engländer und deren Aktienquote an. Als die Aktienquote dann leicht erhöht wurde, hieß es, wir spekulierten mit Kundengeldern“, so Feltel. Die relativ geringen Aktien-Investments sind nach Csader von HDI-Gerling dem Risikocontrolling der Unternehmen geschuldet. „Der Deckungsstock eines Versicherers muss nicht nur aktuelle Garantieversprechen, sondern auch die Garantieversprechen der Vergangenheit sicherstellen“, betont Csader.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich seit dem schwierigen Start der Variable Annuities vor über einem Jahr viel im Bereich der Garantieprodukte getan hat. Die Anbieter stricken ihre Produkte intelligenter und krisensicherer. Die künftigen Absatzzahlen werden zeigen, ob die Versicherer, zur Freude der Vermittler, wirklich den Nerv des Kunden getroffen haben.







