„Ich bin mit Pauli infiziert“

 

Glückwunsch, St. Pauli! Der Kultklub aus Hamburg hat das Wunder vollbracht und den Aufstieg in die erste Liga geschafft. Ein perfektes Geschenk pünktlich zum 100. Geburtstag des Vereins. procontra traf Mittelfeldregisseur „Sir“ Charles Takyi im Stadion und sprach mit ihm über die WM, den Aufstieg und den Mythos St. Pauli.

procontra: Herr Takyi, Ihr Landsmann Kevin-Prince Boateng hat Michael Ballack aus der WM getreten …
Charley Takyi:
Es ist mitten in einem Spiel passiert – ich würde ihm keine Absicht unterstellen wollen. Dass der Mannschaftskapitän nun ausfällt, ist natürlich schlimm. Aber auch ohne Ballack werden sie eine vernünftige WM spielen.
procontra:
Glauben Sie an den Titel?
Takyi:
Deutschland ist eine Turniermannschaft. Im Vorfeld wird zwar immer viel diskutiert und infrage gestellt, doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass sie oft eine wichtige Rolle spielt. Die deutschen Tugenden wie Disziplin, Einsatz, Kampf und Wille werden der Mannschaft in den entscheidenden Momenten von Vorteil sein und sie weit nach vorn bringen.

procontra: Sie sind bei der WM für Ghana nicht dabei. Warum?
Takyi:
Nationalspieler zu sein ist für jeden Fußballer in seiner Karriere natürlich das Größte. Es ist sehr schade, dass ich nicht für Ghana spielen kann. Vielleicht klappt es ja bei der nächsten WM.
procontra:
Spiel Ghana gegen Deutschland – auf welche Spieler müssen die Deutschen aufpassen?
Takyi:
Neben Essien müsst ihr euch bei Sulley Muntari vorsehen. Er hat einen super linken Fuß!

procontra: Wer ist Ihr Favorit?
Takyi:
Spanien. Sie spielen den besten Fußball. Wenn sie ihr Ding durchziehen, wird keine Mannschaft sie aufhalten.
procontra:
Nach dem Bundesliga-Aufstieg Ihres Vereins St. Pauli ging es direkt nach Mallorca. Wie war es am Ballermann mit den Kollegen?
Takyi:
Für mich war es das zweite Mal Mallorca mit den Jungs. Das erste Mal vor zwei Jahren, um mich von ihnen zu verabschieden, bevor ich zu Fürth wechselte. Dieses Mal hatten wir dann richtig etwas zu feiern – unseren  Aufstieg! Fast alle aus dem Team waren mit. Das hat die Reise zu etwas Besonderem gemacht. Drei Tage haben wir zusammen gefeiert und den Sieg so noch einmal richtig gewürdigt.

procontra: Wer hat am meisten gefeiert?
Takyi:
Oh, da gibt es einige von uns, die ganz weit vorne sind beim Feiern. Wenn man sein Ziel erreicht hat, kann man auch einmal die Sau herauslassen. Es war eine lange und anstrengende Saison, in der wir oft angespannt waren. Ich vertrage nicht viel Alkohol, deswegen konnte ich nicht gut mithalten. Aber die meisten waren doch ganz schön dabei und haben die Zeit genossen!
procontra:
Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt, fühlt man sich da schon wie eine Pauli-Familie?
Takyi:
Bei St. Pauli sind die Mannschaft und das gesamte Umfeld völlig anders als bei anderen Vereinen. Wenn man überlegt, wie viele Leute schon seit Jahren in der Mannschaft spielen: Ungefähr 50 Prozent der Mannschaft, die jetzt aufgestiegen ist, haben auch schon damals den Aufstieg von der dritten in die zweite Liga miterlebt. Es ist eine Mannschaft mit Geist und Charakter, die schon lange besteht. Jede Saison wurde sie zwar verstärkt, aber nicht sinn- und planlos, sondern immer mit dem Versuch, nur wenige Spieler dazuzuholen, die vom Charakter zur Mannschaft passen. Deshalb hat die Mannschaft auch ihren Geist behalten. Das hat uns besonders in dieser Saison ausgezeichnet, und wir konnten in schwierigen Situationen als Team zusammenhalten.

procontra: Unternehmen Sie auch sonst viel privat miteinander?
Takyi:
Die meisten kennen sich schon so lange, dass auch die Frauen der Kollegen miteinander befreundet sind. Sie treffen sich sehr oft. Ich bin da ein bisschen anders. Ich ziehe mich gern zurück und brauche Zeit für mich allein. Es gibt zwar einige Kollegen, mit denen ich etwas unternehme, aber nicht mit allen.

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 Eine Antwort zu “„Ich bin mit Pauli infiziert“”
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