Ein Dach für Schwellenländer

 

Untersuchungen zufolge gewinnen Emerging Markets zunehmend die Gunst der Dachfondsmanager. procontra zeigt, woraus die Manager das Geld dafür abziehen und wie die aktuelle Gewichtsverteilung in den Dachfonds aussieht.

Seit dem Nachkrisen-Tiefpunkt im März vergangenen Jahres haussieren die Märkte. Der Dow Jones kletterte um rund 50, der DAX sogar um über 60 Prozent. Noch ertragsreicher waren jedoch die Schwellenländer. Der MSCI Emerging + Frontier Markets Index (MSCI EFM) verdoppelte seinen Wert in dieser Zeit, lag zwischenzeitlich sogar schon bei 120 Prozent. Diese Leistung sorgte anscheinend auch für erhöhte Aufmerksamkeit auf der Dachfondsebene. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die aktuelle Dachfondsmanager-Studie 2010 aus dem Hause Pioneer Investments. Demnach haben Dachfondsmanager ein erhöhtes Interesse an Zielfonds mit Schwellenländer-Fokus. Jene Schwellenländer, die mit ihrem Wirtschaftswachstum, verglichen mit den großen Industrienationen, deutlich positiver aus der Krise hervorgingen. „Emerging-Markets-Allokationen sind aufgrund ihres attraktiven Risiko-Ertrags-Profils auch aus einem Dachfonds-Portfolio nicht mehr wegzudenken“, resümiert Gunnar Knierim, Dachfondsexperte bei Pioneer Investments, die zitierte Studie. Wie hoch diese Gewichtsverschiebung konkret ausfällt, lässt sich laut Knierim pauschal nicht sagen. Dennoch sei eine Gewichtung von bis zu 30 Prozent durchaus möglich und aufgrund der deutlich verbesserten Risikoprofile mittlerweile auch kein Problem mehr.
Auch Hermann-Josef Hall, Vorstand der Sauren Fonds-Research AG, sieht eine Schwellenländer-Beimischung als sinnvoll an. „Für ein global diversifiziertes Portfolio genügt aus meiner Sicht allerdings eine Gewichtung zwischen 8 und 12 Prozent“, so Hall.  In dieser Range bewege sich der Sauren Global Growth Fonds bereits seit seiner Auflegung 1999. Für die risikoaffineren Anleger berücksichtigt die Opportunities-Variante die Schwellenländer laut Hall mit rund einem Drittel.
Der Trend auf Dachfondsebene geht laut Studie dahin, Zielfonds mit einer breit gestreuten Auswahl an Schwellenländertiteln durchaus als Core-, also Kerninvestment, für Dachfonds in Betracht zu ziehen. „Den größten Anteil hat dabei das mittlerweile etablierte BRIC-Quartett, das durch seine starke Wirtschaftsleistung auch das größte Potenzial aufweist“, fand Knierim bei der Befragung der Dachfondsmanager heraus. Zielfonds, die ihren Schwerpunkt nur auf ein Schwellenland legen, eignen sich dagegen weiterhin nur als ergänzendes Investment. Manager von Schwellenländerfonds können also auch in Zukunft mit vermehrten Mittelzuflüssen von Seiten ihrer Dachfondskollegen rechnen. Geld, das sie überwiegend aus den Standardregionen wie den USA, Europa oder auch Japan abziehen. „Je mehr Ineffizienzen ein Markt hat, desto leichter ist es für den Fondsmanager einen Mehrwert zu erzielen“, nennt Hall einen weiteren Grund, den Mehrwert in den Emerging Markets zu suchen. So seien Ineffizienzen, etwa durch deutlich weniger Analysten, vor allem noch in den asiatischen Schwellenländern vorhanden. Dennoch gibt auch Knierim zu Bedenken, dass fundamentale Schwierigkeiten, wie etwa einst bei der Russlandkrise, den Trend vorübergehend stoppen könnten.

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