Branchenfokus

 

Auf Jahressicht konnten fast alle Titel der ersten Reihe im DAX profitieren. Doch welche Branchen haben noch weiteres Aufwärtspotenzial und sind krisenresistent?

Die aktuelle Lage an den Aktienmärkten dieser Welt ist geprägt von Nervosität und gestiegenen Volatilitäten. Das zweite Halbjahr wird zum Realitätstest für die Ökonomie. Trotz leichter Skepsis ist die Stimmungslage keineswegs eingetrübt. Im Gegenteil. Gut aufgestellte Firmen werden weiter expandieren können. Das meint auch Patrick Moonen, Senior Strategist bei ING Investment Management. „Die Investoren werden wieder verstärkt auf die Fundamentaldaten schauen (niedrige Zinsen, attraktive Bewertungen und wettbewerbsfähige Währung). Wir gehen davon aus, dass sich die europäischen Märkte bis zum Jahresende um bis zu 15 Prozent verteuern werden.” Dem pflichtet Marco Schmitz, Leiter Publikumsfonds bei Sal. Oppenheim, bei und zieht die aktuell gute Berichtssaison der Unternehmen heran. Kein hektischer Rückzug vom Börsengeschehen, aber selektives Investment und Präferenz für einzelne Branchen sind Wegweiser der nächsten Zeit.

Biotech und Versorger. Laut BVI-Investmentstatistik hat das Mittelaufkommen in Branchenfonds im ersten Quartal dieses Jahres um 381 Millionen Euro zugelegt und saldierte sich zum Stichtag 31. März 2010 auf investierte 15.686 Millionen. Insbesondere die Branchen Edelmetalle, Technologie und Konsumgüter konnten auf Jahressicht die Benchmark der gesamten Aktienfonds (30 Prozent Wertsteigerung) um einige Prozentpunkte schlagen. Versorger, Titel aus den Sektoren Ökologie, Biotechnologie und Finanzen zeigen Nachholpotenzial auf. Diese Ansicht teilt Karl Huber, Fondsmanager bei Pioneer Investments, der im Besonderen auf die Chancen von Versorgern hinweist, da diese dem Gesamtmarkt zuletzt deutlich hinterhergelaufen seien.

Boom im Gesundheitsmarkt. Heutzutage gehen wir anders mit der eigenen Gesundheit um. Der Mensch identifiziert sich vermehrt über einen gesunden Lebensstil. Die Triebkräfte Überalterung, Urbanisierung und technologischer Fortschritt verändern den Markt nachhaltig und mit ungewohnt hohem Tempo. Daher dürfte das Thema Gesundheit einen wesentlichen Faktor des nächsten Aufschwungs darstellen (siehe Interview mit Thomas Hartauer, Vorstand der Lacuna AG). Gesundheit ist ein Thema, das uns alle etwas angeht, ja sogar stark berühren muss. Die Weltgesundheitsorganisation WHO konstatierte in ihrem World Health Report 2008, dass – auf globaler Ebene – das Thema Gesundheit die größten Sorgen bereite. Folglich gilt dieser Markt als potenzielle Triebfeder des nächsten konjunkturellen Aufschwungs. Ihrem defensiven Charakter hat es die Biotechbranche zu verdanken, dass die Finanzkrise relativ zum Markt gut überstanden wurde. Diese nicht-zyklischen Eigenschaften kamen insbesondere nach dem Crash 2008 zum Tragen, als die Märkte kollabierten. Gerade die steigende Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen in den Emerging Markets sollte sich positiv auf die Sektoren Health Care und Biotech auswirken. „China dürfte langfristig zu einem bedeutenden Gesundheitsmarkt heranreifen“, sagt Nathalie Lötscher, Portfolio Managerin bei UBS. Marco Schmitz von Sal. Oppenheim weist in diesem Zusammenhang zu Recht auf die Vorteile von Branchenfonds gegenüber einem Investment in einzelne Unternehmen hin: „Ein Fonds streut sein Anlagevermögen nicht nur über verschiedene Unternehmen, sondern auch über verschiedene Unterbereiche der Gesundheitsindustrie.“ Ergebnisse einer Studie der Schweizer Bank UBS zeigen, dass der weltweite Markt für Pharmazeutika bis 2020 auf über 1.244 Milliarden Dollar anwachsen dürfte.

Nachholbedarf bei IT-Investitionen. Geteilter Meinung sind Analysten über die weitere Entwicklung in der Technologiebranche. J.P. Morgan sieht in Europa die Technologieaktien im Aufwind und verweist beispielhaft darauf, dass viele Unternehmen den Schritt auf das Windows-Vista-Betriebssystem nicht vollzogen und nun auf Windows 7 „nachrüsten“ müssten. Aktienfonds mit diesem Branchenfokus verzeichneten in den vergangenen sechs Monaten einen Zuwachs von gut 13 Prozent und rangieren sehr weit oben auf der Skala. Diese gute Performance nimmt Karl Huber von Pioneer Investments zum Anlass, um etwas dämpfend bezüglich der Zukunftsaussichten von Technologietiteln zu argumentieren. Neutral bis leicht negativ begegnet man dem Infrastrukturthema. Grundsätzlich sei das immer noch interessant, allerdings müsse mittlerweile deutlich stärker selektiert werden. So haben etwa Boom-Regionen wie Dubai  deutlich an Schwung verloren. Zudem bleibt abzuwarten, inwieweit die langfristige Rückführung der internationalen Verschuldung Infrastruktur-Investitionen beeinflusst. Bekommen die Hersteller die zentralen Themen – Kostensenkung und emissionsarme Antriebe – in den Griff, ist auch mit Blick auf mögliche neue Absatzmärkte die Automobilbranche einen detaillierteren Blick wert. „Allerdings sollten sich Investoren von guten Zahlen im ersten Quartal dieses Jahres nicht zu sehr blenden lassen“, bemerkt Adam Kindreich von ING Investment Management.

Konsolidierung bei Solar/Photovoltaik. Das Branchensegment Solar/Photovoltaik ist ins Gerede gekommen. Die Unternehmen entwickelten sich lange prächtig, die Branche boomte. Dann kam der Fall. Titel wie Solarworld, SOLON und Phoenix Solar haben allein in den letzten sechs Monaten nochmals rund 30 Prozent ihres Werts eingebüßt. Die geplante Reduzierung der Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen um 15 Prozent tat ihr Übriges hinzu. Dr. Alexandra von Bernstorff, Geschäftsführerin der LUXCARA Asset Management GmbH, ergänzt, dass die Solarbranche als junge Branche in besonderem Maße vom derzeit sehr schwierigen Marktumfeld betroffen sei. Die Erneuerbaren Energien im Allgemeinen und die Solarenergie im Besonderen seien jedoch aus unserer Zukunft nicht mehr wegzudenken – der langfristige Wachstumstrend sei weiterhin intakt. Positiver Nebeneffekt dürfte nach ihrer Meinung auch eine Professionalisierung des Marktes sein. Ein baldiges Erreichen der Netzparität mache letztlich den Solarstrom für den Endkunden zu einer ernsthaften Alternative zu fossilem Strom. Es bleibt zunächst festzuhalten, dass ein Brancheninvestment mit diversen Vorteilen verbunden ist. Einzelne Branchen können nebst ihrer Untersegmente erfasst werden, wie es beispielsweise bei den Health-Care-Fonds auszumachen ist. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Unterschiede gäbe. In der Bio­technologiebranche reicht die Spanne der Jahresperformances von 5 bis nahezu 70 Prozent. Neben den Produkten der Dexia Asset Management stechen hier die Branchenfonds der Sal. Oppenheim und auch der Lacuna – APO BioTech bezüglich des Risikoverhältnisses positiv hervor. Den Boom in einzelnen Branchen unterstreicht auch die Anzahl der Aktienfonds mit einem Anlageschwerpunkt. So hat sich die Zahl der Ökologiefonds (Feingruppe AOEK) laut Angabe des BVI im Zeitraum von 2007 bis 2010 fast verdreifacht.

Über die Aussichten im Gesundheitsmarkt spricht Thomas Hartauer von Lacuna im Interview.

pixelstats trackingpixel
Netzwerk Lesezeichen Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • TwitThis
  • Facebook
  • MySpace
  • MisterWong
  • Google Bookmarks
  • YahooMyWeb
  • email
drucken

 Was meinen Sie?