Grün, grün, grün …
„Das Zertifikat entscheidet definitiv über den wirtschaftlichen Erfolg“
procontra: Viele Zertifikate und Siegel kleben an sogenannten Green Buildings. Was muss eine nachhaltige Immobilie erfüllen?
Hermann Horster: Nachhaltigkeit definiert sich bekanntlich über die drei Bausteine Ökologie, Ökonomie und Soziales. Im Immobilienbereich ist hingegen nicht klar definiert, was ein Green Building ist. Ein Passivhaus ist Heizungs-energieeffizient. Nicht mehr und nicht weniger. Das DGNB-Zertifikat erhält hingegen nur, wer alle drei Nachhaltigkeits-Komponenten erfüllt.
procontra: Wie kann man ein Gebäude daraufhin überprüfen?
Horster: Die soziale Komponente untersucht etwa die Qualität des Arbeitsplatzes, wie die Raumluft oder Lichtverhältnisse. Bei der Ökonomie ist die Lebenszykluskostenanalyse, die auf ein Optimum von Bau- und Nutzungskosten zielt, von besonderer Bedeutung. Weiter wird geprüft, ob das Gebäude drittverwendungsfähig ist, sprich für verschiedene Nutzer geeignet. Im Bereich der Ökologie ist die Ökobilanz zentral. Es bringt wenig, ein energieeffizientes Haus zu bauen, wenn die Baumaterialien in der Produktion schon unverhältnismäßig viel Energie verbrauchen.
procontra: Gibt die DGNB einzelne Baustoffe oder technische Lösungen vor?
Horster: Nein. Architekten und Ingenieuren steht es frei, das optimale Zusammenspiel zwischen etwa Fassade und der technischen Gebäudeausrüstung wie Klima, Heizung etc. zu planen. Im Sinne von Ökobilanz und Lebenszyklus ist es sinnvoller, das Gesamtergebnis zu betrachten als nur einzelne Maßnahmen.
procontra: Ist ein Green Building automatisch teurer?
Horster: Die Baukosten sind nicht automatisch höher! Das Leed-System aus den USA belegt durchschnittliche Mehrkosten von 1 bis 2 Prozent je Zertifizierungsstufe. Darunter sind auch Gebäude ohne Mehrkosten. Entscheidend ist, früh mit nachhaltiger Planung zu beginnen, um eine spätere Umplanung zu vermeiden. Dazu sollte geklärt werden, ob der Markt am geplanten Standort nicht ohnehin schon bestimmte, aufwendige Lösungen oder eine Zertifizierung erfordert.
procontra: Die meisten Förderprogramme fokussieren sich nur auf die Energieeffizienz im Betrieb. Warum ist das nicht umfassender?
Horster: Weil die Politik auf das größte Problem, die Klimakatastrophe, mit der vermeintlich simpelsten Lösung, der Reduzierung des CO2-Ausstoßes im Betrieb, reagiert. Gefördert werden dadurch leider Lös
ungen, die nur im Betrieb CO2 sparen, dafür aber in der Erstellung oder Entsorgung möglicherweise mehr CO2 produzieren. Wir halten das nicht für eine ganzheitliche Betrachtung der Nachhaltigkeit.
procontra: Was lässt sich für den Außenstehenden am DGNB-Zertifikat ablesen?
Horster: Zunächst einmal, ob der Bauherr gut rechnen kann, da Ökonomie mit Ökologie und Sozialem verknüpft wird. Die Stufen Bronze, Silber und Gold stellen unterschiedliche Erfüllungsgrade der Zertifikats-Anforderungen dar. Für einen Eigennutzer mag es sinnvoll sein, seine Firmenphilosophie über ein Gold-Zertifikat zu transportieren. Investoren sollten sich hingegen fragen, welches Zertifikat wohl zukünftige Mieter und Käufer fordern.
procontra: Haben zukünftig nur noch Green Buildings Verkaufschancen?
Horster: In den USA ging im Krisenjahr 2009 die Neubautätigkeit stark zurück, die Leed-Zertifizierung erlebte hingegen einen Riesenboom. Die Amerikaner wollen mit der Zertifizierung die Vermarktungsschwierigkeiten in der Krise kompensieren. Dort entscheidet bereits das Zertifikat definitiv über den wirtschaftlichen Erfolg. In Deutschland hängt es noch vom Marktsegment ab. Doch schon heute lassen sich Gebäude an Top-Standorten mit Zertifikat nachweislich besser vermarkten.
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Eine Antwort zu “Grün, grün, grün …”
30.06.2010 um 11:21
Entscheidener Punkt: “…Lösungen, die nur im Betrieb CO2 sparen, dafür aber in der Erstellung oder Entsorgung möglicherweise mehr CO2 produzieren. Wir halten das nicht für eine ganzheitliche Betrachtung der Nachhaltigkeit …” Das wird leider oft vergessen, ist aber ein entscheidend, um letztendlich wirklich ökologisch nachhaltiger zu sein.