Grün, grün, grün …

 

Auch bei geschlossenen Fonds strahlt die
Verpackung oftmals grüner als der Inhalt.

Mit dem grünen Mantel versehen sich nicht nur Investmentfonds, auch wenn diese den Löwenanteil halten, sondern auch immer mehr geschlossene Fonds. „Grundsätzlich können nachhaltige Investmentstrategien im Rahmen unterschiedlicher Anlageprodukte umgesetzt werden. Es gibt ja keinen Begriffsschutz“, sagt Weistroffer.
Es kommt also bei geschlossenen Fonds – hier vielleicht sogar noch mehr als bei Investmentfonds – auch wieder auf den Rechercheaufwand des Anlegers an, wenn der wissen will, ob all das auch tatsächlich grün ist, was da unter dem grünen Segel fährt. Im Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) sind auch einige Projektinitiatoren und Beteiligungsgesellschaften wie Bauminvest, Care Group, Miller Forest Investment, New Value, Projekt Ökovest und Trendinvest Beratungs GmbH als Mitglieder gelistet. „Die Aufnahme als Anbieter geschlossener Fonds geschieht bei uns nur bei Einstimmigkeit im Vorstand. Beispielsweise lediglich einen Solarfonds aufzulegen reicht nicht. Wir schauen uns die Unternehmen schon genau an“, erläutert FNG-Geschäftsführerin Claudia Tober. Zudem hat das Forum gerade eine Arbeitsgruppe gegründet, die Kriterien und Standards erarbeiten soll, um die Transparenz nachhaltiger geschlossener Fonds zu erhöhen. New Value, Mitglied des Forums, ist beispielsweise ein Private-Equity-Unternehmen, das bei der Selektion seiner Portfoliounternehmen großen Wert auf ethische Unternehmenskonzepte und gute Corporate Governance (Unternehmensführung) legt. Kriterien wie Sinnstiftung, soziale Verträglichkeit und ökologische Nachhaltigkeit betrachtet New Value als entscheidende Wettbewerbsvorteile, die sich qualitätsfördernd auf das Produkt- und Dienstleistungsangebot auswirken und somit überdurchschnittliches Wertsteigerungspotenzial ermöglichen. Trendinvest bietet seinen Anlegern Zugang zum Markt der Wasseraufbereitung. Der aktuelle TIV Trendinvest Umweltfonds 3 investiert im In- und Ausland in Projekte im Bereich der Abwasseraufbereitung für Kommunen, Industriebetriebe und Landwirtschaft. „Das Emissionshaus als Ganzes muss sämtliche Prozesse nach Nachhaltigkeit ausrichten und z. B. einen Helikopterflug über einen Solarpark hinterfragen“, so Dr. Christian Göbel, Geschäftsführer von Trendinvest. Beim Thema nachhaltige Investments wird darauf verwiesen, welche Bereiche oder Branchen wegen gewisser Ausschlusskriterien nicht finanziert werden. Dabei sei es umso wichtiger, mit den Investitionen einen Mehrwert zu schaffen. Das Unternehmen hat sich vor einigen Jahren auch als bislang einziges Emissionshaus auf die Konzeption geschlossener Fonds zur Finanzierung von Wasserprojekten spezialisiert. „Weiterhin ist es bei der Einhaltung des Dreiklangs Ökonomie, Ökologie und Soziales nicht immer so einfach, alle relevanten Aspekte zu operationalisieren“, betont Göbel. Daher sei es wichtig, in puncto soziale Nachhaltigkeit, soziales Engagement zu betreiben und nicht nur für Arbeitsplätze durch die Errichtung einer Biomasseanlage zu sorgen. „Wir von Trendinvest unterstützen z. B. die Trinkwasser-Initiative Viva con Agua de Sankt Pauli e. V. und fördern aktiv Trinkwasser- und Sanitärprojekte in Entwicklungsländern.“

Den Druck vom Regenwald nehmen. Der Begriff Nachhaltigkeit stammt zwar aus der Forstwirtschaft, doch scheinen professionelle, auf Rendite getrimmte Aufforstung zur späteren Abholzung von Waldbeständen und Nachhaltigkeit nicht wirklich konform zu gehen. Dennoch finden sich im FNG Anbieter wie Bauminvest oder Miller Forest Investment.
Der Bauminvest 2 verbindet wie bereits sein Vorgänger im Drei-Säulen-Modell Ökonomie, Ökologie und Soziales zu einem nachhaltigen Gesamtkonzept. So stehen beispielsweise auch auf der Plantage von BaumInvest 2 in Costa Rica Kleinbauernfamilien aus der Umgebung Parzellen zur Verfügung, um Nutzpflanzen für die Selbstversorgung oder Vermarktung anzubauen. Das bietet neue Einkommensmöglichkeiten für die zumeist arme ländliche Bevölkerung. Gleichzeitig sichert diese gute gesellschaftliche Einbindung eine hohe Akzeptanz für das Projekt. Neben Teak-Bepflanzung wird mindestens die Hälfte der Nutzflächen mit einheimischen Baumarten in Mischbeständen aufgeforstet. Bauminvest verzichtet nach Möglichkeit auf chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Zudem sind 20 bis 30 Prozent der Gesamtfläche dem Naturschutz vorenthalten.
Miller Forest Investments bietet Anlegern eine Direktbeteiligung durch Kauf oder Pacht von Aufforstungsflächen in Verbindung mit einem Bewirtschaftungsabkommen in Paraguay. Das allein macht ein Unternehmen noch nicht zu einem nachhaltigen Anbieter. „Ich betreibe seit über 25 Jahren ein Reiseunternehmen, das auf Südamerika-Reisen spezialisiert ist. Ich kenne die Problematik der Abholzung des Regenwaldes aus eigener Erfahrung“, erläutert Josef Miller, Firmengründer und Vorstandsvorsitzender, seine Motivation, diese Direktinvestments anzubieten. Bei Miller werden nur Gebrauchshölzer aufgeforstet. Das Unternehmen betreibt keine Plantagenwirtschaft. Zudem wird die ländliche Bevölkerung mit einbezogen. Die Aufforstungsflächen wurden nicht neu geschaffen, sondern existieren schon seit über 100 Jahren. Das Unternehmen bedient mit seinem Holz nur den lokalen Markt, wo die Holzpreise höher liegen als in Europa. Mit all dem soll der Druck vom Regenwald genommen und der ländlichen Bevölkerung eine Perspektive geboten werden. Miller Forest Investment kompensiert zudem seine durch die Flugreisen entstandenen CO2-Emissionen. Doch Ökologie ohne Rendite funktioniert nicht. Projekte, die nur aus gutem Willen bestehen und kein Geld verdienen, kommen meist nicht weit.

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 Eine Antwort zu “Grün, grün, grün …”
  1. EnergiePlus sagt:

    Entscheidener Punkt: “…Lösungen, die nur im Betrieb CO2 sparen, dafür aber in der Erstellung oder Entsorgung möglicherweise mehr CO2 produzieren. Wir halten das nicht für eine ganzheitliche Betrachtung der Nachhaltigkeit …” Das wird leider oft vergessen, ist aber ein entscheidend, um letztendlich wirklich ökologisch nachhaltiger zu sein.

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