Grün, grün, grün …

 


„Der Nachhaltigkeitshebel liegt immer in der Kapitalanlage“

procontra: Sie behaupten, als einziger Lebensversicherer komplett ökologisch zu agieren. Was veranlasst ein Versicherungsunternehmen dazu?
Andreas Grohmann: Als wir 1996 gegründet wurden, gab es nur wenige „grüne“ Angebote zur Altersvorsorge. Wir schrieben uns damals in unsere Unternehmenssatzung, explizit in die Präambel, dass wir uns zu einer nachhaltigen und umweltorientierten Kapitalanlage verpflichten. Dies setzen wir in der kompletten Produktpalette und bei jedem Tarif um.
procontra: Aber worin unterscheiden Sie sich von anderen Versicherern?
Grohmann: Bezüglich der Kapitalverwendung. Sie erfolgt immer und in vollem Umfang nach unseren Umweltleitlinien, die unser Ökologischer Beirat, der mit externen Fachleuten besetzt ist, verfasst hat. Grundsätzlich ist die Investitionsstruktur der Lebensversicherer in Deutschland ähnlich – schon aus Sicherheitsgründen erfolgt die Kapitalanlage weniger in Aktien, sondern vielmehr in festverzinslichen Wertpapieren. Wir überprüfen alle Kapitalanlagen auf ihre Verträglichkeit mit unseren Leitlinien. Ein Papier landet bei uns also nicht im Portfolio, weil es nur rentabel ist, sondern es muss zusätzlich konform mit unseren Umweltleitlinien ist.
procontra: Nennen Sie bitte ein paar konkrete Beispiele für Ihre Investitionen.
Grohmann: Im Bereich der Aktien finden Sie auch bei uns im Portfolio Werte, die Sie aus renommierten Öko-Fonds kennen, wie etwa Solarworld, Pfeiffer Vacuum oder auch Titel aus dem Gesundheits- und Pharmabereich wie Drägerwerk oder Fresenius.
procontra: Wer hat in Ihrem Portfolio keine Chance?
Grohmann: Unter anderem schließen wir die Rüstungs-, Atom-, Chemie- und Automobilindustrie aus.
procontra: Und wenn sich ein Unternehmen in dieser Branche besonders hervortut?
Grohmann: Nein, wir verfolgen auch keinen Best-in-Class-Ansatz. Das heißt, eine Aktie von BMW kommt für uns auch dann nicht in Frage, wenn BMW der umweltfreundlichste Automobilhersteller der Welt wäre. Die Branche hat bei uns per se keine Chance.
procontra: Wie selektieren Sie im festverzinslichen Bereich?
Grohmann: Hier ist die Auswahl etwas schwieriger. Es gibt ja keinen ökologischen Pfandbrief oder ähnliches. Daher prüfen wir über Öko-Ratings und über eigene Untersuchungen das jeweilige emittierende Bankhaus, von dem wir ein festverzinsliches Wertpapier kaufen wollen. Problematisch sehen wir hier z. B. manche Groß- oder Landesbanken.
procontra: Warum Großbanken? Die haben doch häufig ein sehr professionelles Nachhaltigkeitsmanagement.
Grohmann: Ja, aber gerade bei internationalen Großbanken können sie davon ausgehen, dass sie auch bei jedem kritischen Umweltprojekt auf der Welt in der Finanzierung mit eingebunden sind. Somit fallen sie durch unser Raster. Bei Staatsanleihen orientieren wir uns unter anderem am Nachhaltigkeits-Rating der Zürcher Kantonalbank. Sehr positiv sind hier in der Regel die skandinavischen Staaten bewertet, da sie sich durchweg durch einen sehr hohen sozialen Standard auszeichnen. Anleihen hingegen z. B. aus China kämen für uns, schon rein aus umweltpolitischer Sicht und weil es viel zu wenig Hintergrundinformationen gibt, nicht in Frage.
procontra: Was qualifiziert andere Produkte, wie etwa Ihre Berufsunfähigkeitspolice, ökologisch zu sein?
Grohmann: Prinzipiell unterscheidet sich die Struktur unserer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht von der anderer Versicherer. Bei einem Lebensversicherer liegt der Nachhaltigkeitshebel immer in der Kapitalanlage. Die Frage ist daher, wie die Überschüsse erwirtschaftet werden.
procontra: Und wie hoch diese sind. Wie sieht hier das Verhältnis zwischen Rendite und ökologischer Anlage aus?
Grohmann: Seit Unternehmensgründung diskutieren wir diese Frage und erbringen stetig den Beweis, dass der Kunde bei uns nicht draufzahlen muss. Wir liegen im Überschussvergleich im Durchschnitt des Marktes. Für 2010 versprechen wir unseren Kunden eine Gesamtverzinsung von 4,25 Prozent.
procontra: Welcher Zielgruppe versprechen Sie diesen Zins?
Grohmann: Vorrangig Leuten, die eine qualifizierte Alters- und Hinterbliebenenvorsorge suchen und dazu ihr Geld nachhaltig verwendet wissen wollen.
procontra: Sie verzichten auf fondsgebundene Angebote, obwohl es hier zahlreiche nachhaltige Möglichkeiten gibt. Begründen Sie bitte diese Entscheidung.
Grohmann: Zum einen sind wir ein noch relativ kleiner Anbieter. Deshalb müssen wir, schon aus wirtschaftlichen Gründen, unser Angebot sorgfältig auswählen. Zum anderen verfügen wir im Haus über langjährige Erfahrung und Know-how in der Auswahl nachhaltiger Kapitalanlagen. Diese Alleinstellung  wollen wir nicht durch extern verwaltete Fondsangebote verwässern. Wir konzentrieren uns daher auf klassische Produkte und kommen damit den Wünschen der Kunden nach Sicherheit und Garantie nach. Zudem erhalten unsere Vertriebspartner und Makler durch unsere Philosophie ein Alleinstellungsmerkmal für ihren Vertrieb.

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 Eine Antwort zu “Grün, grün, grün …”
  1. EnergiePlus sagt:

    Entscheidener Punkt: “…Lösungen, die nur im Betrieb CO2 sparen, dafür aber in der Erstellung oder Entsorgung möglicherweise mehr CO2 produzieren. Wir halten das nicht für eine ganzheitliche Betrachtung der Nachhaltigkeit …” Das wird leider oft vergessen, ist aber ein entscheidend, um letztendlich wirklich ökologisch nachhaltiger zu sein.

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