Grün, grün, grün …
… sind alle meine Kleider. Grün ist nicht jedermanns Lieblingsfarbe. In der Finanzbranche hängt man sich allerdings oft und gern das grüne Mäntelchen um. Produkte mit „Nachhaltigkeit“ oder „Green“ im Namen verkaufen sich gut. Doch wie nachhaltig sind derart vermarktete Finanzprodukte wirklich?
Das Segment der nachhaltigen Geldanlagen hat ein großes Problem. Was nachhaltige Geldanlagen wirklich sind, ist nicht eindeutig definiert. „Bisher ist der Markt stark vom individuellen Verständnis von Verantwortlichkeit bzw. Nachhaltigkeit einzelner Akteure geprägt“, fasst Christian Weistroffer von Deutsche Bank Research, der aktuell eine Studie zum Thema verfasst hat, das Dilemma zusammen. Dort, wo Produktanbieter Nachhaltigkeit draufschreiben, ist noch lange nicht Nachhaltigkeit drin. „Um wirklich herauszufinden, ob ein Finanzprodukt nachhaltig ist, bedarf es seitens des Anlegers eines gewissen Rechercheaufwands“, erläutert Weistroffer. Dies sei allerdings anbieterseitig nicht auszuschließen, da sich bisher keine allgemeinen Standards durchgesetzt haben.
Neben mangelnder Definition bildet Begriffsverwirrung ein weiteres Manko nachhaltiger Geldanlagen. Denn es gibt nicht nur nachhaltige Investments, sondern auch Responsible (verantwortungsvolle), ethische Investments oder Ökofonds. Hinzu kommen Geldanlagen mit ESG-Kriterien. E steht für Environmental (umweltbezogen), S für Social (sozial) und G für Governance (Kriterien der Unternehmensführung und -ethik). SRI (Socially Responsible Investments) ist ein weiterer, oft synonym verwendeter Begriff für nachhaltige Geldanlagen. Für François Vetri, Pressesprecher der sam group, die den Nachhaltigkeitsindex Dow Jones Sustainability Index zusammenstellt, gibt es auch ein linguistisches bzw. sprachliches Problem. „In der Finanzbranche werden traditionell viele englische Begriffe übernommen.“ Die Vielfalt der Begriffe im Bereich Nachhaltigkeit resultiere aber auch aus den verschiedenen Phasen der Entwicklung, die diese Produktgattung bisher durchlaufen habe. Insgesamt ist das Segment aber noch recht jung. Mit zunehmender Entwicklung und Reife des Marktes werden sich klarere, eindeutiger definierte Standards herausbilden. „Allerdings wird es auch in Zukunft keine einheitlichen Begriffe und Definitionen geben, dafür ist Nachhaltigkeit mit all seinen Aspekten zu vielfältig“, dämpft Weistroffer die Erwartungen.
Wurzeln in der Forstwirtschaft. Das Konzept der Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft. Der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz forderte 1713 angesichts extremer Holzknappheit, dass nur so viel Holz geschlagen werden dürfe, wie wieder nachwachsen kann. Auch außerhalb der Forstwirtschaft hat der sogenannte Brundtland-Bericht den Begriff populär gemacht. Dieser Abschlussreport der World Commission on Environment and Development (WCED) definierte das Leitbild der Nachhaltigkeit als „eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generationen entspricht, ohne die Möglichkeit künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen“. Das engere Verständnis von Nachhaltigkeit umfasst vor diesem Hintergrund nicht nur die intergenerationelle, sondern auch die intragenerationelle Gerechtigkeit. Eine nachhaltige Entwicklung bringt Ökonomie, Ökologie und Soziales in Einklang. Auf nachhaltige Geldanlagen gemünzt bedeutet dies, dass dem Magischen Dreieck der Geldanlage – Rendite, Liquidität und Sicherheit – eine vierte, nicht-monetäre, „extra-finanzielle“ Zielsetzung hinzugefügt wird: die genannten ESG-Aspekte.
„Nachhaltig“ verwaltetes Vermögen hat in den USA bereits eine gewisse Tradition. Der europäische Markt entwickelte sich verhältnismäßig spät, hat aber hohe Wachstumszahlen vorzuweisen. Innerhalb Europas ist Großbritannien auch aufgrund seiner traditionell führenden Rolle bei der Vermögensverwaltung Spitzenreiter (über 900 Milliarden Euro, Stand Dezember 2007). Hohe Bedeutung haben Sustainable Investments auch in den Niederlanden, Belgien sowie in skandi
navischen Ländern. In Deutschland hat die Finanzkrise dem Absatz nachhaltiger Geldanlagen zu schaffen gemacht, wenngleich vergleichsweise weniger als anderen Kapitalanlageprodukten. Vieles spricht dafür, dass der Markt der nachhaltigen Geldanlagen wachsen wird, darin sind sich die Experten einig.
Damit Vermittler und Anleger künftig besser unterscheiden können, welche Geldanlagen das „grüne Mäntelchen“ zu Recht tragen, nimmt procontra die Produkte in den Segmenten Investmentfonds, geschlossene Fonds, Immobilien und Versicherungen sowie vor allem die entsprechenden Nachhaltigkeitskriterien auf den folgenden Seiten unter die Lupe.
Investmentfonds……….Seite 2
Versicherungen……….Seite 3
Geschlossene Fonds……….Seite 4
Immobilien……….Seite 5







Eine Antwort zu “Grün, grün, grün …”
30.06.2010 um 11:21
Entscheidener Punkt: “…Lösungen, die nur im Betrieb CO2 sparen, dafür aber in der Erstellung oder Entsorgung möglicherweise mehr CO2 produzieren. Wir halten das nicht für eine ganzheitliche Betrachtung der Nachhaltigkeit …” Das wird leider oft vergessen, ist aber ein entscheidend, um letztendlich wirklich ökologisch nachhaltiger zu sein.