„Wir machen auch einen Finanz-TÜV“

 

procontra: Muss sich also bei den Adressaten der Ratings etwas ändern?

Tegtmeier: Ja, wir haben schon häufig darüber gesprochen, wie komplex Ratings sind, wir haben über Qualifikationen gesprochen, das können hochqualifizierte Analysten machen, es ist ein extrem kostenintensives Geschäft, das nur erstellt werden kann, wenn es entsprechend bezahlt ist. Und ich würde mir dann auch mal in diesem Zusammenhang wünschen, Financial Planner, Berater und Banken zu fragen, wie viel sie für externes Research ausgeben.

Appel: Ich kenne zwei konkrete Beispiele, wo das genauso nicht ist. Ich kann beweisen, dass es wirklich Vertriebe gibt, die fünf- bis sechsstellige Beträge dafür ausgeben, für Research, für externe Gutachten …

Tegtmeier: Das gibt es, aber der Anteil an der Gesamtzahl der Vertriebe und Banken ist verschwindend gering …

Appel: … deswegen verlangen wir das auch knallhart.

procontra: Fühlen Sie sich als Ratingagentur, Zertifizierungsinstanz oder Analysehaus von geschlossenen Fonds zu oft zu Unrecht an den Pranger gestellt?

Tegtmeier: In diesem Zusammenhang hätte ich mal eine Frage an Herrn Dr. Knepel, der diese vielleicht teilweise beantworten kann. Die Feri macht auch ganz hervorragende Ratings für Aktienfonds, für offene Investmentfonds. Ich habe persönlich das Gefühl, dass nirgendwo anders im Bereich der Kapitalanlage solche Diskussionen in dieser Intensität geführt werden wie im Bereich der geschlossenen Fonds, weil bei offenen oder Aktienfonds, da gibt es so etwas nicht – warum? Oder irre ich mich?

Knepel: Nein, Sie irren sich nicht. Ich glaube, dass hier in der Tat eine viel intensivere Diskussion geführt wird und ich kann es mir auch nicht wirklich erklären.

Tegtmeier: Da bin ich beruhigt …

Knepel: … na ja, Herr Tegtmeier, es kann eigentlich nur damit zusammenhängen, dass wir es bei den geschlossenen Fonds mit einem nicht-regulierten Produkt zu tun haben und damit auch das Rating ein bisschen grau wirkt, genau wie das Produkt auch. Bei den Investmentfonds haben wir das nicht so, das ist ein geregelter Markt und da gibt es auch eine sehr viel längere Tradition im Rating von Fonds dieser Art. Aber so richtig erklärbar ist das für mich auch nicht.

Tegtmeier: Aber ich habe da ein Verständnisproblem. Wenn ich mir einen Prospekt einer Beteiligung ansehe und ich gucke mir beispielsweise im Gegenzug den Verkaufsprospekt eines offenen Investmentfonds an, dann finde ich ersteren wesentlich transparenter, denn da erhalte ich viel mehr ökonomische Informationen als in dem Verkaufsprospekt des offenen Investmentfonds.

procontra: Die von Werner Siepen erstellte Studie zur TÜV-Finanzberatung aus dem Januar dieses Jahres kritisiert unter anderem, dass der TÜV durch seine Siegel Marketingarbeit für die Initiatoren leiste. Dies könnte auch ein Kritikpunkt an den Siegeln der Ratingagenturen sein.

Knepel: Für was denn aber sonst? Der Initiator gibt es in Auftrag, weil er Marketing damit machen will, weil er hofft, dass was Gutes dabei herauskommt und dass er das möglichst plakativ seinen Anlegern präsentieren kann. Das ist doch der Grund, warum Analysen dieser Art gemacht werden, da brauchen wir uns nichts vorzumachen.

Tegtmeier: Warum wird, wenn mit solchen Dingen geworben wird, nicht in diesen anderen Segmenten danach gefragt, sondern auch wieder nur im Bereich der geschlossenen Fonds? Vielleicht weil es ein grauer Markt ist, im Sprachgebrauch – in der Praxis finde ich, dass dieser sogenannte graue Kapitalmarkt viel weißer ist als der regulierte Kapitalmarkt. Denn was es dort für Möglichkeiten gibt, das versteht niemand oder wissen die wenigsten. In jedem anderen Bereich sind Research und Rating auch immer Bestandteil des Sales Support.

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