„Wir machen auch einen Finanz-TÜV“
procontra: In der Konsequenz bietet also der Finanz-TÜV für den Markt keinen Mehrwert?
Knepel: Nein, der Name ist halt schön. Wir machen auch einen Finanz-TÜV, nur heißen wir nicht TÜV. Der TÜV Nord macht Finanz-TÜV und heißt auch noch TÜV – das ist der Unterschied (lacht).
Tegtmeier: Was den Adressatenkreis anbelangt, ist es bei uns etwas anders als bei der Feri, aber die Feri hat auch ein anderes Geschäftsmodell als wir, was es im Vorfeld auch einmal klar zu definieren gilt. Es gibt Unterschiede zwischen Analysen, journalistischen Fondsbesprechungen und Ratings. In Bezug auf Ratings gibt es, was die in Deutschland im Bereich der geschlossenen Fonds tätigen Akteure betrifft, grundlegend zwei Arten von Geschäftsmodellen. Ich spreche jetzt einmal kurz für die Feri, Herr Knepel kann mich ja korrigieren, wenn ich etwas Falsches sage …
Knepel: … Sie machen das bestimmt gut.
Tegtmeier: … Die Feri hat ein anderes Geschäftsmodell. Herr Knepel macht auftragsbezogene Analysen. Diese Analysen können, was in der Natur der Sache liegt, mehr leisten als auftragsunabhängige Analysen im Rahmen unseres Geschäftsmodells. Wenn ich von jemandem beauftragt werde, hat dies den Vorteil, dass ich im Zweifel an Informationen herankomme, an die ich nicht herankomme, wenn ich keinen Auftrag habe. Das liegt, wie gesagt, in der Natur der Sache und ist auch nicht verwerflich. Zum Zweiten: Dadurch, dass unser Geschäftsmodell auf auftragsunabhängigen Analysen oder Ratings basiert, bilden öffentlich zugängliche Informationen die Grundlage unserer Ratings. In der Regel beinhaltet unser Rating nicht einen Besuch – oder ein Audit oder wie man es nennen mag – des Emittenten vor Ort, wir machen das nicht. Gleichwohl wird die Feri so etwas machen. Das vielleicht noch mal ergänzend: Das eine ist weder besser noch schlechter als das andere, entscheidend ist einfach: Was kann es leisten, was wird gemacht und was sagt es letztlich aus?
Knepel: Wir machen beides. Das eine nennen wir Screening, wenn wir uns im Aufrag eines Vertriebs oder einer Bank die Produktpalette anschauen und eine Bewertung der Produkte im Hinblick auf die Selektion für einen Vertrieb vornehmen. Wir nennen es Rating, wenn im Auftrag des Initiators geprüft wird, verbunden mit einer tiefgehenden Analyse der Assets, mit z. B. einer Immobilienbewertung. Dabei benutzen wir Informationen, die uns nur der Initiator zur Verfügung stellen kann.
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