„Wir machen auch einen Finanz-TÜV“

 

Die Politik progagiert Verbraucherschutz, Verbraucherschutz, Verbraucherschutz. Ein Thema, mit dem zunehmend auch die Ratingagenturen für geschlossene Fonds konfrontiert sind. Eine procontra-Gesprächsrunde über Auftragsratings, Beratungsleistungen und den Mehrwert des TÜV Nord für die Beteiligungsbranche

procontra: In der Politik wird seit Jahren darüber diskutiert, das Ratingwesen stärker zu regulieren. Ein aktueller Vorschlag zur Vermeidung von Interessenkonflikten lautet, dass Ratingagenturen nicht auch zugleich Beratungsleistungen für die bewerteten Unternehmen erbringen sollen. Wenn das so kommen sollte, wäre das für die Ratingagenturen von geschlossenen Fonds ein Problem, oder?

"Diese Herren trafen sich zum Gespräch in Hamburg. procontra-Redakteur Robert Krüger-Kassissa, Helmut Knepel, Lars Tegtmeier und Stephan Appel (v.l.n.r.).

Lars Tegtmeier: Überhaupt nicht. Wie definieren Sie Beratungsleistung? Wenn wir für Initiatoren Leistungen erbringen, gilt unter anderem: Ein Initiator ist bei uns Geschäftspartner. Durch seine Geschäftspartnerschaft hat er Anspruch auf unsere Dienstleistung. Wenn jetzt ein Initiator einen Schiffsfonds, einen Immobilienfonds oder sonstiges emittieren möchte und im Vorfeld der Konzeption für vergleichbare Objekte, die in der Vergangenheit emittiert worden sind, die Kennzahlen und Benchmarks haben will, liefern wir diese. Ob das verwerflich ist oder ob es sich in diesem Fall um eine Beratungsleistung handelt, die Interessenkonflikte hervorruft, wage ich stark zu bezweifeln.

Dr. Helmut Knepel: Das sehe ich auch so, auch für uns ist das kein Problem, denn direkte Beratungsleistungen für Initiatoren erbringen wir nicht. Ein Konflikt würde nur auftreten, wenn wir einen Initiator bei der Konzeption beraten würden und dann diesen Fonds danach raten, das ist aber bei uns nie der Fall. Natürlich ist aber mit jedem Rating auch ein Stück Beratung verbunden. Denn das Rating beruht auf einem Kriterienkatalog, der von uns veröffentlicht wird. Ein Kriterienkatalog ist ja nichts anderes als ein Kochrezept für einen guten Fonds, zumindest aus der Sicht der Ratingagentur. Wenn dieser Kriterienkatalog veröffentlicht wird, sagt man also allen potenziellen Interessenten, was die Ratingagentur unter einem guten Fonds versteht. Dies könnte man dann als Beratung interpretieren, selbst wenn sie nicht als solche verkauft wird.

procontra: Interessenkonflikte stellen also nicht das Problem dar, wo liegen dann Ihrer Meinung nach die derzeitigen Probleme?

Tegtmeier: Eine Vielzahl der Marktteilnehmer setzt sich nicht intensiv genug mit Ratings auseinander. Warum machen wir uns denn die Mühe und schreiben seitenlange Anhänge, was wir getan haben und wie wir es getan haben? Damit der Adressat eines Ratings die Möglichkeit hat, dieses nachzuvollziehen – was ein gutes Rating auszeichnet. Das allerdings kostet Zeit. Zudem besteht das Problem, dass es auch Marktteilnehmer oder potenzielle Adressaten gibt, die schlichtweg nicht verstehen, was da gemacht wird. Schauen Sie, Rater sind Handwerker, da gibt es im Bereich der Betriebswirtschaftslehre oder der Statistik Methoden, die man anwendet, weil man sie als geeignet oder hilfreich erachtet, die Güte eines Produkts zu verstehen. Wenn man dann mit gewissen Marktteilnehmern spricht, die stellen Fragen, da fallen Sie vom Glauben ab! Wenn man sich an das hält, was man vorher gesagt hat, dann ist kein Interessenkonflikt vorhanden.

Dr. Helmut Knepel ist Vorstand der Feri EuroRating Services AG, einer der führenden europäischen Ratingagenturen für die Bewertung von Anlagemärkten und Anlageprodukten und eines der führenden europäischen Wirtschaftsforschungs- und Prognoseinstitute. Knepel sieht Feri auch als eine Art „Finanz-TÜV“. Knepel: Da würde ich Ihnen jetzt nicht 100-prozentig zustimmen. Sie schieben ein Stück weit die Verantwortung auf den Konsumenten des Ratings, also auf den Endanleger oder den Vertriebsmitarbeiter, und sagen: Nicht nur mit dem Fonds, sondern auch mit dem Rating muss er sich intensiv befassen. Mit dem Rating sollte ja immer auch eine gewisse Form der Informationsverdichtung verbunden sein.  Ich kann nicht einen 150- bis 200-seitigen Prospekt gegen ein 150- bis 200-seitiges Rating austauschen.

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