Aus eigener Tasche zahlen?

 

Dauerbrenner Prämiensparen. Machbar auch mit Selbstbehalten. Wann lohnt sich hier was – Gretchenfrage des Kunden an den Vermittler.

Selbstbehalte sind inzwischen in nahezu allen Versicherungssparten möglich, in manchen auch ausdrücklich vorgesehen. „In der Warenkreditversicherung hat der Gesetzgeber sogar eine spürbare Selbst­beteiligung vorgeschrieben“, so Brigitte Römstedt von der R+V Versicherung.

Prämiennachlass, dafür aber im Schadensfall einen Teil aus der eigenen Tasche zahlen? „Bei der Privatkundschaft ist das vor allem in der Kfz-Kaskoversicherung akzeptiert, deutlich seltener bei Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen“, erläutert Katrin Rüter vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. „Im Gewerbekundengeschäft sind Selbstbehalte dagegen die absolute Regel.“ Und bringen dort zum Beispiel bei der R+V je nach Höhe und Sparte bis zu 30 Prozent Prämienersparnis. „Dabei führt derselbe Selbstbehalt bei sogenannten Frequenzschadensparten zu einem wesentlich höheren Nachlass als bei einem exponierten Risiko wie beispielsweise Feuer“, so Römstedt. In der Kfz-Versicherung fahren Privat- wie Firmenkunden nach ihren Worten mit Selbstbehalten in der Regel zwischen 20 und 40 Prozent günstiger. „Für den Versicherer rechnen sich Selbstbehalte bekanntlich immer, haben insbesondere im gewerblichen Bereich aber auch für den Kunden durchaus Sinn“, so Versicherungsberater Werner Fütterer aus Vienenburg, der seinen Klienten generell dazu rät. „Wir gehen sogar so weit, dass wir unseren Kunden sagen: Sie sollten möglichst ihren gesamten Durchschnittsschaden selbst tragen. Ansonsten laufen der Firma irgendwann die Kosten davon, wird die Prämie zu teuer oder angemessener Versicherungsschutz zu knapp.“ Eine Faustregel, die er nennt: In drei bis fünf Jahren sollte ein durchschnittlicher Selbstbehalt – bei normalem Schadensverlauf – durch Beitragsersparnis neutralisiert sein.
Teilweise stehen Prämiennachlässe nach seiner Erfahrung jedoch in keinem Verhältnis zu den Schäden, auf denen der Kunde im Ernstfall sitzen bleibt. „Bei Jahresprämien von ein paar hundert Euro rechnet sich kein Selbstbehalt“, so Fütterer. Im ungünstigsten Fall sind auch mehrere Schäden in einem Jahr zu verkraften.

Mit Vorsicht zu genießen. In schadenträchtigen Bereichen sind Selbstbehalte allgemein mit Vorsicht zu genießen. Dagegen bieten sich solche Bereiche dafür an, die laut Statistik nicht oft betroffen sind und im Prinzip nur den Super-GAU versichern. Etwa Feuerschäden. Wann passiert das schon? Wenn der Kunde dann 250 Euro selbst trägt – das lässt sich stemmen. Einige Selbstbehalte sind üblich und häufig, andere im gewerblichen Bereich Verhandlungssache. Beim festen Selbstbehalt, der gängigsten Variante, gibt es wenig zu deuteln. Durch die feste Summen, die dann abgezogen werden, besteht Planungssicherheit für den Schadensfall.

Der prozentuale Selbstbehalt, bei dem der Betroffene jeweils einen bestimmten Prozentsatz des Schadens trägt, stellt in dieser Form eine Gleichung mit vielen Unbekannten dar. „Es bedeutet faktisch, dass feste Kosten – für die Prämie – ersetzt werden durch ungewisse Kosten, die auf unbestimmte Zeit verschoben sind“, erklärt Fütterer. Meist taucht dieser Selbstbehalt jedoch in Verbindung mit einer Summenbegrenzung nach unten und oben auf. Das Prinzip „Alles oder nichts“ gilt bei der Integralfranchise. Der Versicherer wird erst oberhalb einer bestimmten Schadenssumme in Anspruch genommen, zahlt dann aber den vollen Schaden. „Diese Variante ist allerdings sehr selten am Markt, nur in bestimmten Branchen normal durchsetzbar und macht vor allem in den technischen Versicherungen Sinn, zum Beispiel in der Maschinenversicherung“, kommentiert der Versicherungsberater aus Vienenburg. „Betriebe mit hohem Prämienvolumen können eher darüber verhandeln.“

Bei der Stop-loss-Vereinbarung wird ein beliebiges Vielfaches des Selbstbehalts als Höchstschadenselbstbehalt für alle Schäden eines Jahres festgeschrieben, zum Beispiel 1.000 Euro, aber begrenzt auf maximal 5.000 Euro im Jahr. Produziert das Unternehmen Schäden, werden grundsätzlich 1.000 Euro abgezogen. Wenn die 5.000 Euro erreicht sind, leistet die Gesellschaft in vollem Umfang Schadensersatz. Gebräuchlich ist diese Variante bei Transport- und gelegentlich Sachversicherungen. „Günstig bei sogenannten Frequenzschäden, d. h. Schäden, die regelmäßig auftreten und damit schon eher die Norm als statistischer Zufall sind“, führt Fütterer aus.

Der zeitliche Selbstbehalt, bei dem der Versicherungsschutz nicht sofort greift, ist in der privaten Kranken- und Unfallversicherung mit verschiedenen Karenzzeiten bekanntlich gang und gäbe und da erfahrungsgemäß auch sinnvoll. Gelegentlich findet er sich auch in der Betriebsunterbrechungsversicherung. Der erste oder die ersten beiden Tage nach dem Schaden sind dann zum Beispiel vom Schadensersatz ausgenommen. „Nicht unbedingt von Vorteil für das Unternehmen, für den Versicherer aber sinnvoll und zum Teil auch standardmäßig vorgesehen, um verwaltungsintensive Kleinschäden zu vermeiden“, so Fütterer. Im Übrigen sollte man bei Pro oder Contra Selbstbehalte auch in Rechnung stellen: Sie wirken sich günstig auf das Risikoverhältnis zum Versicherer aus und bilden bei schadensanfälligen Policen oft den letzten Rettungsanker, um überhaupt noch Versicherungsschutz zu bekommen.

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  3 Antworten zu “Aus eigener Tasche zahlen?”
  1. Versicherungsmakler sagt:

    Sofern Bagatellschäden selber getragen werden können empfiehlt sich der Einbau eines Selbstbehaltes. Als Kunde profitiert man so von einer geringeren Versicherungsprämie.

    Beitrag + Schadenanzahl + Schadenaufwand = evt. Kündigung bei negativer Schadenquote zum Ablauf oder nach Schaden von Seiten der Versicherungsgesellschaft möglich !)

  2. FinanceWhisper sagt:

    Mit Einrichtung eines passenden Selbstbehaltes kann man bei der Versicherung wirklich einiges einsparen. Auf vielen Internetseiten gibt es auch Vergleichsrechner, mit denen man genau sehen kann, wie sich die Prämien verändern, wenn man den Selbstbehalt verändert.

  3. Tweets die Aus eigener Tasche zahlen? | procontra-online erwähnt -- Topsy.com sagt:

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Geld und Sparen erwähnt. Geld und Sparen sagte: ProContra | Aus eigener Tasche zahlen? http://bit.ly/9xwkRE [...]

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