„Ich setze auf Edelmetalle“

 

Der Rohstoffmarkt ist schwer zu überblicken. Agrar- und Energierohstoffe gehören ebenso dazu wie Edel- und Industriemetalle. Werner J. Ullmann, Rohstoffexperte von ERA Resources, nennt die aus Anlegersicht interessantesten Teilmärkte und verrät, wie sie sich entwickeln werden.

procontra: Die Kapital-, insbesondere die Rohstoffmärkte sind mit der Krise volatiler geworden. Wann normalisiert sich das wieder?

Werner J. Ullmann: Das hängt von der zukünftigen Wirtschaftsentwicklung ab. Kurzfristig spricht vieles für eine Beruhigung. Schwellenländer wie China und Indien haben weiter ein starkes Wachstum, was besonders den Rohstoffmarkt stützt. Jedoch stagniert die westliche Welt. Sollte nun das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer enttäuschen, dann lebt auch die Volatilität wieder auf. Die Rohstoffmärkte sind jedoch generell etwas schwankungsintensiver. Die Krise hat dies noch verstärkt. Und solange die Ungleichwichte am Markt weiter existieren, wird uns auch eine stärkere Volatilität begleiten.

procontra: Der Rohstoffmarkt ist nicht nur volatil, sondern auch sehr diffizil. Welcher Teilbereich ist aus Anlegersicht am interessantesten?

Ullmann: Ich setze ganz klar auf die Edelmetalle. Nachfolgend die nachwachsenden Rohstoffe, gefolgt von Energierohstoffen und den Industriemetallen.

procontra: Warum überzeugen Sie Edelmetalle?

Ullmann: Aufgrund ihrer Nachhaltigkeit. Am Markt wächst die Erkenntnis darüber, dass es keine sicherere Anlageform gibt als Edelmetalle.

procontra: Sprechen wir da automatisch über Gold?

Ullmann: Zum Großteil schon. Und wir werden auch weiter über einen steigenden Goldpreis sprechen.

procontra: Was macht Sie da so sicher?

Ullmann: Bislang wurden große Investitionen in Staatsanleihen geparkt und als sicher bewertet. Dieses Image geht durch die aktuellen Entwicklungen in Ländern wie Dubai,  Griechenland oder jetzt Großbritannien verloren.

procontra: Also profitiert Gold nur von Bankrottängsten?

Ullmann: Nicht nur. Viel wichtiger ist der Erhalt der Kaufkraft. Sämtliche Währungen werten sich seit Jahren ab. Das ist aus den reinen Wechselkursen gar nicht ersichtlich. Das sieht man nur an Assets, die nicht beliebig vermehrbar sind. Gold gehört dazu und steigt stetig im Verhältnis zu den Währungen. Währenddessen sinkt die Kaufkraft der Währungen permanent. Und da weiter frisches Geld gedruckt wird ohne entsprechendes Wirtschaftswachstum, wird der Preistrend für Gold weiter anhalten.

procontra: Dann fällt also bald die 2.000-Dollar-Marke?

Ullmann: In diesem Jahr denke ich nicht. Für Ende 2010 halte ich 1.400 bis 1.500 US-Dollar je Unze für realistisch. In zwei bis drei Jahren könnte dann die 2.000er-Marke überschritten werden.

procontra: Verteuert sich Silber im Windschatten automatisch mit?

Ullmann: In gewisser Weise schon. Auch wenn dieser Markt etwas kleiner ist und einen höheren Industrieverbrauch verzeichnet. Folglich ist der Sektor auch anfälliger für Konjunkturnachrichten und somit volatiler. Aber grundsätzlich ist der Preistrend parallel zu dem von Gold.

procontra: Und ausgedrückt im Unzenpreis?

Ullmann: Die Gold-Silber-Preis-Ratio, sprich das Verhältnis zwischen einer Gold- und Silberunze, liegt derzeit bei etwa 60. Dieses Verhältnis könnte bis zum Jahresende auf 55 oder 50 zurückgehen. Ausgehend von 1.500 für Gold, entspräche das einem Silberpreis von deutlich über 25 US-Dollar.

procontra: Als zweiten Favoriten nannten Sie die nachwachsenden Rohstoffe. Auf welche Produkte sollte man schauen?

Ullmann: Der größte Markt ist der Zuckermarkt. Auch Weizen hatte eine Rekordernte mit geringen Lagerbeständen. Eine schlechte kommende Ernte könnte demnach für Engpässe sorgen und damit die Nachfrage erhöhen. Doch gerade bei den Agrarrohstoffen sollte man nicht auf einzelne Teilbereiche schauen, da der Sektor extrem volatil ist, wie die vergangenen Preisausschläge zeigten.

procontra: Warum ist dieser Markt so extrem?

Ullmann: Landwirte können die Produktion relativ schnell umstellen, um auf die aktuelle Nachfrage zu reagieren bzw. das entsprechende Gut, das im Preis steigt, anzubauen. Folglich kommt es hier zu deutlichen Verschiebungen, was den Preis einzelner nachwachsender Rohstoffe betrifft. Daher sollte man immer den Gesamtmarkt betrachten, der sich sukzessive weiter nach oben bewegt.

procontra: Was genau stützt diese Entwicklung?

Ullmann: Es ist der Rohstoffsektor, der am unabhängigsten von der Konjunktur ist, da bekanntlich immer gegessen wird. Der Wohlstand in den wachstums- und bevölkerungsstärksten Ländern nimmt weiter zu und mit ihm die Nachfrage und die Anforderungen an hochwertigere Nahrung wie etwa Fleisch. Das bedeutet wiederum, dass auch Agrarrohstoffe wie Soja oder Weizen zur Fütterung der Tiere vermehrt angebaut werden müssen.

procontra: Aber diese Anbauflächen sind endlich.

Ullmann: Das stimmt. Daher wird es auch immer schwieriger den Ertrag pro Hektar noch weiter zu steigern. Hinzu kommt, dass immer mehr Flächen bewirtschaftet werden, um Nahrungsmittel, wie etwa Weizen, Mais oder Raps, zur Energiegewinnung anzubauen. Der Kampf um Anbauflächen wird sich zwischen der Ener­gie- und Nahrungsmittelbranche daher weiter verstärken.

procontra: Im Energiesektor schaut man als erstes auf den Rohölpreis. Was ist hier zu erwarten?

Ullmann: So schnell wird der Welt das Öl nicht ausgehen. Jedoch sind die Zeiten billigen Öls definitiv vorbei. Die Erschließung neuer Ressourcen wird immer teurer, viele notwendige Offshore-Anlagen rentieren sich erst ab einem bestimmten Preisniveau. Die Öl-Nachfrage dürfte sich aufgrund des allgemein begrenzten Wirtschaftswachstums zwar langsam, aber recht konstant erhöhen.

procontra: Welche Alternativen zur Energiegewinnung schlagen Sie vor?

Ullmann: Der Uransektor ist in jedem Fall eine. Über Kernkraft kann man sich streiten. Letztendlich brauchen die großen Volkswirtschaften aber günstige und saubere Energiequellen. Günstiger und sauberer als mit Kernkraft geht es nicht. Eine professionelle Betreibung der Kernkraftwerke ist natürlich die Voraussetzung. Unter diesen Umständen erscheint auch Uran mit einem Preis von aktuell 40 US-Dollar völlig unterbewertet.

procontra: Wie sollten rohstoffaffine Anleger investieren?

Ullmann: Unter Berücksichtigung der allgemein höheren Volatilität am stressfreiesten über Rohstofffonds. Viele Fonds investieren sektorübergreifend. Darüber hinaus gibt es entsprechende Themenfonds, die nur den Agrar- oder Edelmetall- oder Basismetallsektor abbilden. Elementar ist es, sich ein gewisses Polster an physischen Metallen aufzubauen.

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