Aufgewärmtes Essen
Schmeckt aufgewärmtes Essen? Kenner wissen: Das hängt vom Gericht ab. So ist es auch im Markt für privates Beteiligungskapital (Private Equity). Weil viele Private-Equity-Fonds in der Krise ihre Beteiligungen nicht mehr verkaufen können, gleichzeitig aber dringend Cash benötigen, eröffnen sich für spezielle Käufer vielversprechende Chancen. Die Käufer wiederum bündeln die „gebrauchten“ Fonds in Sekundärmarktfonds („Secondaries“). Die so konstruierten Dachfonds seien für Privatanleger attraktiv, behaupten jedenfalls die Emittenten wie zum Beispiel Sal. Oppenheim Private Equity Partners (Sopep), RWB oder BVT-CAM.
Seit Ausbruch der Finanzmarktkrise erlebt der Markt für Private-Equity-Sekundärfonds einen Boom. „Aus Liquiditätsmangel trennen sich Private-Equity-Häuser, aber auch institutionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherungen von ihren Private-Equity-Investitionen“, so Peter Maierhofer, Vorstand und Hauptaktionär der WM Maierhofer AG. Oft erfolgen die Verkäufe aus blanker Not, so dass die Käufer hohe Rabatte durchsetzen können. Im Jahr 2009 betrug dieser Abschlag bis zu 40 Prozent. Inzwischen erholen sich die Preise aber wieder.
Wegscheide 2010. Gleichwohl stellt das Jahr 2010 für die Private-Equity-Branche ein Entscheidungsjahr dar. Nach Meinung von Rolf Wickenkamp, Geschäftsführer und Partner der Sopep, steht die Branche vor einem Ausleseprozess: „Einige werden ganz verschwinden.“ Vor allem Fonds, deren Portfoliofirmen unter der Schuldenlast ächzen, die ihnen zu Boomzeiten 2005 bis 2007 aufgebürdet wurde, gerieten in Schwierigkeiten. Von den Banken ist kaum Hilfe zu erwarten; zu groß sind deren eigene Probleme. Bei den Exits von Beteiligungen bilden Totalverluste schon den zweitgrößten „Exit“-Kanal, hieß es auf einer Pressekonferenz des Branchenverbands BVK in Frankfurt. Börsengänge sind mit Brenntag, Kabel Deutschland und Tom Tailor aus den Schatullen von Private-Equity-Häusern zwar angekündigt, aber vollzogen ist noch immer nichts. Das Segment der „gebrauchten“ Fondsanteile jedenfalls hat sich vom Verkäufer- zum Käufermarkt gewandelt. „Jedes zweite Private-Equity-Haus beschäftigt sich mit Secondary-Investments in angeschlagene Unternehmen“, so BVK-Präsident Hanns Ostmeier. Gegenüber Private-Equity-Primärfonds ergeben sich für Sekundärmarktinvestoren Vorteile. So konzentrieren sich Primärfonds zunächst auf ihre Investitionsaktivitäten. Ausschüttungen sind in den ersten etwa fünf Jahren kein Thema. „Dieser Prozess wird durch Sekundärmarkt-Transaktionen beschleunigt“, sagt Uwe Fleischhauer, Managing Partner bei Fleischhauer, Hoyer & Partner Private Equity Consultants. Unter Fachleuten ist dieser Effekt als „J-Kurve“ bekannt. Zudem sind die im Paket eingekauften Firmen in aller Regel weiter entwickelt und bezüglich ihrer Markterfolge, Potenziale und damit ihres Wertes besser einzuschätzen, als dies zum Einstiegszeitpunkt der ursprünglichen Investoren der Fall war. Die Übernahme von Private-Equity-Portfolios gilt daher als weniger risikoreich. Oder wie Fachleute sagen: Das „Blind-Pool-Risiko“ ist geringer.
Die Auswahl entscheidet. Allerdings sollten die Käufer die Zielportfolios sehr genau analysieren und bewerten. Denn im Zuge der Finanzmarktkrise hat sich zwar die Zahl der Opportunitäten erhöht. Indes entscheidet unverändert die Auswahl der angebotenen Secondaries. Die Kunst des Geschäfts liegt darin, attraktive Gelegenheiten frühzeitig aufzuspüren und die Portfolios mit hohem Abschlag zu kaufen, um die „Perlen“ daraus nach gewisser Zeit wieder zu veräußern. Zudem kann derzeit niemand voraussagen, wie lange die Krise noch anhält. Daher sind auch die zukünftigen Chancen von Beteiligungsverkäufen oder Börsengängen kaum kalkulierbar. Privatanlegern bleibt der direkte Zugang zum Sekundärmarkt in der Regel verwehrt, weil die Mindestanlagesumme oft die Millionengrenze übersteigt. Über geschlossene Dachfonds aber ist ein Investment möglich. Aktuell in Emission befindet sich zum Beispiel der RWB Global Market Fonds Secondary III. Der Fonds investiert in andere Sekundärmarktfonds und Anteile an Private-Equity-Fonds – darunter auch der Eigenfonds RWB Global Market Fonds. Ab dem 1. Januar 2017 beginnt der Dachfonds mit der Liquidation. Damit ist die Laufzeit nur halb so lang wie bei einem typischen Primärfonds. Die Mindestanlagesumme beträgt 10.000 Euro. Ebenfalls in der Zeichnungsphase befindet sich der BVT-CAM Private Equity Global Fund VIII. Der Fonds plant, in mindestens zehn Sekundärfonds zu investieren. Damit würden Anleger direkt an mehr als 300 Zielfonds und indirekt an mehr als 5.000 Unternehmen weltweit beteiligt sein. Ein Investment ist auch hier ab 10.000 Euro möglich.
Privatanleger sollten beachten: Billig ist der Weg über Dachfonds nicht. Neben dem Agio von meist 5 Prozent sind oft anfängliche Einmalkosten prospektiert. Und die jährlichen Kosten schlagen etwa doppelt so hoch zu Buche wie bei normalen Fonds. Auch fallen die Erfolgsbeteiligungen oft recht happig aus. Die Kosten sind allerdings auch Verhandlungssache. Manche Anbieter gewähren ihren Kunden Sonderkonditionen. Die Rechtsform der Dachfonds ist meist eine GmbH & Co. KG. Die Anleger gehen also ein unternehmerisches Risiko ein. Ob der Fonds dem Anleger „mundet“, erfährt er erst am Ende der Laufzeit.
Eine Antwort zu “Aufgewärmtes Essen”
28.05.2010 um 14:05
[...] Aufgewärmtes Essen So ist es auch im Markt für privates Beteiligungskapital (Private Equity). Weil viele Private-Equity-Fonds in der Krise ihre Beteiligungen nicht mehr verkaufen können, gleichzeitig aber dringend Cash benötigen.