Alles im Köcher

 

Das vergangene Jahr war für die Beteiligungsbranche ein schwieriges. Das platzierte Eigenkapital ging laut Verband Geschlossene Fonds (VGF) mit 5,1 Milliarden Euro um fast 40 Prozent zurück, ebenso wie das Fondsvolumen (9,4 Milliarden Euro). Dennoch gab es Segmente, die sich hervortaten. So etwa Portfoliofonds.

Auch wenn der VGF seine Erhebung für 2009 um Nichtmitglieder erweiterte, ist ein Segmentzuwachs zu ver­-
zeichnen. Portfoliofonds konnten demnach mit 88 Millionen Euro rund 60 Prozent mehr Eigenkapital platzieren als im Jahr zuvor. Damit lag das Asset hinter den Energie- (+148 Prozent) und Infrastrukturfonds (+77) auf Rang drei, was die Zuwächse betraf. Norbert Wangemann, Analyst für Portfoliofonds beim Rating- und Analyseunternehmen Scope, begründet: „Der Vorteil liegt in der breiten Streuung über diverse Assetklassen in nur einer geschlossenen Beteiligung.“ Ein Portfoliofonds funktioniert wie ein Dachfonds im Bereich der Investmentfonds. Er investiert in einzelne Zielfonds, in diesem Fall Beteiligungen.

Kritik: Blind Pool. Die Qualität der Portfoliofonds hängt entscheidend von der Zielfondsauswahl ab. Die meisten Fonds sind als Blind Pool konzipiert. Vorab geben die Investitionskriterien Orientierung. „Auf Schiffe und Lebensversicherungen entfallen jeweils 30, auf Private Equity und Flugzeugfonds 20 Prozent“, erklärt Jan Eike Schuldt von HCI die Vorgaben für den HSC Aufbauplan 8 Portfolio. Einige Anbieter beachten zudem Kriterien hinsichtlich des Initiators. So erlegen sie sich auf, nur in Fondsanteile von Anbietern zu investieren, die dem VGF angehören oder bereits eine bestimmte Zeit am Markt aktiv sind. Dieser Vorgaben sollten sich Berater und Kunde bewusst sein, wenn schon die Objekte zum Investitionszeitpunkt unbekannt sind. Die Anbieter verteidigen das Blind-Pool-Konzept vor allem damit, dass entsprechende Konjunkturverläufe mit berücksichtigt werden können.
Claus Hermuth, Vorstandsvorsitzender der DCM AG, erläutert zudem das Zusammenspiel mit einem Aufbauplan: „Regelmäßige Sparbeiträge der Anleger führen zu einem Aufbau von Liquidität im Fonds, welche erst sukzessive für Investitionen zur Verfügung steht. Somit kann der Anleger auf der Grundlage einer breiten Streuung Investitionsmöglichkeiten wahrnehmen, welche zum jeweiligen Investitionszeitpunkt attraktiv sind.“

Kritik: Kosten. Ähnlich wie Dachfonds müssen sich auch Portfoliofonds des Vorwurfs einer höheren Kostenstruktur erwehren. Auch wenn die Weichkosten der Portfoliofonds etwas geringer als die der Zielfonds ausfallen – und damit keine Kostenverdopplung existiert –, entsteht eine höhere Kostenbelastung. Schuldt rechnet vor: „Gewichtet nach den Anteilen der Assets in unserem Portfoliofonds, fallen neben dem Agio durchschnittlich Weichkosten in Höhe von 11,3 Prozent an. Durch die übergeordnete Portfoliostruktur werden weitere 2 Prozent für das Dachfondsmanagement fällig.“ Dieser Aufschlag ermöglicht dem Anleger jedoch eine Risikostreuung innerhalb der Beteiligungsbranche. Zudem kann er mit nur einer Mindestbeteiligungssumme an verschiedenen Investments partizipieren. Die Kostenkritik erscheint so alt wie die Anlageklasse selbst. Daher haben die Anbieter reagiert. „Mittlerweile werden die Agios und Vertriebsprovisionen der Zielfonds oftmals zumindest teilweise rückerstattet“, erklärt Wangemann. Dr. Werner Bauer von der BVT/Top Select unterstreicht diese Vorgehensweise und fügt an, dass bei größeren Investitionen in die Zielfonds erhebliche Kostenvorteile ausgehandelt werden können, die in seinem Fonds in voller Höhe an die Anleger des Portfoliofonds weitergegeben würden.

Kritik: Restanten. Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf die Herkunft der Zielfonds. Wird nur in hauseigene Fonds investiert, stellt sich die Frage, ob sich jene Fonds mangels Qualität oder Nachfrage eigenständig nicht ausplatzieren ließen. Dieses Risiko möglicher „Restanten“ lässt sich generell nicht ausschließen. Die Investitionskriterien legen mit fest, ob auch in Fonds fremder Emissionshäuser investiert werden kann. Allerdings beschränken sich nur die wenigsten Angebote ausschließlich auf fremde Fonds (siehe Tabelle). „In der Regel investieren wir in eigene Fonds, prüfen jedoch auch Fremdinvestitionen, etwa bei Assetklassen, die wir selbst nicht abbilden“, führt Schuldt aus. Scope-Experte Wangemann wägt ab: „Bei neu gegründeten reinen Portfolio-Häusern steht die Unabhängigkeit einer fehlenden jahrelangen Erfahrung in den Segmenten gegenüber.“  Zudem kann es als unwahrscheinlich gelten, dass alle hauseigenen Produkte für sämtliche Assetklassen des Portfolios auch das jeweils beste Produkt der Branche liefern können. Hier sollte die Gewichtung zwischen fremden und eigenen Fonds mit berücksichtigt werden.
Emissionshäuser, die in eigene Fonds investieren, berufen sich oftmals auf einen Investitionsbeirat, der für die Auswahl der Zielfonds verantwortlich ist und die Unabhängigkeit gewährleisten soll. Wangemann prognostiziert, dass sich das Segment der Portfoliofonds weiter fest etablieren wird, wenngleich sich keine ausgeprägten Steigerungsraten mehr ergeben dürften. Das Potenzial ist nahezu ausgeschöpft, schließlich steht die Anzahl der Portfoliofonds in Relation zu den Zielfonds. Und diese sind begrenzt.

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