„Temporäre Krisen haben hier kaum Einfluss“

 

Viele Emissionshäuser stürzten sich im vergangenen Jahrzehnt auf Containerschiffe, andere nutzten Nischen wie etwa Schwergut- und Projektschiffe, die vielseitiger einsetzbar sind. procontra sprach mit Dr. Martin Harren, dem Geschäftsführer der Harren & Partner-Gruppe, über den Markt dieser Alleskönner.


procontra:
Dr. Harren, wie sehen Sie die aktuelle Lage auf den Schifffahrtsmärkten?
Dr. Martin Harren:
Hier muss ganz klar zwischen den unterschiedlichen Schiffssegmenten differenziert werden. So wurde die konsumgetriebene Containerschifffahrt durch die Krise massiv in Mitleidenschaft gezogen. Erst jetzt beginnt sie sich wieder langsam zu erholen. Die Charterraten der Bulk Carrier dagegen stabilisieren sich bereits seit Mitte 2009 wieder. Nahezu unbeeindruckt von der Krise zeigt sich der Projektladungsmarkt. In diesem Geschäft handelt es sich überwiegend um den Auf- und Ausbau von Infrastruktur in Bereichen wie Hafenanlagen, Raffinerien oder Kraftwerke.
procontra:
Aus welchem Grund blieb gerade dieses Segment verschont?
Dr. Harren:
Der Planungshorizont in diesem Bereich erstreckt sich über viele Jahre und das Investitionsvolumen liegt häufig jenseits der 10 Mrd. USD. Aus diesem Grund haben temporäre Krisen hier kaum Einfluss. Die Milliardeninvestitionen lassen sich nicht ohne Weiteres zurückfahren und werden auch jetzt noch, nach fast 2 Jahren Weltwirtschaftskrise, wie geplant durchgeführt.
procontra:
Wie haben Sie sich als Reederei in diesem kritischen Umfeld positioniert?
Dr. Harren:
Wir haben uns mit innovativen Schiffseinheiten eine Nische in dem Segment erschlossen, das wir für langfristig lukrativ halten. Mit dem Projektmarkt, der sich schon vor der Krise deutlich weniger volatil als andere Bereiche bewiesen hat, haben wir uns für attraktive Einnahmen bei kalkulierbarem Risiko entschieden. Dadurch haben wir auch ganz bewusst auf extreme Ausschläge, sowohl nach oben als auch nach unten, verzichtet.
procontra:
Mit dem H&P Fonds „PROJECT CARRIER I“ bieten Sie Anlegern nun so ein Konzept zur Beteiligung an. Was ist das Besondere an dem Projekt?
Dr. Harren:
Anleger haben hier die Möglichkeit in zwei selbst entwickelte Spezialschiffe zu investieren. Die MS „COMBI DOCK I“ und MS „PALMERTON“ sind nicht nur auf die Anforderungen des Projektmarktes ausgerichtet, die beiden Neubauten ergänzen sich symbiotisch.
procontra:
Inwiefern?
Dr. Harren:
Während das MS „COMBI DOCK I“ als „Alleskönner“ für fast jede Ladung eine Lösung parat hat, transportiert das MS „PALMERTON“ in seinem ebenfalls durchgängigen Laderaum die Ladung, die zwar für Standardschiffe zu groß ist, aber noch per Kran an Bord gehoben werden kann. Da es sich im Projektgeschäft nicht um einzelne Schwerstücke handelt sondern um Ladungspakete ist wichtig, dass man jedes Teil mitnimmt und dabei effizient bleibt. Eine komplette Flotte von COMBI DOCK Schiffen könnte zwar auch alles transportieren, wäre aber im Einsatz für Standardladung viel zu teuer. Die stimmige Flottenzusammensetzung ist am Ende des Tages das A und O.
procontra:
Wodurch zeichnet sich der Fonds H&P „PROJECT CARRIER I“ noch aus?
Dr. Harren:
Der Projektmarkt ist ein Bereich mit extrem hohen Markteintrittsbarrieren. Als weltweit erstes Unternehmen hat sich der Charterer der Fondsschiffe K/S Combi Lift diesen Zutritt durch Zertifizierungen in Bereichen wie Qualitäts-, Umwelt- und Gesundheitsmanagement erarbeitet. Außerdem spielten natürlich auch Zuverlässigkeit, individuelles Engineering und insbesondere innovative Schiffstypen eine Rolle.
procontra:
Und wo liegen die die Besonderheiten der Reedereigruppe Harren & Partner?
Dr. Harren:
Vordergründig betrachten wir Schiffe nicht nur als Anlageobjekt, sondern als Basis unseres Unternehmens. Das heißt, alles was wir tun und planen, soll einer langfristigen Optimierung dienen. Zudem bekommt der Kunde bei uns die Anlage von A-Z aus einer Hand. Das schafft ganzheitliche Betreuung und einen geschlossenen Informationsfluss.
procontra:
Erhält Harren & Partner extern Unterstützung?
Dr. Harren:
Wir haben uns durch strategische Partner ein Netzwerk geschaffen, durch welches nicht nur das Shipmanagement sondern auch die Befrachtungskompetenz weiter ausgebaut werden konnte. So ist beispielsweise der Charterer der Fondsschiffe K/S Combi Lift ein Joint Venture der dänischen Reederei J. Poulsen Shipping und Harren & Partner.

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