Hauptsache gesund!

 

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler muss das Gesundheitssystem grundlegend reformieren, um Einnahmen und Ausgaben wieder ins Lot zu bringen. Die Leistungsseite wird höchstwahrscheinlich nicht verschont bleiben, was den Bedarf an privaten Krankenzusatzpolicen weiter fördern dürfte.

An die Praxisgebühr haben sich die gesetzlich Versicherten bereits gewöhnt. Seit 2004 werden vierteljährlich zehn Euro fällig. Nun müssen sie sich mit einer weiteren Pauschale vertraut machen. Der Zusatzbeitrag, den erste Krankenkassen beschlossen haben, ist aus eigener Tasche zu zahlen. Zwischen 8 und 37,50 Euro werden bislang monatlich von rund einem Dutzend Krankenkassen verlangt. Als politisch gewolltes Ventil beschrieb Hans-Peter Stute, Verwaltungsratsvorsitzender der DAK, den zusätzlichen Beitrag und bezeichnete ihn weiter als logische Folge der Unterfinanzierung des Gesundheitssystems.

Im Gesundheitsfonds klafft derzeit ein Loch von mindestens vier Milliarden Euro. Tendenz steigend. Regierung und Verbände diskutieren seit Wochen über mögliche Einsparpotenziale. Als eine Maßnahme schlug der GKV-Spitzenverband die Absenkung der Mehrwertsteuer für Medikamente auf 7 Prozent vor. Neben den Kosten für Krankenhäuser und Arzthonorare zählen Arzneimittel zu den größten Kostenblöcken im Gesundheitssystem. Fakt ist, dass ohne grundlegende Gesundheitsreform die Kosten bereits mittelfristig nicht mehr zu tragen sind. „Das aktuelle Defizit von vier Milliarden könnte bereits 2011 auf 13 Milliarden Euro ansteigen“, prognostiziert Jürgen Körner, Sprecher der BKK für Heilberufe. Sein Unternehmen sieht sich gezwungen, fortan 1 Prozent zusätzlich vom Einkommen seiner Mitglieder einzufordern. Reißt das Haushaltsloch weiter auf, so werden nur die wenigsten Krankenkassen künftig um einen Zusatzbeitrag herumkommen.

Leistungskürzungen als Verkaufsansatz. Ebenso wahrscheinlich ist es, dass bei der Suche nach Einsparmöglichkeiten wieder einmal die Leistungsseite herhalten muss. „Die Chipkarte als Blankoscheck für alle Leistungen kann es auf Dauer nicht mehr geben“, meint Sabine Pezely von der BIG direkt. Und auch Körner pflichtet bei, dass mittel- und langfristig bei allen Anbietern Leistungsreduzierungen denkbar seien und damit die Notwendigkeit privater Zusatzversicherungen weiter steigen würde. Für Berater liefert die aktuelle Diskussion über das Gesundheitssystem willkommene Verkaufsargumente für zusätzlichen privaten Versicherungsschutz. Die Leistungen bzw. die Festzuschüsse seitens der gesetzlichen Kassen müssen weiter reduziert werden, um den Super-GAU abzuwenden. Die Rechnung werden die Versicherten mittragen. Entweder schließen sie die größer werdende finanzielle Lücke weiter selbst oder verzichten auf die entsprechenden Leistungen, mitunter auf Kosten ihrer Gesundheit.
Die Anbieterseite kreiert immer neue Tarife, um der wachsenden Notwendigkeit zusätzlichen Versicherungsschutzes nachzukommen. Berater sollten sich daher informieren, wo die besten Leistungen winken, um ihren Kunden den optimalen Schutz anbieten zu können. Dass der Bedarf an privatem Zusatzschutz nicht erst jetzt entstanden ist, zeigt die Statistik: Bereits 1998 existierten rund 14 Millionen Zusatzverträge. Binnen zehn Jahren stieg die Anzahl um 50 Prozent auf aktuell über 21 Millionen Verträge. Die drei Hauptbereiche der ambulanten, stationären und zahnärztlichen Tarife decken drei Viertel aller Verträge ab.

Finanzieren oder versichern? Am häufig­sten sind dabei Zahntarife. Rund zwölf Millionen Verträge – aus Einzel- und Kombitarifen – existierten 2008 und konnten ihr Vorjahresergebnis damit um 9 Prozent steigern. Hajo Köster, Berater beim Bund der Versicherten, hält die Zahnzusatzversicherung allerdings eher für eine Kann- und weniger für eine Muss-Police. „Das Thema Zahnersatz ist keine Versicherungs-, sondern vor allem eine Finanzierungsfrage.“ Köster meint, beim Zahnersatz sei es relativ klar, dass jeder Mensch früher oder später davon betroffen sei. Daher könne dafür gezielt ein Polster auch auf anderem Weg aufgebaut werden. Michael M. Sennert, Mitglied der Geschäftsleitung der CSS Versicherung AG, erklärt: „Die Notwendigkeit einer Zahnzusatzversicherung muss jeder individuell entscheiden. Risiken werden subjektiv unterschiedlich eingeschätzt und die Deckung muss am Bedarf ausgerichtet sein.“ Sennert rechnet anhand eines Beispiels vor, wie hoch die finanzielle Belastung sein kann: „Für ein Implantat mit einer Krone fallen etwa 2.500 Euro an. Davon schießt die GKV lediglich ca. 350 Euro fest zu. Die Differenz von 2.150 Euro müsste ein nicht versicherter Kunde selbst zahlen.“

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 Eine Antwort zu “Hauptsache gesund!”
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