„Die Skepsis der Kunden ist nach wie vor zu spüren“
Zu Besuch beim ersten procontra-Award-Gewinner. DWS-Chef Klaus Kaldemorgen nahm die Auszeichnung persönlich entgegen. Im Gespräch machte er sich Gedanken über mögliche Folgen der Staatsverschuldungen, die Intransparenz einzelner Märkte und wie man das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen kann.
procontra: Herr Kaldemorgen, wann ist die Krise endlich überstanden?
Klaus Kaldemorgen: Kommt darauf an, welche Krise Sie meinen. Der Markt sieht sich mittlerweile einer ganzen Reihe von Krisen gegenüber. Die Finanzmarktkrise scheint zwar überstanden, jedoch wurden durch sie weitere Krisen ausgelöst.
procontra: Welche zum Beispiel?
Kaldemorgen: Zum einen schloss sich direkt eine globale Wirtschaftskrise an, in der wir uns noch immer befinden. Trotz Überwindung der Rezession sind wir noch weit entfernt von einem Aufschwung. Hinzu kommt das Dilemma, in das einzelne Staaten jetzt geraten sind. Sie mussten die Folgen der Krise bekämpfen und akzeptierten dafür eine hohe Neuverschuldung. Diese war auch notwendig, um die Banken zu stützen und die Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen. Doch jetzt wird klar, dass das Wachstum in den großen Volkswirtschaften nicht ausreicht, um das einfach so zu schlucken.
procontra: Ist Griechenland hier nur die Spitze des Eisbergs?
Kaldemorgen: Im Prinzip schon. Die Verschuldungsituation in der gesamten westlichen Welt ist sehr ernst zu nehmen. Um diese Schulden wieder zu relativieren sind entweder ein hohes Wachstum oder langfristig niedrige Zinsen notwendig. Da das Wachstum weiter moderat bleiben dürfte, hoffe ich, dass uns die niedrigen Zinsen noch eine Weile erhalten bleiben.
procontra: Griechenland wurde nun Unterstützung zugesichert. Welche Folgen hat das für den Euro, wenn man alles und jeden rettet?
Kaldemorgen: Zunächst mal halte ich es für ein Zeichen politischer Vernunft, Griechenland zu stützen und zu helfen.
procontra: Warum?
Kaldemorgen: Weil die Folgen eines Zahlungsausfalls ungleich höher wären als die Kosten der Stützungsmaßnahmen. Hier ging und geht es um die Zukunft des Euro. Trotz allem sehe ich den Euro deutlich stärker im Vergleich zu anderen Leitwährungen wie dem US-Dollar, dem Yen oder dem Pfund. Die Wirtschaft, die der Euro abdeckt, ist nicht schwächer als die der USA, Japans oder Großbritanniens. Alle haben hohe Haushaltsdefizite und ein extrem schwaches Wachstum. Der Eurozone geht es dabei deutlich besser als Japan oder England. Und den Vergleich mit den USA braucht der Euro auch nicht zu scheuen.
procontra: Dennoch steht neben Griechenland eine Reihe von Euro-Ländern, die ebenfalls meilenweit von den Forderungen des Stabilitätspaktes entfernt sind. Ist dieser überhaupt noch zu erfüllen?
Kaldemorgen: Im Augenblick wohl eher nicht. Ich denke, es bedarf einer sehr starken Anstrengung jedes einzelnen EU-Mitglieds, die Haushaltskonsolidierung voranzutreiben. Das widerspricht zwar zunächst dem Ziel langfristigen Wachstums, aber ich denke, Haushaltskonsolidierung ist jetzt oberste Priorität. Die Zentralbanken unterstützen dies mit einer anhaltenden Niedrigzinspolitik.
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Eine Antwort zu “„Die Skepsis der Kunden ist nach wie vor zu spüren“”
29.04.2010 um 05:53
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