Tschüs Herr Kaiser!

 

Ab der zweiten Jahreshälfte 2010 soll es die Marke Hamburg-Mannheimer, die zur ERGO-Gruppe gehört, nicht mehr geben. Wie es mit Günter Kaiser, dem Gesicht der Hamburg-Mannheimer, weitergeht, ist noch offen. Ein (letztes) Gespräch mit Nick Wilder, dem Schauspieler, der Herrn Kaiser verkörpert.

procontra: Hallo Herr Kaiser, können Sie „Hallo Herr Kaiser“ eigentlich noch hören?
Nick Wilder:
Ich höre es immer wieder gern. Allerdings wurde in allen meinen Spots der vergangenen 13 Jahren die Begrüßung „Hallo Herr Kaiser“ nie gebraucht. Das war bei den Vorgängern. Aber daran sieht man, wie es in den Köpfen der Bevölkerung hängengeblieben ist.
procontra: Seit 1996 sind Sie die Werbefigur der Hamburg-Mannheimer, nun ist nicht klar, wie es mit Günter Kaiser weitergeht. Traurig, wenn dieses Kapitel jetzt ein Ende hätte?
Wilder:
Vielleicht etwas wehmütig. Es ist toll, Herr Kaiser zu sein. Ich habe dabei immer viel Spaß gehabt und musste mich für die Figur nie verbiegen. Ich finde die Figur sehr positiv und habe, wenn ich in Deutschland unterwegs war, bis jetzt immer spontane und angenehme Reaktionen meiner Mitbürger erleben dürfen.

procontra: Sie schlüpfen nicht nur für die Drehs der Werbespots in die Rolle des Günter Kaiser, sondern werden oder wurden von der Hamburg-Mannheimer auch anders eingesetzt, oder?
Wilder:
Ja, ich war auch bei Betriebsfesten, Weihnachtsfeiern, Jubiläen und auf Reisen der Hamburg-Mannheimer dabei. Ebenso war ich bei Vertriebsveranstaltungen. Das war sehr angenehm, weil ich dort die Menschen traf, die ich letztendlich repräsentiere.
procontra: Einer Ihrer Vorgänger als Herr Kaiser, Schauspieler Günther Geiermann, trug stets Autogrammkarten bei sich, hatte einen Fanclub, bekam Briefe und Heiratsanträge. Ist das bei Ihnen auch so?
Wilder:
Heiratsanträge sind mir noch nicht weitergeleitet worden. Ich kann jetzt nicht behaupten, dass es keine gab. Aber es kamen schon lustige Kommentare auch weiblicherseits, zum Beispiel „Mit dem möchte ich auch gern mal ein Bier trinken“. Autogrammkarten wollten viele Menschen nicht von mir als Schauspieler Nick Wilder, sondern von mir als Herr Kaiser. Ich hatte deshalb natürlich immer beide Versionen dabei.

procontra: Auf YouTube finden sich mit trauriger Musik unterlegte Videos mit dem Tenor: Nehmt uns die Hamburg-Mannheimer, aber lasst uns den Kaiser. Ist Ihnen dieser Personenkult recht?
Wilder:
Wirklich? Das wusste ich gar nicht. Es ist ein großes Kompliment. Wie gesagt, ich finde die Figur toll und wenn man etwas repräsentiert, eine Rolle spielt oder wie auch immer, und die Reaktionen dann so positiv sind, dass die Menschen sagen, es ist schade, wenn es diese Figur nicht mehr gäbe, dann kann man das nur als sehr großes Kompliment empfinden. Die Videos habe ich noch nicht gesehen, aber viele Kommentatoren schreiben, dass es schade wäre, weil es die letzte Ikone in der deutschen Werbelandschaft seit 1950 ist.
procontra: Apropos Werbelandschaft: Marketingexperten sehen den Abschied vom Markennamen Hamburg-Mannheimer als überhastet an. Schließlich sind Sie die bekannteste Werbefigur Deutschlands. Die Marke wurde über viele Jahre mühsam aufgebaut. Teilen Sie diese Ansicht?
Wilder:
Noch ist ja unklar, was kommen wird. Was richtig oder falsch ist, kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch überhaupt nicht sagen. Es gibt triftige Gründe für einen Abschied, aber genauso gute Gegenargumente. Inwieweit das wirtschaftlich ein Vorteil oder Nachteil ist, dazu kann ich keine Stellung nehmen.

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  3 Antworten zu “Tschüs Herr Kaiser!”
  1. Hamburg-Mannheimer schickt "Herrn Kaiser" in Rente - Marketing, Werbung, Public Relations sagt:

    [...] Hamburg-Mannheimer schickt "Herrn Kaiser" in Rente 18.05.2010 aus n-tv.de – Im Zuge der Zusammenführung unter dem Ergo-Markendach wird sich die Hamburg-Mannheimer nun doch von der bekannten Werbefigur "Herr Kaiser" verabschieden. In der 54 Mio. Euro teuren Kampagne, mit der der Ergo-Konzern die neue Marke bekanntmachen will, soll Herr Kaiser keine Rolle mehr spielen. Er sei zwar sehr bekannt, stehe allerdings zu sehr für die alte Marke, so Andrea Hoelken, Marketingleiterin der Hamburg-Mannheimer. Ein prominenter Nachfolger für den beliebten Versicherungsvertreter sei nach dem heutigen Stand auch nicht geplant. Lesen Sie auch: procontra-online.de: Tschüs Herr Kaiser! [...]

  2. Ulrich Dödtmann sagt:

    Ich bin seit 1979 für die Hamburg Mannheimer Versicherungen tätig. Man kann sagen die HM ist mir ans Herz gewachsen. Es tut schon etwas weh, daß es sie nicht mehr unter eigenem Namen geben soll. Die ERGO Versicherungsgruppe ist für viele Kunden der HM etwas ganz neues und wird sicherlich etwas kritisch betrachtet werden. Als Außendienstler (Agenturvertrieb) werde ich als Ansprechnpartner der ERGO Vers. genauso sein wie ich es bei der HM bin oder war!! Kompetent, zuverlässig und ehrlich!

  3. Stefan Röhrig sagt:

    Wie viele Werbemillionen wurden verbraten, um die Hamburg-Mannheimer und andere Ergo Marken aufzubauen? Und nun heißt bald alles Ergo… Welcher geniale Marketingstratege hat sich das denn ausgedacht? Wie gut das funktioniert sieht man ja bei der Talanx…
    Und Herr Kaiser war nicht nur die Werbefigur der Hamburg-Mannheimer. Er war in meinen Augen eine positive Identifikationsfigur für eine ganze Branche. Auch wenn Herr Kaiser nur ein “Ausschließlichkeitskollege” war: Schade, schade, schade…

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