Schwankung lautet die Devise

 

Vor knapp zwei Jahren wurde vermeldet, dass sich Supermodel Gisele Bündchen ihre Gagen zukünftig nur noch in Euro auszahlen ließe. Angeblich hätte sie ihr Vertrauen in den US-Dollar verloren. Nur kurze Zeit später dementierte ihr Management diese Aussage. Man wolle sich dem Euro lediglich öffnen, gleichzeitig dem Dollar jedoch nicht verschließen, hieß es. Aktuell schwanken die Devisenmärkte wie selten zuvor.

Heute ist das Währungsverhältnis in etwa wieder auf dem Kurs der damaligen Falschmeldung angekommen und Frau Bündchen tat gut daran, sich dem Dollar nicht gänzlich abzuwenden. Zwar verteuerte sich der Euro zwischenzeitlich noch auf 1,60, doch als die EZB ab Oktober 2008 ebenfalls anfing ihre Zinsen zu senken, fiel der Kurs binnen dreier Monate auf 1,25 Dollar. In 2009 ging es dann wieder rauf auf 1,50, die jüngste Griechenland-Krise belastete den Euro dann erneut. Werner Eppacher, Währungsexperte und Devisenfondsmanager bei der DWS, sieht diese Berg- und Talfahrt noch nicht beendet: „Für Investoren wird es in diesem Jahr zu einer großen Herausforderung werden, die Schwankungsbreite verschiedener Währungen, allen voran des Euro-Dollar-Verhältnisses, zu beherrschen.“ Diese Volatilität ist nach Ansicht des Experten für die Gesamtwirtschaft viel gefährlicher als ein bestimmtes Niveau, mit dem jeder kalkulieren kann. Doch wo Schwankungen existieren, ergeben sich zwangsläufig auch Investitionschancen.
Egal ob Dollar, Euro oder Britisches Pfund. Die Verhältnisse der Währungen untereinander sind seit der Krise und deren Gegenmaßnahmen volatiler geworden. In den vergangenen 15 Monaten schwankte der Dollar zum Euro in einer Bandbreite von über 22 Prozent. Zum Britischen Pfund waren es sogar über 30 Prozent. Auch das Verhältnis zwischen Britischem Pfund und Euro schwankte zwischen 0,79 und 0,95 Pfund je Euro und damit über 20 Prozent. Zum Vergleich: Zwischen 2003 und 2008 betrug diese Schwankung maximal 8 Prozent. Die radikalen Zinssenkungen der größten Notenbanken brachten die Wechselkurse weltweit mächtig durcheinander. Vor allem der Dollar verlor auf breiter Front (siehe Grafik). „Seit Jahren sind Zentralbanken dabei, ihre Währungsreserven zu Lasten des Dollars zu diversifizieren. Die offensichtlichste Alternative fanden sie im Euro, in dem mittlerweile bis zu 30 Prozent der Währungsreserven der Notenbanken notieren“, erklärt Eppacher die steigende Nachfrage nach dem Euro. Besonders die Chinesen wollen ihre Abhängigkeit vom Dollar langfristig verringern und könnten mit ihrer Vorbildfunktion für andere Schwellenländer erheblichen Druck auf die US-Währung ausüben. Doch mit einer Währungsreserve von über zwei Billionen US-Dollar würde man quasi am eigenen Ast sägen, ließe man den Dollar verfallen. China sitzt zwar an einem starken Hebel, in Richtung Dollarkrise wird Peking ihn jedoch nicht betätigen.

Warten auf die Wende. Der Zins gilt als Preis des Geldes, daher schauen Währungsprofis ganz genau darauf, wie die Notenbanken nun agieren. Über sogenannte Currency Carry Trades nutzen sie Zinsunterschiede zwischen den Zentralbanken aus. Die Strategie ist einfach. Kredite werden in einer Währung mit günstigem Zins aufgenommen. Anschließend wird dieses Geld in Währungen investiert, deren Zins über dem der Kreditwährung liegt. Die Rendite entsteht dann zum einen aus der Zinsdifferenz und zum anderen aus der Kursentwicklung der beiden beteiligten Währungen. Mit den derzeit volatilen Kursverhältnissen wirkt dort ein erheblicher Hebel, der positiv wie negativ ausschlagen kann. Notenbanken, die nun als erstes ihre Zinsen wieder erhöhen und damit die Wende eröffnen, werden eine Aufwertung ihrer Währung einleiten. „Erhöht die EZB noch vor der Fed den Leitzins, dann ist eine Euphorie im Euro denkbar, die den Kurs wieder auf 1,60 US-Dollar heben könnte“, meint Eppacher. Ein faires Verhältnis zwischen Dollar und Euro sieht er jedoch bei 1,35, einem Kurs, der bis Ende 2011 realistisch, aber auch stark von Chinas Geldpolitik abhängig sei.
Der Zeitpunkt für die Zinswenden wird, bedingt durch die unterschiedlichen Konjunkturverläufe, schwer abzuschätzen sein. Experten erwarten frühestens zur zweiten Jahreshälfte entsprechende Aktivitäten der Notenbanken. Als einziger G-20-Staat hat Australien nach einer einjährigen Zinssenkungsphase nun bereits zum dritten Mal in Folge den Zins auf 3,75 Prozent erhöht. „Auch Norwegen beginnt bereits den Zins wieder zu erhöhen“, so Eppacher. Entsprechend stehen Norwegische Krone und Australischer Dollar auf der Long-Position in seinem Portfolio, finanziert aus dem Dollar, dem Schweizer Franken sowie dem Yen. Besonders die japanische Währung sei überbewertet und werde unter den zu erwartenden Zinserhöhungen in Europa leiden.
Devisen eignen sich aufgrund ihrer geringen Korrelation zu Aktien als Depotbeimischung. Berater sollten ihre Kunden genau darüber aufklären, in welche Länder der Fonds etwa für Carry Trades investiert. In Schwellenländern ist der Zins natürlich attraktiver, jedoch bewegt sich der Kunde dann auch schnell in einer höheren Risikoklasse.

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