PKV bittet zur Kasse
Viele private Krankenversicherer haben ihre Beiträge erhöht. Und das deutlicher als in den Jahren zuvor. Das geht aus dem Krankenversicherungs-Rating des aktuellen Map-Reports hervor. Zurückzuführen ist diese Tatsache auf höhere Kosten sowie Leistungen der PKV.
Foto: fotolia
Beitragserhöhungen unterliegen rechtlichen Regelungen. „Aufgrund der Bestimmungen des Versicherungsaufsichtsgesetz und der Allgemeinen Versicherungsbedingungen sind alle Krankenversicherungsunternehmen verpflichtet, eine jährliche Überprüfung der Beitragskalkulation, d.h. eine Gegenüberstellung der kalkulierten mit den erforderlichen Versicherungsleistungen durchzuführen. Ergibt sich eine Abweichung von mehr als 10 Prozent, müssen alle Beiträge des Tarifs überprüft und soweit erforderlich angepasst werden“, erklärt Susanne Kluge, Pressesprecherin bei der Allianz Deutschland.
Auch die Teuerungen im medizinischen Bereich führen zu Beitragserhöhungen. So steigen die Ärztehonorare beziehungsweise die Kosten für stationäre und ambulante Behandlungen im Allgemeinen. Ebenso trägt die immer schneller voranschreitende Forschung und Entwicklung im medizinischen und pharmazeutischen Bereich ihren Teil zu den hohen Kosten bei. 2010 sei außerdem eine neue Sterbetafel herausgekommen, erklärt Birger Jaspers von der ERGO Versicherungsgruppe AG. Danach ist die Lebenserwartung bei Männern und Frauen, und das ist keine Neuigkeit, gestiegen. „So erfreulich dieser demographische Gesichtspunkt auch ist, bei der Prämienkalkulation der privaten Versicherer schlägt er sich für die Versicherungsnehmer unvorteilhaft nieder“, so Jaspers.
Auffällig ist vor allem die Erhöhung der Bestandsbeiträge im Zeitraum zwischen 2001 und 2010. So stiegen die Beiträge 2009 um nur 0,89 Prozent, in 2010 sind es nun 7,53 Prozent. Das ist seit 2001 die höchste Anpassung der privaten Versicherer (siehe Grafik). So erläutert Susanne Kluge von der Allianz: „Die Beitragsanpassung unserer Krankenversicherung wird 2010 geringer als in den vergangenen Jahren ausfallen. Seit 2005 lag bei der Allianz Privaten Krankenversicherung die Erhöhung, ohne Pflegepflichtversicherung, bei durchschnittlich 3 Prozent, bezogen auf den Bestand. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass beim individuellen Einzelfall teils deutliche Abweichungen auftreten können, und zwar sowohl nach oben als auch nach unten.“
Zum Vergleich, auch bei der DKV lag die Beitragserhöhung zwischen 2005 und 2009 für Zusatzversicherungen bei durchschnittlich 3,1 Prozent, bei der Victoria waren es 3,7 Prozent.
2 Antworten zu “PKV bittet zur Kasse”
28.07.2010 um 12:04
Hallo,
das mit der Subvention der GKV durch die PKV stimmt nicht: würde man im ambulanten und stationären System die Versorgung für GKV- und PKV-Patienten strikt trennen, d.h. die GKV-Patienten dürften ausschließlich von GKV-Ärzten und -Krankenhäusern behandelt werden und umgekehrt, würde das PKV-System sofort mangels Masse zusammenbrechen. Nur durch die Möglichkeit, dass Ärzte mit Kassenzulassung die privaten mitbehandeln dürfen, überlebt das PKV-System.
Ich als schon immer PKV-Patient überlege derzeit, die PKV nach 44 Jahren zu verlassen (das geht nur, wenn ich durch Teilzeitarbeit unter die Jahresarbeitsentgeldgrenze falle) weil ich die Kostensteigerungen der letzten Jahre nicht mehr mitmachen möchte. Und die Erkenntnis, selbst mit einer BU die vollen Beiträge zahlen zu müssen.
Liebe Grüße
Eckart
24.02.2010 um 15:05
Bei einer Bekannten sind die Beiträge zur PKV im Schnitt Jahr für Jahr um über 11% gestiegen. Wichtig bei einer PKV ist, dass die Gesellschaft eine stabile Beitragshistorie hat und noch wichtiger, dass der Tarif nicht einfach geschlossen wird, dann altern nämlich die Mitglieder dieses Tarifes und es kommen keine jungen gesunden Leute mehr nach, sodass es richtig teuer werden kann.
Gute Gesellschaften haben sogar Beitragsentwicklungen vorzuweisen, die unter der Inflationsrate liegen, als Folge werden die Beiträge sogar “billiger”.
Was mir als Privatpatient auffällt: Man bekommt häufig Leistungen angeboten, die eigentlich nicht notwendig sind. Bei einer Verspannung der Nackenmuskulatur geht es dann auch mal noch am gleichen Tag zur Computertomographie oder es wird erst einmal das ganz große Blutbild gemacht…So gesehen subventioniert die PKV die GKV sogar.