Zu gierig?
Die ETF-Branche motzt ihre Produkte auf und erntet dafür gleich Kritik. Dennoch werden Indexfonds immer beliebter. Mit Eigenschaften wie kostengünstig, einfach und flexibel überzeugten sie in der Vergangenheit immer mehr Anleger und machen ihrem aktiv gemanagten Pendant damit schwer zu schaffen.
Bis zum zweiten Quartal dieses Jahres sammelte die ETF-Branche nach BVI-Angaben rund 44 Milliarden Euro ein. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 22, zu 2007 sogar von 120 Prozent. Aus dieser gestärkten Marktposition heraus, nimmt man es nun mit einer weiteren Gattung, den Hebelprodukten, auf. Einigen Indexfonds-Anbietern genügt die analoge Partizipation vom Basisindex nicht mehr aus. Sie beginnen ihre Produkte zu hebeln. So wirbt ETF-Securities mit der Möglichkeit von der Performance des DAX, dem Euro Stoxx 50 oder der Londoner Börse doppelt zu profitieren. Und das mit der Short-Variante auch bei fallenden Kursen. Die Produkte haben die Namenszusätze „x2“ oder auch „Leveraged“ (gehebelt) und die US-Finanzaufsicht kritisiert diese gleich scharf. Die Kursentwicklung sei nur schwer nachzuvollziehen und weiche bei längeren Haltezeiträumen von der intuitiv zu erwartenden Rendite ab. Was die Behörde damit meint ist, dass es aufgrund der taggleichen Verdopplung zu Abweichungen kommen kann, wenn der Anleger länger investiert bleibt. Vom ETF-Anbieter db x-trackers, der über eine Auflage von Hebel-ETFs derzeit noch nachdenkt, sie generell aber als geeignet bezeichnet, hieß es: „Der Anleger muss die Tagesabhängigkeit dieser neuen Produkte verstehen, nur dann sollte er handeln.“ Dem pflichtet auch Michael Geister von ETF-Securities bei und rechnet das Verständnisproblem vor: „Wenn der Basiswert an drei Folgetagen jeweils um zehn Prozent steigt, ist seine Gesamtperformance nicht 30 Prozent, sondern liegt darüber, da jeden Tag ein neuer Ausgangswert zugrunde liegt. Daher kann der Hebel auch höher sein als zwei.“ Das dann allerdings auch, wenn der Anleger auf die falsche Richtung gesetzt hat. Diese Abweichungen in der Prozentrechnung kann eine längere Haltedauer verstärken. „Die Hebel-ETFs wurden in erster Linie für institutionelle Investoren und professionelle Privatanleger konzipiert“, so Geister auf die Frage, welche Zielgruppe angesprochen werden soll. Leider lassen sich weniger geschulte Privatanleger nicht ausschließen, da die Indexfonds über die Börse frei handelbar sind. So stellten unter anderem die UBS und auch Morgan Stanley den gehebelten Vertrieb schon wieder ein, da sie diese Produkte für generell ungeeignet halten.
Fragt sich also, warum ein solches, erklärungsbedürftiges Produkts geschaffen wurde, wenn sich lediglich Chance und Risiko verdoppeln. Die Anbieter argumentieren mit der Freisetzung von zusätzlichem Kapital, das anderweitig verwendet werden kann. Skeptiker vergleichen diese Entwicklung hingegen mit denen der Zertifikate, die anfangs auch mit ihrer Einfachheit punkteten, sich am Ende verzockten und mehr verwirrten als einen Mehrwert zu liefern.
