Dubai belastet Mittleren Osten
Spätestens seit Georg Recker und seinem Dubai-1000-Hotel-Fonds haftet den Dubaifonds ein eher unseriöses Image an. Ein Umstand, den die Schlagzeilen über Alternative Capital Invest nicht gerade mildern. Im Gegenteil, Robin Lohmann, Juniorchef des Unternehmens, soll die eingesammelten 300 Millionen Euro nicht in die vorgesehenen Bauprojekte, sondern anderweitig investiert haben, beispielsweise in einen Privatjet und sechs Bentleys.
Auf Nachfrage von procontra antwortet Uwe Lohmann, Robins Vater, für seinen Sohn und verweist auf ein Interview in der Zeitung „Arabian Business“. Darin werden die Vorwürfe als Werk des deutschen Informationsdienstes GoMoPa bezeichnet. GoMoPa verfolge eigene Interessen, die Vorwürfe seien nicht zutreffend. Leider ist das Interview wenig aufschlussreich, auf den ersten Blick interessanter klingt da schon ein Reisebericht Michael Görners, Verlagsleiter der Zeitschrift Fonds exclusiv. Görner hat Robin Lohmann Ende Juni/Anfang Juli in Dubai besucht. Lohmann machte auf Görner einen „gefassten und kompetenten Eindruck und war bereit auf alle Fragen Antworten zu geben“. Allerdings ist Görner zugleich Geschäftsführer der OK-System Invest, einer Vertriebsgesellschaft für geschlossene Fonds, die auch Dubaifonds im Portfolio hat und mit Alternative Capital Invest kooperiert bzw. kooperierte. So sind auch diese Aussagen nur mit Vorsicht zu genießen, denn den „gefassten Eindruck“ Robin Lohmanns kann nicht jeder bestätigen. So fand am 3. September eine Präsenzveranstaltung des Emissionshauses in Gütersloh für Anleger und Vermittler statt. Robin Lohmann war allerdings nicht persönlich vor Ort. Er wurde per Video zugeschaltet. „Geschätzte 150 bis 200 Anwesende erlebten dabei einen körperlich stark angegriffenen Geschäftsführer. Im Vergleich zu bekannten Bildern wirkte er richtig ausgemergelt“, berichten Augenzeugen. Statt Robin war sein Vater Uwe Lohmann in Gütersloh präsent. Dieser allerdings beantwortete von einem Fragenkatalog eines Anlegers keine einzige Frage. Ein Anleger resignierte bereits: „Ich habe mein Geld nun endgültig abgeschrieben.“ Auch Jens-Peter Gieschen von der Rechtsanwaltskanzlei Ahrens & Gieschen kann keine Hoffnung verbreiten: „Unser Betrugsverdacht hat sich nach diesem Auftritt in Gütersloh eindeutig erhärtet. Alle Anleger sollten nun Ausstiegsmöglichkeiten prüfen lassen, nach dem Motto: Das Traumschiff sinkt – alle Mann in die Boote.“
„Dubai ist nicht gleich Mittlerer Osten“. Doch Dubai hat mehr zu bieten als nur schlechte Nachrichten über ACI. „Wir würden uns wünschen, dass die wirtschaftliche Situation Dubais nach gründlicher Recherche neutraler und emotionsloser für den deutschen Leser dargestellt würde“, erklärt Heinz G. Wülfrath, Geschäftsführender Gesellschafter der best select Vertriebsgesellschaft. „Dubai ist nicht gleich Mittlerer Osten.“ Unstrittig ist, dass sich Dubai seit Ende 2008 in einer starken Konsolidierungsphase befindet. „Viele fokussieren ausschließlich Dubai, das eigentlich wirtschaftlich keine bedeutende Rolle im Mittleren Osten spielt“, führt Wülfrath weiter aus.
Dubai ist keine eigene Volkswirtschaft, sondern nur eins von sieben Emiraten. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind wiederum nur ein Teil der Staaten des Golf-Kooperationsrates (GCC-Staaten), die zu den wachstumsstärksten Ländern der Welt gehören. Doch das kleine Emirat ist als Investitionsstandort nicht abzuschreiben, wenngleich die Immobilienmärkte gewaltige, aber notwendige Korrekturen erhalten haben. „Dubai und die Vereinigten Arabischen Emirate haben nach wie vor ein gewaltiges Potenzial in den Bereichen Transport, Logistik, Finanzen und Energie“, erklärt Frank Simon, Vorstand der Trend Capital AG. Ein solches Potenzial sieht Simon für den Hotel- und Tourismusbereich jedoch nicht. In Zeiten des Abschwungs von Dubai rücken hingegen andere Städte und Regionen aus dem Mittleren Osten in den Fokus. So investiert Trend Capital in Wohnimmobilien auf der Pearl Qatar in Doha, der Toplage in Qatar. „Qatar besticht im direkten Vergleich zu Dubai mit einer sehr energiewirtschaftlichen Orientierung und einer konservativen Baupolitik und schafft somit ein aktuell anderes Marktumfeld im Immobiliensektor“, erläutert Simon. Auch der Middle East Best Select Fonds (MEBS) investiert nicht in Dubai, weil die „interessanteren Investmentmöglichkeiten“ in den übrigen Länder des GCC zu finden sind. „Der MEBS Fonds verfügt über einen privilegierten Marktzugang zu Investments, bei denen die Herrscherhäuser am Golf selbst engagiert sind, und sucht als einzige Beteiligung am deutschen Markt länder- und branchenübergreifend nach Investmentopportunitäten.“
Unterschiedliche Geschwindigkeiten. „Bahrain ist eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in der arabischen Welt“, betont Wülfrath. Geringe Inflationsraten und eine sensible Fiskalpolitik treiben die Wachstumsmaschine im Königreich. Auch in Abu Dhabi ist das Wachstum unübersehbar, nirgendwo sind die Pläne nachhaltiger und gigantischer. In Saudi-Arabien, der größten Volkswirtschaft der Region, werden ganze Städte in den Wüstensand gebaut. Auch viele deutsche Unternehmen sind auf dieses Land aufmerksam geworden. Die National Bank of Kuwait spricht von ca. 2,1 Billionen Dollar, die allein derzeit in begonnene oder geplante Infrastrukturprojekte auf der arabischen Halbinsel fließen. Dabei hat der Umbau der Volkswirtschaften, um zunehmend unabhängig von Öl und Gas zu werden, gerade erst begonnen. Das Wachstum und die Geschwindigkeit, mit der die Volkswirtschaften im Mittleren Osten diversifiziert werden, sind jedoch unterschiedlich. Trotz verschiedener Geschwindigkeiten und strategischer Ausrichtungen eint diese Region eins: Zuversicht. „Allen Experten ist klar: In den Golf-Kooperationsstaaten wird die Zukunft gebaut“, sagt Wülfrath. Dieser Prozess werde kaum in einer Generation abgeschlossen sein. Die Korrektur im Rahmen der Wirtschafts- und Finanzkrise sei lediglich eine kurze Zeitblende.
