„Zwang zum Börsenhandel war ein Bärendienst“

 

procontra: Die Prognosen für REITs waren vollmundig. Bislang gibt es aber nur zwei REITs in Deutschland. Ist die Einführung gescheitert?
Ramón Sotelo: Nein. Wir haben nun eine gesetzliche Regelung. Dies ist bereits als Erfolg zu werten. Die Regelungen sind in einem Diskussionsprozess entstanden, der nicht nur von der Fragestellung einer optimalen Regulierung her geführt worden ist. Auch die Lobbyisten haben nicht immer in der notwendigen Form kooperiert.
procontra: Apropos Lobby: Die Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) hat das Thema REIT-Einführung stark forciert. Hat die IFD vielleicht mit der Einführung 2007 übers Ziel hinausgeschossen?
Sotelo: Der Januar 2007 war nicht zu früh, sondern im Zweifel eher zu spät. Schließlich ist die Finanzkrise ab Mitte 2007 spürbar geworden. Der „richtige Zeitpunkt“ ist unwichtig, den kennt man eh nur hinterher. Die IFD hat große Verdienste um die Einführung von REITs errungen. Zwei Wermutstropfen bleiben: Es wurde verpasst, die Immobilien- und besonders die Wohnungswirtschaft in den politischen Prozess zu integrieren. Daher wohl die Auslassung der Bestandswohnungen. Auch hat die IFD – vielleicht auch als Vertreterin der Finanzwirtschaft – mit dem Zwang zum Börsenhandel dem deutschen REIT einen Bärendienst erwiesen.
procontra: Die IFD prognostizierte im Mai 2006 eine Marktkapitalisierung bis 2010 von 127 Milliarden Euro. Warum klaffen Prognose und Wirklichkeit so weit auseinander?
Sotelo: Erstens weil es einen Zwang zur Börsennotierung gibt, zweitens weil die Wohnungen außen vor gelassen wurden, drittens weil das Gesetz so konstruiert ist, dass der Vorstand eines REITs im Zweifel gar nicht verhindern kann, dass der REIT-Status verlorengeht. Die Finanzkrise nenne ich bewusst nicht, weil der REIT dem Grunde nach von dieser profitieren könnte. Die Finanzkrise hat ein Deleveraging zur Folge, also die Rückführung von Fremdfinanzierungen. Dieses Kapital muss ersetzt werden, und da bieten sich REITs als preiswertes Eigenkapital an. Dies setzt aber wieder die Möglichkeit von nicht-börsengehandelten REITs voraus.
procontra: Der sogenannte REIT-Durchbruch wird immer wieder verschoben. Wann kommt er denn nun?
Sotelo: Das hängt ganz stark von der politischen Mehrheit im nächsten Bundestag ab. Wenn die nicht bürgerlich ausfällt, dann kann es sich noch eine Weile hinziehen.

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