„Für deutsche Aktienfonds sind ETFs der wichtigste Rivale“
Die German Capital Management AG (GECAM AG) untersucht regelmäßig das Korrelationsverhalten von Fonds zu ihren Vergleichsindizes. Studienergebnis: Nahezu jeder Aktienfondsmanager klebt am Index. procontra sprach mit Tim Albrecht, Manager des DWS Deutschland Fonds, über den Vorwurf der Passivität und die wachsende ETF-Konkurrenz.
procontra: Herr Albrecht, Ihr Fonds korrelierte laut GECAM-Studie in den vergangenen drei Jahren zu 92 Prozent mit Ihrer Benchmark, dem CDAX. Ein normaler Wert?
Tim Albrecht: Ohne zu wissen, wie die genauen Werte des restlichen Marktes sind, bildet der Fonds wohl diesbezüglich ein gutes Mittel ab. Trotz dieser scheinbaren Indexnähe hängen wir nicht sklavisch an der Benchmark.
procontra: Die restlichen 8 Prozent spiegeln also Ihre Freiheit als aktiver Manager wider?
Albrecht: Nein, das nicht. Konkrete Vorgaben, wie weit sich der Fonds vom Vergleichsindex entfernen darf, gibt es nicht. Andererseits bin ich auch kein Warren Buffet, der es sich leisten kann völlig losgelöst vom Index zu investieren und dessen Anleger es ihm dann auch verzeihen, wenn er mehrere Jahre schlechter als die Benchmark abschneidet. Da würde ich schon ein paar Probleme bekommen.
procontra: Von Ihren Anlegern oder von Ihrem Chef?
Albrecht: Sowohl als auch. Auf Jahressicht wird so etwas toleriert. Von beiden Seiten. Bleibt der Fonds jedoch über einen längeren Zeitraum hinter dem Markt zurück, reagieren die Anleger und verkaufen ihre Anteile. Und folglich wächst dann auch der Druck auf den Fondsmanager.
procontra: Ab wann wird es für Sie brenzlig?
Albrecht: So genau lässt sich das nicht sagen. Aber mittelfristig und, noch wichtiger, nachhaltig sollte der Fonds vor seinem Vergleichsindex liegen.
procontra: Nur Fonds, die zu weniger als 60 Prozent mit ihrer Benchmark korrelieren, werden laut der GECAM-Studie wirklich aktiv verwaltet. Diese Vorgabe erfüllte nicht einmal 1 Prozent der untersuchten Aktienfonds. Warum sind Aktienfondsmanager so passiv?
Albrecht: Sie sind nicht passiv. Diese Grenze ist utopisch niedrig. Es ist in meinem Anlageuniversum deutscher Aktien unrealistisch ein Portfolio aufzubauen, das zu weniger als 60 Prozent mit dem Vergleichsindex korreliert. Zumal die Aktien auch untereinander korrelieren. Kein Wunder also, dass bei einem solchen Maßstab kaum ein Fonds als aktiv bewertet wird.
procontra: Kann man eine solche Grenze überhaupt festlegen?
Albrecht: Die pauschale Vorgabe der Studie erscheint mir willkürlich.
procontra: Fühlen Sie sich angegriffen, wenn behauptet wird, dass eine Index-Korrelation von 92 Prozent relativ wenig mit aktivem Fondsmanagement zu tun habe?
Albrecht: Ja. Unser Management nimmt und nutzt die Freiräume, die es hat. Eine Korrelation von 92 Prozent klingt zwar sehr hoch. Doch die Aussage, das sei kein aktives Management, ist hier fehl am Platz. Zumal die Überperformance, die der Fonds gegenüber dem Index in den letzten Jahren erzielen konnte, ohne aktives Management nicht möglich gewesen wäre. Daher fühle ich mich als Manager mit einer solchen Aussage ungerecht behandelt.
procontra: Beeinflusst ein solches Studienergebnis Ihre zukünftige Arbeit?
Albrecht: Nein. Natürlich ist es sinnvoll zu überprüfen, wie stark ein Fonds den Index abbildet und welches Ergebnis dabei herauskommt. Ich denke aber, dass Erfahrung und ein gutes Bauchgefühl mehr wert sind, als solch einer Kennziffer zu viel Gewicht beizumessen. Eine geringere Korrelation zum Index bedeutet ja nicht automatisch, dass das Management besonders engagiert arbeitet und daher eher seine Kosten rechtfertigt als bei einem Fonds mit einer höheren Indexnähe. Wichtiger ist letztendlich die Performance.
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