„Der Sparplan ist ein probates Mittel“

 

procontra: Geschlossene Fonds sind nichts für Kleinsparer, heißt es ja. Warum locken dennoch einige Emissionshäuser mit Sparplänen für den kleinen Mann?
Manfred Brenneisen: Sparpläne im Bereich der geschlossenen Fonds sind kein Novum. Bereits seit einigen Jahren werben Emissionshäuser Kapital mittels Sparplänen ein. Im Vordergrund steht dabei aber meistens nicht der Kleinanleger, sondern derjenige, der die Ausschüttungen aus anderen Beteiligungen dauerhaft investieren möchte. Dass hierbei auch Anleger angesprochen werden, die typischerweise nicht zur üblichen Klientel gehören, ist für viele Vertriebspartner ein positiver Nebeneffekt.
procontra: Wie können Sparpläne über mehrere Jahre hinweg bei einem Schiffsfonds überhaupt funktionieren?
Brenneisen: Voraussetzung dafür ist, dass der Emittent dauerhaft Beteiligungen in dem jeweiligen Sparsegment auf den Markt bringt. Im Fall der Schiffsfonds ist es namentlich die HCI bzw. HSC, welche Sparpläne anbietet. Dort verfügt man inzwischen über ein 20-jähriges Know-how im Bereich der Schiffsbeteiligungen, so dass davon ausgegangen werden kann, dass auch ein Sparplan dauerhaft über zu investierendes Material verfügt.
procontra: Wie wird die jährliche Ausschüttung dann berechnet?
Brenneisen: Das aktuelle Konzept der meisten Sparplananbieter sieht vor, dass während der Investitionsphase die Ausschüttungen aus den Zielfonds reinvestiert werden. Somit verbleiben die Ausschüttungen zunächst im Fonds und werden nicht an den Anleger ausgezahlt. Sobald genügend Kapital zur Auszahlung zur Verfügung steht, kommt es dem Anleger zugute. Die Berechnung erfolgt über die Kumulation der Ausschüttungen.
procontra: Machen Sparpläne überhaupt nur in Portfoliofonds Sinn?
Brenneisen: Ja, andernfalls besteht nicht die Möglichkeit, neben der Streuung in verschiedene Anlageobjekte auch eine Streuung in verschiedene Zeithorizonte zu bewerkstelligen. Im Übrigen ist bei einer Einzelbeteiligung die Möglichkeit des „Sparplans“ durch Streckung der Einzahlungsraten bei Mehrobjektfonds zu erzielen. Dort erfolgt der Effekt des Sparplans allerdings nur über einen kleinen Zeitraum und eben nicht im Rahmen einer umfassenden Portfoliostreuung.
procontra: Warum galten Sparplanangebote lange Zeit als unseriös?
Brenneisen: Um einen Sparplan sinnvoll zu gestalten ist es aus Kostengründen notwendig, dass während der Einzahlungsphase oder eines gewissen anfänglichen Zeitraums keine oder nur sehr geringe Ausschüttungen erfolgen. Die dadurch fehlende Ergebnisfeststellung eines Fonds macht ihn für viele Anleger unübersichtlich. Auch werden durch die geringen Raten Anlegerzielgruppen angesprochen, die üblicherweise nicht die typischen Kriterien eines Fondsanlegers erfüllen und somit die Eigenheiten eines geschlossenen Fonds nicht immer einzuschätzen wissen.
procontra: Markiert der Sparplan einen Schritt weg vom institutionellen Kunden hin zum Privatanleger? Oder ist er nur ein verzweifelter Versuch in schwierigen Zeiten genug Kapital einzusammeln?
Brenneisen: Weder noch. Der Sparplan ist ein probates Mittel um sowohl neue Käuferschichten als auch neue Vermittlerschichten zu akquirieren.

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