Goldene Zeiten
Krisenängste, Inflationsgefahren und das nahende Rekordhoch. Viele Gründe sprechen für ein Goldinvestment. Wie Sie jetzt investieren sollten. Eine Fünf mit zwölf Nullen, oder auch: 5.000 Milliarden US-Dollar. Das ist der aktuelle Gegenwert der weltweit rund 160.000 existierenden physischen Goldtonnen. Jährlich kommen 2.500 hinzu und ein Großteil davon landet verarbeitet an unseren Hälsen, Ohren und Handgelenken.
Die Schmuckindustrie gilt als Hauptnachfrager des Edelmetalls. Bislang. Denn in den letzten Monaten wurde die Nachfrage zunehmend von der Investmentseite getrieben. Der Grund dafür ist weniger die von Experten empfohlene Depotbeimischung von 10 Prozent als vielmehr die Tatsache, dass sich die rezessive Weltwirtschaftsentwicklung immer tiefer in das Bewusstsein der Anleger gefressen hat. Diese Krisenangst multipliziert sich nun mit der Befürchtung, dass durch die Geldschwemme der Konjunkturprogramme eine zweistellige Geldentwertung unumgänglich sei (siehe auch Titelthema ab Seite 40). Der perfekte Nährboden also für den oft zitierten sicheren Hafen. Seit dem All-Time-High aus dem März 2008 von 1.034 US-Dollar je Unze fiel der Goldpreis zeitgleich mit dem Krisenhöhepunkt im letzten Herbst um 30 Prozent. Von diesem Rückschlag schnell erholt, notiert die Feinunze derzeit wieder bei 920 US-Dollar. Die Edelmetall- Analysten bezweifeln nicht, dass die magische 1.000-US-Dollar-Grenze bald dauerhaft überschritten wird. Sogar eine Verdopplung auf 2.000 US-Dollar wird bis 2015 als realistisch eingeschätzt. Die Frage, die sich die meisten Anleger nun stellen, lautet daher nicht, ob sie in Gold investieren sollen, sondern wie.
Entenhausen macht es vor. Gehstock, Zylinder und einen Speicher voller Gold. Jeder kennt die knauserige Comicfigur Dagobert Duck, die täglich in ihr Münzvermögen eintaucht. Für „die reichste Ente der Welt“ gibt es nichts Sichereres als physisches Gold. Und auch zahlreiche reale Experten setzen auf Gold zum Anfassen in Form von Barren oder Münzen. So auch Wolfgang Grupp, Leiter des Edelmetall- und Münzkabinetts der Landesbank Baden-Württemberg: „Der Vorteil ist einfach wie einleuchtend: Der Anleger hat sein Investment in der Hand.“ Kein verbrieftes Recht, kein Vermögen auf dem Papier. Sondern wahrhaftes Gold in der Hand bzw. im Bankschließfach. Ein dieser Tage wichtiger psychologischer Aspekt. „Gold wird nie wertlos sein. Diese Sicherheit bietet kein anderes Investment“, fügt Grupp an. So konnten zwei Inflationen und zwei Weltkriege einer 20-Mark-Goldmünze von 1909 ihren Substanzwert nicht nehmen. „Im Gegenteil: Ein eventueller Seltenheitsoder Sammlerwert kommt heute noch oben drauf“, so der Experte. Das größte Golddepot zum Anfassen – rein theoretisch zumindest –, lagert in der Federal Reserve Bank of New York. Über 8.100 Tonnen hat die US-Notenbank (Fed) dort eingelagert. Die Bundesbank besitzt 3.400 Tonnen und damit einen Goldschatz im Wert von 82 Milliarden Euro. Insgesamt kontrollieren die Zentralbanken mit etwa 60.000 Tonnen ein Drittel des weltweiten physischen Goldbestands. „Der Einfluss auf den Goldpreis ist damit enorm“, gibt Grupp zu bedenken. Die Zentralbanken haben keinerlei Interesse an einer langfristigen Hausse des gelben Metalls. Eine Abwertung ihrer eigenen Währungen würde damit einhergehen. Genau aus diesem Grund bremsen Experten die Euphorie, mit Gold sei kurzfristig ein spekulativer Gewinn zu erzielen. Sind die Notenbanken sich einig, ist ihr Hebel entsprechend groß. Sascha Rieken von der Feri Finance AG sieht die Macht der Notenbanken allerdings begrenzt: „Langfristig ist eine Manipulation des Goldpreises durch die Zentralbanken zum Scheitern verurteilt.“ Zu groß sei der Druck, den der Markt durch steigende Nachfrage auslösen würde. Und auch Stefan Meinhold von der DWS betitelt diese Bedenken als Ängste aus den Neunzigern, als die Zentralbanken noch willkürlich ihr Gold auf den Markt warfen und diesen ins Schwanken brachten. „Seit dem Abkommen Ende der Neunzigerjahre läuft der Handel wesentlich kontrollierter“, so Meinhold. Aus seiner Sicht kann sich sogar eine starke Nachfrage der Notenbanken aus Fernost ergeben, die ihre Goldbestände aufstocken. Gemessen an ihren Währungsreserven halten Japan und China nur 2 bzw. 1 Prozent in Gold. Gegenüber Deutschland – mit zwei Dritteln – und den USA – mit drei Vierteln – besteht dort enormes Kaufpotenzial.
Anfassen kostet. Private Anleger haben die Möglichkeit, über ihre Hausbank oder bei Handelshäusern für Edelmetalle das Gold zu erwerben. Längere Lieferzeiten inklusive, denn oft sind nur Viertel-Unzen aufgrund der aktuellen Nachfrage sofort verfügbar. Gegen einen physischen Kauf sprechen die hohen Kosten und Gebühren. Wer seine Münzen oder Barren nach dem Kauf im Bankschließfach verwahren lässt, muss eine Nutzungsgebühr zahlen. Die Deutsche Bank verlangt je nach Fachgröße jährlich zwischen 60 und 185 Euro. Zudem ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis je nach Stückelung beträchtlich. Grundsätzlich gilt: Je kleiner die Unze, desto größer die Preisspanne. Der von der Gebührenseite her günstigste, aber in seiner Handelbarkeit unflexibelste Ein-Kilo-Barren wird beim Edelmetall-Handelshaus proaurum mit einem Aufschlag von 3,4 Prozent gehandelt. Deutlich höher wird die Spanne bei Münzen. So liegen zwischen Brief- und Geldkurs bei einer Zehntel-Unze 15 Prozent (siehe Grafik). Egal ob Barren oder Münzen, mehrwertsteuerfrei sind beide Varianten. „Barren zu Anlagezwecken sind immer umsatzsteuerfrei. Gleiches gilt für Münzen, solange ihr Verkaufswert den Materialwert nicht um 180 bzw. 250 Prozent übersteigt“, erklärt Heiko Ganß, Geschäftsführer von proaurum Berlin. Andernfalls werden 19 bzw. 7 Prozent Steuern aufgeschlagen. Zu solchen Überschreitungen kommt es in der Regel nur bei Sammlerstücken. Die im Handel beliebte Wiener-Philharmoniker-Unze liegt im Verkauf nur etwa 6 Prozent über ihrem Materialwert. Wer Angst hat und auf Substanzsicherung aus ist, kauft physisch. Echtes Gold in den Händen zu halten vermittelt ein gutes Bauchgefühl, das dieser Tage die höheren Kosten rechtfertigt. Wer auf einen steigenden Goldpreis spekuliert, hat in der Regel auch immer die Gebührenseite im Blick. Und dafür gibt es deutlich preiswertere Möglichkeiten am Markt.
Kostengünstige ETCs. So zum Beispiel mittels Gold-ETFs bzw. der in Deutschland handelbaren Gold-ETCs. Wer die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs minimieren sowie auf Lager- und Versicherungskosten verzichten will, ist mit diesen Konstrukten besser beraten. Bei den an der Xetra handelbaren ETCs beträgt diese Spanne zwischen 0,05 und 0,55 Prozent (siehe Grafik). Der Unterschied zwischen ETFs und ETCs ist, dass Letztere (C für Commodities = Rohstoffe) rein rechtlich kein Sondervermögen darstellen – wie ETFs –, sondern besicherte Schuldverschreibungen. So trägt der Anleger von ETCs auch immer ein Bonitätsrisiko des Emittenten. Deutsche Anleger müssen dies aber schultern, da Gold-ETFs hierzulande nicht zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sind. So auch der größte unter ihnen, der SPDR Gold Trust, der mittlerweile mit über 1.000 Tonnen physischem Gold hinterlegt ist. Diese physische Absicherung wird auch bei einigen ETCs wie beispielsweise Xetra-Gold geboten. „Unabhängig von der Vertriebszulassung sollten Anleger darauf achten, dass das Vermögen in physischem Gold hinterlegt ist. Das ist ein wichtiger Sicherheitsaspekt“, erklärt Rieken. Egal ob Sondervermögen oder Schuldverschreibung: Die Anlagevehikel standen laut Angaben der Frankfurter Börse 2008 für etwa ein Viertel der Goldnachfrage. Der Zufluss ist weiterhin enorm. Bei einigen Produkten erwirbt der Anleger zudem das Recht, sich bei einem Verkauf den Gegenwert physisch ausliefern zu lassen. Die Gebühren dafür sind dann selbst zu tragen.
Minen und Aktien. Den Verkaufswert physisch zu erhalten ist auch bei einigen Fonds möglich. Der Vorteil von Fonds: Sie sind sparplanfähig und gut teilbar. Schon mit geringen Beträgen kann am Goldpreis partizipiert werden. Goldfonds investieren zum einen in Unternehmen, die auch indirekt vom Edelmetall profitieren. Zum zweiten über spezielle Goldminenfonds in Unternehmen, die direkt in der Goldförderung tätig sind. Und zum dritten zu einem Teil direkt in physisches Gold. „Wer sein Depot diversifizieren möchte, sollte aufgrund der geringen Korrelation direkt in Gold investieren. Anleger, die auf einen stark steigenden Goldpreis spekulieren, nutzen das Renditepotenzial von Goldminenfonds“, erklärt Meinhold. Die DWS hat ihren einstigen Edelmetallfonds DWS Gold plus (WKN 973246) nun zu einem reinen Goldfonds umkonstruiert. Und damit geht es auch direkt in Gold. „Die eine Hälfte wird passiv direkt in Gold investiert. Die andere Hälfte versucht aktiv über Terminkontrakte eine Outperformance zu erzielen“, erklärt Meinhold. Dem Potenzial der Minenfonds stehen schwindende Vorkommen gegenüber. Die Zeiten, in denen riesige Gold-Explorationen vermeldet wurden, sind vorbei. Die bekannten Ressourcen könnten daher in wenigen Jahren erschöpft sein. Doch bis dahin sitzen die Minengesellschaften an einem starken Hebel. Ihre Funde bringen mehr Ertrag, bei nahezu gleich bleibenden Kosten. Beim derzeitigen Goldpreis muss in einer Tonne Gestein nur ein Gramm Gold gefunden werden, damit sich die Mine rechnet. Die Gebühren- und Konditionsstrukturen gestalten sich bei den Fondsangeboten sehr unterschiedlich. Zum Teil auch unübersichtlich. Ausgabeaufschläge (0 bis 5,26 Prozent), All-in-Gebühren und Gesamtteuerungsraten (TER) lassen sich noch überblicken und gut vergleichen. Doch bei einigen Fonds kommt neben einer von unterschiedlichen Benchmarks abhängigen Performance Fee (bis 25 Prozent) noch eine jährliche Vergütung für Management und Berater hinzu. Zudem verlangt etwa der World Gold Fund von BlackRock eine Mindestanlage von 4.000 Euro. Diese Punkte sollten vor einer Anlageentscheidung berücksichtigt werden. Wie man in Gold investiert, ist nicht nur eine Frage der Gebühren und Konditionen. Die Motive für eine Goldanlage liegen in Sicherheitsbedürfnissen ebenso wie in der Aussicht auf ein steigendes Preisniveau begründet. Die Produkte dafür sind vielseitig, das physische Angebot dagegen endlich. Schon allein deshalb steigt der Preis. Noch vor wenigen Jahren wurden Goldinvestoren als Angsthasen bezeichnet. Heute gelten sie als Anleger mit Weitblick. Die Wirtschaftskrise und kommende Inflationsgefahren stellen aktuelle und reale Probleme dar. Aus diesem Grund wird Gold künftig zu mehr als nur einer Depotbeimischung.
