Feuerschutz fürs Depot

 

Kommt es zum inflationären Großbrand, sollten Anleger ihre Geldanlagen auf ihre Feuerfestigkeit hin prüfen. Edelmetalle. Angst, Krisen und steigende Preise sind seit jeher gute Argumente für Gold. Zu Recht, denn Gold wird nie wertlos sein. Seine Resistenz gegen Währungsreformen, Kriege und Hyperinflationen hat es in der Geschichte mehrfach unter Beweis gestellt.

Gold stellt zudem eine Anlageform dar, die man in die Hand nehmen kann – ein psychologisch wichtiger Aspekt derzeit. Doch Gold in physischer Form ist auch teuer. Die Aufschläge betragen je nach Stückelung bis zu 15 Prozent (siehe auch Seite 12). Seit Krisenausbruch flüchteten Anleger in Gold und trieben den Preis um ein Viertel hoch. Wer jetzt bei rund 920 US-Dollar je Unze einsteigt, gelangt, beim genannten Aufschlag, erst ab einem Kurs von 1.058 in die Gewinnzone. Eine noch nie dagewesene, im jetzigen Umfeld aber nicht unrealistische Marke. Gold als zehnprozentige Depotbeimischung wird stets empfohlen. In puncto Werterhaltung ist die physische Form ohnehin nicht zu schlagen, und wer mit den schlimmsten Inflationsszenarien rechnet, sollte die empfohlene Quote etwas hochschrauben. Im Schatten von Gold entwickelt sich ebenso Silber zunehmend zu einer Krisenwährung. Das weiße Pendant wurde ebenfalls stark von der Investmentseite her getrieben. Seit Oktober (8,88 US-Dollar) stieg der Unzenpreis auf über 14 US-Dollar. Die wachsende Bedeutung für die Industrie stützt den Preis. Egal ob Gold oder Silber, deutsche Anleger sollten den Wechselkurs zum Dollar im Auge behalten.

Feuerschutz fürs Depot 1/3Bar- und Tagesgeld. Sicher und liquide sind die obersten Gebote im aktuellen Umfeld. Um Einstiegschancen wahrnehmen zu können empfiehlt auch Prof. Straubhaar weiterhin: „Cash ist König“. Solange die Inflation nicht in Fahrt kommt, ist diese Lauerstellung ein gutes Mittel. Doch sobald die Preise nach oben gehen, wird nicht investiertes bzw. auf Tagesgeldern flexibles, aber niedrig verzinstes Kapital gnadenlos vernichtet.

Immobilien. Sachwerte wie Immobilien fallen den Anlegern als erstes ein, wenn es um Krisenlösungen oder Anlageformen geht, die vor der Geldentwertung schützen sollen. Doch so pauschal sollten Berater das nicht empfehlen. So erbrachte eine Studie der BulwienGesa AG, dass die Wertentwicklungen von deutschen Wohn- und Gewerbeobjekten deutlich hinter der Teuerungsrate zurückgeblieben sind. Und das über den Zeitraum der vergangenen 17 Jahre. Die Untersuchung ergab ein in Deutschland vorherrschendes Gefälle von Südwest nach Nordost. So konnten die Miet- und Preissteigerungen von Wohnimmobilien inBayern die Teuerung noch übertreffen. In Richtung Nordosten kehrte sich das Verhältnis dann um. Ausnahme sind Ballungszentren. „Hohe Wertentwicklungen, die auch die allgemeinen Preissteigerungen übertreffen, sind nur in den Toplagen der Ballungszentren zu erzielen“, sagt Nikolaus Ziegert. Für den Inhaber des gleichnamigen Bank- und Immobilienconsulting-Unternehmens zählt Berlin, neben Hamburg, zu den attraktivsten Standorten. Wer mit einer Immobilie liebäugelt, egal ob als Anlageobjekt oder zur Selbstnutzung, findet derzeit gute Kreditbedingungen vor. Der Leitzins notiert seit Mai bei einem historisch niedrigen Prozent. Und mit steigender Inflation verringert sich die reale Schuldenlast des Kredits in den kommenden Jahren automatisch.

Feuerschutz fürs Depot 2/3Inflationsgeschützte Anleihen. Betrachtet man das aktuelle Zinsniveau, sind Anleihen bzw. sämtliche Zinsprodukte nicht zu empfehlen. Schon gar nicht in der Kombination mit langen Laufzeiten. Die EZB senkte gerade den Leitzins auf ein mageres Prozent. Der Bund emittiert im Juni zwar eine Anleihe mit einem Nominalzins von 4,75 Prozent. Derzeit ein gutes Niveau. Allerdings ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die Zinsen während der 30-jährigen Laufzeit wieder erhöhen. Und dann gehen die Kurse runter. Empfehlenswerter sind Anleihen europäischer Unternehmen. Die erzielten je nach Rating und Laufzeit seit Oktober zweistellige Renditen. Für beide Varianten gilt allerdings, dass die Inflation die Rendite mindert. Erhöhen sich die Preise wie erwartet, liegt die Teuerungsrate sogar schnell über dem Nominalzins – was einer realen Entwertung der Geldanlage entspricht. „Wer in jedem Fall einen realen Wertzuwachs erzielen will, investiert in inflationsgeschützte Anleihen“, erklärt Birgit Figge, Zinsexpertin der DZ Bank. Die sogenannten „Linker“ zahlen einen Kupon zusätzlich zur Inflationsrate. So gehen Anleger sicher, dass die Verzinsung ihrer Anlage immer über der Teuerungsrate liegt. Die Anbieterseite registriert die hohe Sensibilität der Anleger bezüglich der drohenden Geldentwertung. Morgan Stanley emittierte gleich drei inflationsgeschützte Produkte innerhalb kürzester Zeit: Die Inflationsanleihen I und II sowie einen Inflations-Sparbrief, der durch den Einlagensicherungsfonds besichert ist. Alle Varianten zahlen im ersten Jahr einen festen Kupon zwischen 4 und 5 Prozent. In den Folgejahren zahlen die dreijährigen Anleihen 1,25 Prozent und der fünfjährige Sparbrief 1 Prozent über der dann aktuellen Inflationsrate. „Bei Erhalt der jetzigen Nachfrage nach inflationsgeschützten Produkten werden wir mindestens eine neue Anleihe pro Monat emittieren“, kündigt Roland Lang, Leiter der strukturierten Produkte bei Morgan Stanley, an. Ein vergleichbares Angebot stellt die HVB Inflationsanleihe der HypoVereinsbank dar. Hier gibt es im ersten Jahr 4 Prozent und in den vier Folgejahren 1 Prozent zuzüglich der Inflationsrate, die bei allen Produkten dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex ex. Tabak (HVPI) entspricht. Ab wann bzw. wie sehr sich ein Investment in die inflationsgeschützte Anleihe lohnt, spiegelt die Break-even-Inflationsrate wider. Birgit Figge erklärt: „Hier wird die Rendite einer inflationsgeschützten Anleihe mit einer konventionellen Anleihe verglichen. Der Anleger kann also die Inflationserwartung des Marktes darin ablesen. Und diese steigt bereits seit Ende 2008 wieder an.“ Das Beispiel der Grafik vergleicht französische Anleihen (OAT) miteinander. Zum einen inflationsgeschützt (ei) mit einem Kupon von 3 Prozent und zum anderen konventionell mit einem 5-Prozent-Kupon. Ab einer Inflationsrate von 2 Prozent wäre der inflationsgeschützte Anleger besser gestellt. Bei den Prognosen der Experten ist das in den nächsten Jahren auch denkbar. Je stärker die Inflation, desto lohnenswerter ein Investment. Sollte die Preissteigerung ausbleiben, gibt es nur den Nominalkupon.

Feuerschutz fürs Depot 3/3Aktien. Einzeltitel bieten einen oft verkannten Inflationsschutz. Denn der Anleger ist am Unternehmen beteiligt und seine Eigentumsrechte an den Sachwerten des Unternehmens sind verbrieft. Dazu gehören eben auch Immobilien, Maschinen und Grundstücke. Ein Blick auf den DAX zeigt zwei Dinge: Zum einen erzielte der Index zwischen März und Mai 2009 einen Wertzuwachs von über 33 Prozent. Eine beachtliche Performance, die fast unbemerkt blieb. Die ersten nehmen die Einstiegschancen also bereits wieder wahr und der Käufermarkt wächst. Zum anderen weist eine Reihe von DAX-Titeln ein lukratives Kurs-Gewinn- Verhältnis von unter zehn auf. Bezieht man das Aufholpotenzial mit ein, welches sich während des vergangenen Jahres aufgebaut hat, winken langfristig Renditen, die deutlich über der Teuerungsrate liegen dürften. Wem Einzeltitel weiterhin zu gewagt erscheinen, erzielt über Aktienfonds denselben, wenn auch etwas abgefederten Effekt. Berater sollten die Anlagen ihrer Kunden generell auch auf die Standfestigkeit gegenüber einer Inflation überprüfen. Gerade bei langen Laufzeiten, wie auch bei Versicherungen, nagt sie stetig am Geldwert. Kommt es zum Szenario der extremen Preissteigerung, wie es einige Experten bereits voraussehen, werden niedrig verzinste Produkte die ersten Opfer sein.

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