Gebrauchter Ausverkauf
Große Investoren trennen sich aus Not von ihren privaten Beteiligungsfonds. Sekundärfonds kaufen daher günstig ein und versprechen hohe Renditen. Der Markt für privates Beteiligungskapital, genauer das Untersegment des Sekundärmarktes für Private Equity, ist in der gegenwärtigen Krisenzeit einer der chancenreichsten Märkte. Dies jedenfalls behaupten die Initiatoren und Emittenten von Sekundärmarktfonds wie Greenpark, Landmark Partners oder Paul Capital.
Auch große Spieler wie Goldman Sachs und Credit Suisse mischen mit. Goldman Sachs schloss jetzt einen Secondary-Fonds im Volumen von 5,5 Milliarden US-Dollar. „Das Angebot ging weg wie geschnitten Brot“, heißt es in Branchenkreisen.
Zum Verkauf gezwungen. Als „Secondary“ bezeichnet man den Verkauf eines Private- Equity-Investments von einem Investor an einen anderen. Und dieser Sekundärmarkt boomt. Aus Liquiditätsmangel erwägen derzeit Pensionsfonds, Stiftungen, Banken und Versicherungen ihre Private-Equity-Portfolios abzustoßen. Oft erfolgen die Verkäufe aus blanker Not, so dass die Käufer hohe Rabatte durchsetzen können. Ein weiterer Grund für Zwangsverkäufe ist die Übergewichtung einzelner Anlageklassen in Portfolios durch die Abwertung anderer. Die seit Anfang 2008 kräftig gesunkenen Aktienkurse führten zu einer Verschiebung der Allokation in den Portfolios institutioneller Investoren. Private Equity bekam dadurch ein rechnerisches Übergewicht (Denominator- Effekt). Viele Pensionsfonds aber dürfen eine bestimmte Relation oft nicht überschreiten und sind daher zum Verkauf ihrer Private-Equity-Portfolios gezwungen.
Im Vergleich zu den Private-Equity-Primärfonds ergeben sich für Sekundärmarktinvestoren enorme Vorteile. So konzentrieren sich Primärfonds in den ersten fünf Jahren auf ihre Investitionsaktivitäten. Die Fondsinvestoren müssen also warten, bevor sie erste Ausschüttungen erhalten. „Dieser Prozess wird durch Sekundärmarkt-Transaktionen beschleunigt“, so Uwe Fleischhauer, Managing Partner bei Fleischhauer, Hoyer & Partner. Unter Fachleuten ist dieser Effekt als „J-Kurve“ bekannt. Auch aus diesem Grund hat sich der Sekundärmarkt zum bedeutenden Untersegment der Private- Equity-Branche entwickelt. Er ist aber noch komplexer und weniger transparent als der Markt für Private Equity insgesamt.
Die Modelle. Es gibt drei Typen von Sekundärtransaktionen, die jeweils von Spezialisten verfolgt werden. Zum einen die Limited- Partners-Sekundärtransaktionen. Hinter den Limited Partners verbergen sich große Investoren als Verkäufer, die sich ungeplant aus dem Segment Private Equity zurückziehen wollen. Diese Chancen nutzen die Käufer, die ihren Portfolios Sekundäranteile in geringem Umfang beimischen und dadurch einen höheren Grad an Liquidität sowie frühere Rückflüsse erzeugen wollen. Als Käufer treten unter anderem spezialisierte Secondary-Dachfonds auf. „LP-Secondary- Transaktionen sind von Diskretion geprägt, weshalb die Expertise und die Vertrauenswürdigkeit des Käufers entscheidende Kriterien sind“, erklärt Fleischhauer.
Die zweite Variante besteht in der Übernahme des Portfolios einer Beteiligungsgesellschaft durch Übernahme-Profis. Die Käufer nehmen meist aktiven Einfluss auf die Portfoliounternehmen. Da die im Paket enthaltenen Portfoliofirmen weiter entwickelt sind und bezüglich ihres Unternehmenswertes besser eingeschätzt werden können, als dies zum Einstiegszeitpunkt der Primärinvestoren der Fall war, gilt die Übernahme von Private-Equity-Portfolios auch als weniger risikoreich. Wechselt ein Portfoliounternehmen von einem Finanzinvestor zum anderen, so spricht man von einem Secondary Buy-out – der dritten Variante der Sekundärtransaktionen. Sie bildet für viele Verkäufer eine Alternative zum Börsengang ihrer Portfoliounternehmen.
Alle drei Varianten haben ein Merkmal gemeinsam: Sie weisen ein besseres Risikoprofil als Primärtransaktionen auf. Allerdings ist unverändert die Auswahl der angebotenen Secondaries entscheidend. Zudem kann derzeit niemand voraussagen, wie lange die Krise noch anhält. Daher sind auch die künftigen Chancen von Beteiligungsverkäufen oder Börsengängen kaum kalkulierbar. Die Käufer von Secondary- Fondsanteilen gehen also ein erhebliches Risiko ein.
Privatanlegern bleibt der direkte Zugang zum Sekundärmarkt meist verwehrt, weil die Mindestanlagesumme nicht selten die Millionengrenze übersteigt. Nur über geschlossene Dachfonds ist ein Investment möglich. Ein solches Sekundärmarkt-Konzept kommt derzeit aus dem Hause RWB. Beim Private-Equity-Spezialisten kann der Global Market Fonds Secondary II noch bis Ende August und zu einer Mindestsumme von 2.500 Euro gezeichnet werden. Andere Anbieter wie Flossbach & von Storch mischen ihren Fonds mehrere Secondary- Fonds bei. „Beim Tectum Private Equity I machen wir das, weil die Marktsituation für Käufer derzeit günstig ist“, begründet Dachfondsmanager Oliver Hollender. Allerdings seien traditionelle Secondary-Dachfondskonstruktionen relativ teuer. „Daher setzen wir solche Vekikel nicht ein, sondern verwenden kostengünstigere Direct- Secondary-Fonds, bei denen keine doppelstöckige Gebührenstruktur vorhanden ist“, betont Hollender. Billig ist der Weg über Dachfonds also nicht. Neben dem Agio von meist 5 Prozent sind anfängliche Einmalkosten prospektiert. Und die jährlichen Kosten fallen in der Regel etwa doppelt so hoch aus wie bei normalen Fonds. Auch werden oft happige Erfolgsbeteiligungen verlangt. Das Renditepotenzial ist aufgrund der aktuellen Notverkäufe jedoch entsprechend hoch.
