„Nicht alles in einen Topf schmeißen“

 

0209_buyout_kommentar„Finanzinvestoren vor dem Ruin“ oder „Tod eines Geschäftsmodells“ – so lauten gegenwärtig die Schlagzeilen in der Presse. Es müsste einem angst und bange um Private Equity werden. In diesem Zusammenhang mangelt es – und das wieder einmal – an einer deutlich stärkeren Differenzierung. Denn Private Equity ist ein Oberbegriff für ein Sammelsurium von verschiedenen Strategien und Finanzierungsanlässen und nicht als Synonym für sogenannte „Mega-Buy-out- Transaktionen“ zu verwenden.

Fest steht, dass der Beteiligungsmarkt aktuell sicherlich zum einen unter den schwierigen Finanzierungsbedingungen für die Buy-out- Transaktionen leidet, weil die Banken seit Mitte 2007 bei den Milliardengeschäften auf der Kreditbremse stehen; andererseits sind bzw. werden viele der nicht nur verschuldeten Portfolio-Unternehmen der Private-Equity-Fonds von der Rezession betroffen sein. Insbesondere bei den zwischen 2005 und 2007 eingekauften Unternehmen muss mit Wertberichtigungen gerechnet werden. Fakt ist auch, dass derzeit sowohl auf der Fondsseite (Fundraising-Volumen) als auch beim Investitionsvolumen ein signifikanter Rückgang zu verzeichnen ist.

Private Equity beinhaltet aber seit Jahrzehnten unterschiedliche Zyklen einzelner Strategien, die teilweise gegenläufig korrelierend sind. So bietet das „vintage 2009“ (Auflegungsjahr der Fonds) wiederum vielfältige, langfristige Opportunitäten für Private-Equity-Häuser, um künftige Gewinne einzufahren. In der Vergangenheit wurde die beste Performance bei jenen Fonds erzielt, die in den Rezessionsjahren aufgelegt wurden. Profitieren werden gegenwärtig etablierte Private-Equity-Häuser von den fallenden (Einstiegs-)Bewertungen. Insbesondere in wirtschaftlich schwachen Zeiten trennt sich auch auf der Anbieterseite die Spreu vom Weizen.

Innerhalb des Private-Equity-Universums zeigt sich das Segment der kleineren und mittleren Buy-out-Fonds relativ robust, denn Mittelstandsfinanzierungen werden mit deutlich weniger Fremdkapital strukturiert als Mega-Buy-out-Transaktionen. Starke Bewegung wird im Jahr 2009 auch auf dem Sekundärmarkt erwartet, denn der Kauf von sogenannten „gebrauchten Portfolios“ wird in diesen Zeiten vom intensiven Deal Flow und von starken Preisnachlässen profitieren. Auch das Segment „Special Situations“ geht als möglicher Gewinner aus der Krise hervor: Dazu gehören Strategien, die notleidende Kredite („distressed debt“) aufkaufen oder sich um die Restrukturierung von Unternehmen kümmern. Parallel gewinnen Mezzanine-Kredite als bedeutende Alternative zum Fremdkapital an Bedeutung. Und in den Kernsegmenten wird man wieder stärker zu den eigentlichen Wurzeln des Private-Equity-Geschäfts zurückkehren, d.h. zur stärkeren Fokussierung auf die Schaffung „operativen Mehrwerts“.

Es gibt sie aktuell also doch: „Krisengewinner und Opportunitäten“. Und das haben auch institutionelle Investoren erkannt, denn die wollen laut diverser Studien ihre Allokation in Private Equity weiter ausbauen – trotz Finanzkrise und negativer Pressezeilen.

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