Um Kontinuität bemüht
Die DAX-Konzerne zahlen trotz Krise hohe Dividenden. Dabei zehren sie noch von vergangenen Zeiten. Das ist ja mal eine positive Überraschung! Trotz 18 Monaten Finanzkrise erhalten die Aktionäre der DAX-Unternehmen für 2008 immer noch eine recht ordentliche Ausschüttung. Nach Berechnungen der Commerzbank fließen den Eigentümern rund 23,5 Milliarden Euro zu.
Damit lägen die Dividendenzahlungen in etwa auf dem Niveau von 2006. In den fünf Jahren vor 2008 waren die Ausschüttungen der DAX-Konzerne Jahr für Jahr gestiegen. Lag die Summe 2003 noch bei 10,6 Milliarden Euro, kletterte sie 2007 bis auf 28 Milliarden Euro und markierte damit ein historisches Hoch. Der Dividendenboom der vergangenen Jahre war Ausdruck der anhaltend starken Gewinnentwicklung.
Wenn jetzt aber, trotz Krise und konjunktureller Risiken, die Ausschüttungssumme immer noch deutlich über 20 Milliarden Euro notiert, liegt das an den Rekordergebnissen in vielen Sektoren aus den ersten beiden Quartalen 2008. Zudem sind die Unternehmen um Dividendenkontinuität bemüht. Viele von ihnen reduzieren daher im ersten Jahr einer Wirtschaftskrise die Ausschüttungen möglichst nur moderat – wenn überhaupt. Dividendenkontinuität stellt einen wichtigen Faktor bei Anlageentscheidungen dar. „Wenn ein Unternehmen Jahr für Jahr konstante oder steigende Dividenden zahlen kann, gilt dies als Signal dafür, dass sich das Management schnell an Veränderungen anpassen und eine solide Gewinnentwicklung gewährleisten kann“, erklärt Andreas Hürkamp, Portfoliostratege bei der Commerzbank.
Genau das gewinnt angesichts der aktuellen Konjunkturängste an Bedeutung. „Im kommenden Jahr wird die Rezession jedoch voll durchschlagen“, so Hürkamp weiter. Viele Unternehmen, insbesondere aus den zyklischen Sektoren Auto, Chemie und Industrie, würden dann die Dividende drastisch kürzen beziehungsweise komplett ausfallen lassen. Für 2008 werden der Prognose zufolge nur Allianz, BMW, Daimler, Deutsche Bank, Lufthansa, MAN und Merck die Dividende kürzen. Die Deutsche Bank senkt sie drastisch von 4,50 auf 0,50 Euro je Aktie. Keine Ausschüttung erhalten die Aktionäre von Postbank und Commerzbank. K+S verfünffacht hingegen seine Zahlung an die Aktionäre. Die Dividendenrendite aller DAX-Konzerne beträgt laut Commerzbank im Durchschnitt 4,5 Prozent. Gemessen an der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die knapp über 3 Prozent liegt, ist dies noch immer ein attraktives Niveau. Allerdings spiegelt dies vor allem die enttäuschende Kursentwicklung vieler Aktien wider. Obwohl die Aussichten an den Börsen nicht rosig sind, zeigt eine Reihe von Studien, dass Dividendenwerte besser abschneiden als der Gesamtmarkt. Mit Dividendenfonds setzen Anleger auf diesen Faktor.
