In der Zukunft gehandelt

 

Als die Aktien 2008 ins Bodenlose rauschten, verging vielen Anlegern die Lust auf Investmentfonds. 30-40 Prozent Minus selbst in den bestgemanagten Fonds waren einfach zu viel. Doch während alle klagten, machte eine Assetklasse gute Laune: Managed Futures oder auch Commodity Trading Advisors (CTAs). Renditen von 30 Prozent und mehr sind schon in guten Zeiten eine Ansage.

Nur eine Momentaufnahme, durch hohe Marktschwankungen begründet, unken die einen – ein nachhaltiges und nicht korrelierendes Investment, frohlocken die anderen. Doch wie geht das? Mit börsengehandelten Termingeschäften, sogenannten Futures, sind CTAs unabhängig vom Aktienmarkt. Sie können schnell auf Trendveränderungen reagieren. Fallen Kurse oder Rohstoffpreise, profitieren CTAs, steigen jene, profitieren sie ebenso. Zudem diversifizieren sie sich durch die Vielzahl verschiedener Terminkontrakte, die gehandelt werden können: Aktien, Renten, Zinsen, Währungen oder Rohstoffe. „Die Streuung in alternative Investments und ein aktives Kapitalmanagement sind das Geheimnis des Erfolges“, erklärt Yasin Sebastian Qureshi, Vorstand der Varengold Wertpapierhandelsbank AG. Grund genug, sich den Ursprung dieser Erfolgsstory genauer anzuschauen.

Terminhandel. Mit seinen Getreidespeichern, Rangierbahnhöfen und der Lage direkt am Michigan-See avancierte Chicago zum Zentrum des amerikanischen Getreidehandels. Waren die Lager voll und die Preise zu niedrig, landete die Ernte oftmals im See. Sobald die Speicher sich wieder leerten, stiegen die Preise erneut. Um diese Preisschwankungen auszugleichen, wurde in Chicago der Terminhandel gegründet. So kam eine faire Preisbildung mit finanziellem Ausgleich zwischen Angebots- und Nachfrageschwankungen zu Stande. Beim Terminhandel hatte der Investor an der physischen Lieferung gar kein Interesse. Da er aber das volle Risiko trug, war im Preis der Futures eine Prämie enthalten. Somit hatte er zwei Renditequellen: zum einen die Risikoprämie und zum anderen die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Es lohnt sich: Heute haben die Terminbörsen weltweit ein jährliches Handelsvolumen von knapp 100 Billionen Euro. „Einzelne große CTAs verwalten mehrere Milliarden US-Dollar und sind nicht selten größer als Investmentfonds“, weiß Dirk Biermann von der Alternativ Invest AG. Und das mit Erfolg. 2008 bescherte sein METAFUND Managed Futures Portfolio dem Anleger 32,66 Prozent Nettoertrag p.a. und schlug damit das eigene Vorjahresergebnis um 1,2 Prozent.

In der Zukunft gehandelt 1/2Managed ohne Manager. Dieser Erfolg beruht jedoch nicht auf erfahrenen Managern. Systematische Computerhandelssysteme wer­ten Preisbewegungen aus. Kauf- oder Verkaufsentscheidungen werden durch die­se automatisierten Programme getroffen. Irrationales Fehlverhalten der Manager soll dadurch ausgeschlossen werden. Im Gegensatz dazu setzen einige CTAs bewusst auf den sogenannten diskretionären Ansatz und auf das Bauchgefühl sowie die langjährige Erfahrung eines Managers. Doch was ist besser, Mensch oder Maschine? „Eindeutig die Maschine“, meint Biermann. „Sie ist schneller, emotionslos und frei von Gier und Angst!“ Außerdem sei sie system- und strategietreu, nachhaltig und kenne keine menschlichen Fehler. „Ein Vorteil ist sicherlich der Ausschluss von Emotionen“, stimmt dem Qureshi zu. „Ein weiterer Vorteil ist, dass computergestützt ein viel größeres Anlagespektrum parallel analysiert werden kann.“ Trotzdem habe das diskretionäre System auch seine Vorteile. Gerade in Nischensegmenten arbeiten viele Manager damit sehr erfolgreich. So ergebe sich mit beiden Ansätzen eine zusätzliche Diversifikationsmöglichkeit für Dachfonds. Neben den beiden Ansätzen setzen diverse Strategien auf Zyklen, Trendfolge, Trendumkehr, Arbitrage oder neutrale Märkte. Zusätzlich werden CTAs nach High-Frequency, Short-Term oder Long-Term ausgerichtet. So agierten Trendfolge-Manager mit durchschnittlichen 37,74 Prozent p.a. laut Jahresbericht 2008 der Varengold Wertpapierhandelsbank im vergangenen Krisenjahr besonders erfolgreich.

Der feine Unterschied. Oft werden CTAs als Hedgefonds bezeichnet. Diese haben aber einen viel höheren Anteil an aktienbasierten Strategien. „Sie machen im Schnitt 60-70 Prozent der Gesamtallokation eines breit gestreuten Dach-Hedgefonds aus“, weiß Qureshi. „Deswegen hat man grundsätzlich eine Abhängigkeit vom Aktienmarkt.“ Zusätzlich bewegen sich Hedgefonds überwiegend innerhalb illiquider Investments. Im Gegensatz dazu agieren CTAs ausschließlich mit börsengehandelten Terminkontrakten, die schnell verfügbare Liquidität gewährleisten. Sie beziehen sich auf Rohstoffe, Edelmetalle, Öl, Kaffee, Kakao, Getreide, Fleisch, Zinsen oder Währungen. Die Termingeschäfte sind täglich bewertbar und bieten durch heutige Technik ein Live-Monitoring. Hedgefonds pflegen meist ein längerfristiges Marktengagement und dadurch auch längere Investitionsbindungen. „Ein weiterer Vorteil der Managed Futures ist die Liquidität“, erklärt Qureshi. Denn der Investor muss nicht mindestens drei Monate warten, bis er sein Investment nach Verkauf ausgezahlt bekommt. „Managed Futures werden immer häufiger als eigene Assetklasse gesehen“, äußert sich Biermann. „Somit werden sie direkt neben der Klasse der Hedgefonds angeordnet und nicht mehr als eine Hedgefonds-Strategie unterkategorisiert.“

In der Zukunft gehandelt 2/2Gewinnen im Auf und Ab. Viele CTAs profitieren von hohen Marktvolatilitäten. Doch was passiert bei konstant steigenden Märkten? Trendfolger können auch davon profitieren, doch für Trendumkehr-Strategien (Countertrend) ist da Vorsicht geboten. Denn sie bauen permanent auf eine Trendwende und sind bei konstant steigenden Kursen dann auf der falschen Fährte. Das Risiko kann jedoch durch Investition in mehrere CTAs gesenkt werden, die idealerweise nur eine geringe Korrelation zueinander aufweisen. So wird das Risiko durch globale und produktspezifische Diversifikation geglättet. Bei der Kapitalquote (Margin to Equity)  muss aufgepasst werden. „Im Schnitt handeln unsere Manager mit einer Quote von 10-20 Prozent“, erklärt Qureshi. Höhere Quoten setzten zwar mehr Hebel ein, seien aber deutlich spekulativer.
In CTAs kann mittels Fondspolicen und in Form von Sparplänen oder als Einmalanlage investiert werden. Auch mit Zertifikaten oder Fonds kann partizipiert werden. Dachfondslösungen bieten durch eine gute Risikostreuung höhere Sicherheit. Biermann warnt vor Einzelinvestments ohne Prüfung von Experten: „Sie sind für Laien immer sehr gefährlich, da eine professionelle Due Diligence zwingend Voraussetzung für ein erfolgreiches Investment im Managed-Futures-Segment ist.“ Qureshi rät zudem sich nur an Partner zu wenden, die über langjährige Erfahrung in diesem sehr komplexen Bereich verfügen. Sie sollten die Möglichkeit besitzen das Portfolio aktiv zu verwalten und auf Änderungen des Marktes entsprechend reagieren können. Denn auch gut laufende Termingeschäfte können mal nicht funktionieren.

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