„Nichts dem Versicherer schenken“

 

procontra: Herr Sennert, Sie wollen den deutschen Markt mit Krankenzusatztarifen erobern. Haben Sie schon einmal die Aussage gehört, Zusatzversicherungen rechneten sich nicht?
Sennert: Ja, das habe ich. Sicherlich sind die Courtagen für Makler bei Zusatzversicherungen nicht so hoch wie z.B. in der Vollversicherung. Allerdings ist die Chance mehr zu verkaufen aufgrund unserer Produktgestaltung sehr hoch, was sich dann in der Courtage summiert. Auch wird die Krankenzusatzversicherung aufgrund der Einschnitte in der GKV immer wichtiger. Für den Berater ist das ein guter Einstieg in die Gesamtberatung. Für den Endkunden ist es sicher schwierig, im Wald von Tarifen und Versicherungsbedingungen das beste Preis- Leistungs-Verhältnis herauszufinden. Es gibt allerdings Produkte am Markt, bei denen ich besonders aus Kundensicht starke Bedenken habe, ob sich diese wirklich rechnen.
procontra: Welche wären das?
Sennert: Produkte, die Sicherheit suggerieren, aber in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Leistungen stehen. Die Verständlichkeit von Versicherungsbedingungen ist hier wichtig. In der Schweiz gibt es nur sehr wenige Verklausulierungen und „Wenn- Dann-Schlaufen“. Wir sagen ganz klar: Das ist der Leistungsfall. Wenn der eintritt, weiß man genau, was man bekommt. Punkt.
procontra: Was machen Sie sonst noch anders als die anderen?
Sennert: Wir kalkulieren komplett ohne Altersrückstellungen. Das heißt, dass wir den Versicherten nur mit den tatsächlich risikorelevanten Beiträgen belasten und ihn damit außerdem vor Verlusten im Falle einer Vertragsauflösung schützen. Dies ist übrigens auch für den Makler wichtig: Denn falls dieser seinen Kunden nicht über den Verlust der Rückstellung bei einem Wechsel aufklärt, liegt ein Beratungsfehler vor, für den er vermutlich haften muss.
procontra: Lohnen sich Altersrückstellungen denn überhaupt?
Sennert: Viele Experten sind sich darüber einig, dass sich Altersrückstellungen in der Zusatzversicherung erst ab Anfang 80 auszahlen. Laut Statistik springen aber viele schon viel früher ab.
procontra: Also sind Altersrückstellungen unsinnig in einer Zusatzversicherung?
Sennert: Es steht mir nicht zu, dieses Kalkulationsmodell grundsätzlich zu kritisieren. Es hat seine Berechtigung und hat jahrelang in Deutschland funktioniert. Der Kunde kannte es aber auch nicht anders. Wir bieten ihm jetzt eine Alternative.
procontra: Und wie sieht die konkret aus?
Sennert: Ich zahle in jungen Jahren weniger und spare dadurch erheblich. Zudem kann ich heute schon sehen, wie sich meine Prämie im Alter entwickelt. Diese Transparenz ist ein klarer Vorteil. Zudem muss ich bei einem Wechsel nicht zuviel Gezahltes dem Versicherer schenken. In der Zusatzversicherung kann die Altersrückstellung ja nicht mitgenommen werden. Bei den mit Alterungsrückstellung kalkulierten Tarifen kommt hinzu: Wenn Beitragsanpassungen nötig sind, wirkt das nicht nur in die Zukunft. Damit es unterm Strich wieder passt, müssen Rückstellungen auch rückwirkend aufgestockt werden.
procontra: Wie hoch ist denn der Anteil an der gesamten Police?
Sennert: Je nachdem, wie der Versicherer kalkuliert, kann der Anteil bis zu 50 Prozent betragen.
procontra: Macht es da nicht Sinn, die Differenz zum höheren Beitrag gut verzinslich anzulegen?
Sennert: Das ist der Beratungsansatz vieler Vermittler: Die Idee, Rücklagen zu bilden, ist gut. Aber sie sollten unabhängig vom Leistungsträger und frei verfügbar sein. Dann rechnet es sich.

pixelstats trackingpixel



 Was meinen Sie?