Sag mir, wo der Boden ist

 

Nach dem weltweiten Kursverfall hoffen Anleger wieder auf Stabilität. Doch nicht bei allen Anlageschwerpunkten ist bereits der richtige Zeitpunkt zum Einstieg gekommen. Die ersten Tage mit der Abgeltungsteuer liegen hinter uns. „Jetzt kaufen – und die Steuer umgehen“, schallte es aus den Marketingabteilungen der Investmenthäuser. DieBotschaft leuchtete ein, doch die Krise machte Anlegern und Gesellschaften gleichermaßen einen Strich durch ihre Abgeltungsteuer- Rechnung.

Das Näherrücken des Stichtags paarte sich mit wachsender Unsicherheit unter der Anlegerschaft. Ein tödlicher Cocktail, denn der Wille zum Investieren war zwar vorhanden. Doch die Gefahr aufs falsche Pferd zu setzen erschien größer. So blieb das Gros der Anleger weiter auf Stand-by. Verständlich, doch von Dauer darf dieser Zustand nicht sein, soll das Kapital vermehrt werden. Umso wichtiger ist es nun, Fonds und Anlageschwerpunkte herauszufiltern, die das Beben mit überschaubaren Verlusten überstanden haben und sich allmählich stabilisieren. Wohin also mit all den Barbeständen? In die unterbewertete USA? In die zukünftigen Zugpferde der Weltwirtschaft nach China und Indien oder doch lieber in die Heimat investieren? procontra untersuchte Anlageschwerpunkte und sprach mit Finanz- und Wirtschaftsexperten über krisenbedingte Folgeschäden einzelner Segmente, jetzige Einstiegschancen und mögliche Investitionsstrategien, bis sich der Krisenstaub endgültig gelegt hat.

Sag mir, wo der Boden ist 1/7Aktienfonds China und Indien. Wer in China und Indien investiert war, konnte sich lange Zeit an ansehnlichen Renditen erfreuen. Ein gutes Argument schien zudem die geringe Korrelation zu den westlichen Industrienationen zu sein. Doch weit gefehlt: Die Schwellenländerfonds rauschten wie alle anderen in die Verlustzone. Mit einer Wertentwicklung von -50 Prozent im vergangenen Jahr verzeichnete der Franklin India I (WKNA0HF4B) noch die geringsten Verluste unter den Aktienfonds Indien, der FIVV-Aktien-China-Select-UI (WKN A0JELL) stellte mit -48 Prozent im Land des Lächelns den traurigen Sieger. „Wir waren ohnehin kein starker Verfechter der Entkopplungstheorie, da viele Schwellenländer immer noch eine starke Vernetzung mit den G7-Märkten aufweisen“, so Christian Preussner, Portfoliomanager für Schwellenländer-Aktien bei JPMorgan. „Durch die Exportaktivität von rohstoffreichen Ländern in die entwickelte Welt ist dies auch automatisch mit einem Abschwung in der Wirtschaft verbunden.“ So verbuche Indien im Verhältnis zu anderen Schwellenländern zwar einen geringeren Anteil an Rohstoffen und Energie. Allerdings seien dagegen die Anteile von Finanzwerten und IT sehr hoch. Diese Sektoren gaben in diesem Jahr durch Abbau der Risikotoleranz besonders nach. Der MSCI India Total Return Index erreichte am 7. Januar 2008 mit 686 Punkten seinen Höchststand. Elf Monate später beträgt er nur noch 198,1 Punkte, was einem Rückgang von circa 70 Prozent entspricht. Der MSCI Emerging Markets Index hat im gleichen Zeitverlauf 61,9 Prozent verloren, der MSCI China Total Return Index liegt in US-Dollar 60,7 Prozent im Minus. „Die Gründe für diese dramatischen Rückgänge liegen insbesondere im generellen Risikoabbau der Investoren von Schwellenländerinvestments als sogenanntem ‚High-Beta-Play‘, also Markt mit hohem Risiko. Gleichzeitig hat der MSCI India ein hohes Gewicht in Finanzwerten, Informationstechnologie und Energie. Diese Sektoren haben in diesem Jahr alle sehr zyklisch reagiert“, so Schwellenländer- Experte Preussner. Binnenwirtschaftsorientierte Sektoren wie nicht-zyklische Konsumgüter hätten einen vergleichsweise geringen Anteil. China ist zwar in diesem Bereich etwas defensiver aufgestellt, denn hier hat die Binnenwirtschaft einen höheren Anteil. Aber laut Pamela Chan von Lloyd George Management ist diese ebenso betroffen: „China sieht sich gerade einer zyklischen Verlangsamung der Nachfrage aus dem Ausland und im Binnenmarkt gegenüber. Das Wirtschaftswachstum wird vermutlich nur um 9,3 Prozent steigen. Das wäre das langsamste Wachstum seit fünf Jahren.“ Für 2009 rechnet Preussner mit einer Entspannung, weil die Inflation, die zu Beginn des Jahres deutlich angestiegen ist, durch fallende Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise zurückgeht. Dies würde auch den Zentralbanken in den Schwellenländern die Möglichkeit eröffnen, Zinsen zu senken und dem Markt Liquidität bereitzustellen. Doch bevor wieder die Renditen von 2007 erreicht werden, müsse erst das Vertrauen in den Markt zurückkehren.

Sag mir, wo der Boden ist 2/7Offene Immobilienfonds. Degi, SEB, KanAm. Die Liste der offenen Immobilienfonds, die eine Rücknahme von Anteilen ausgesetzt haben, beinhaltet die ganz großen Namen der Branche. Doch diente die vorübergehende Aussetzung der Anteilrücknahme bei den offenen Immobilienfonds dem Schutz der Anleger. Die Aussetzungen erfolgen nicht aufgrund einer Krise des Produkts offener Immobilienfonds, im Gegenteil. Während fast alle Anlageklassen wie Aktien, Rohstoffe oder auch Anleihen massive Einbrüche haben hinnehmen müssen, weisen offene Immobilienfonds ohne jedes Emittentenrisiko auf Jahressicht im Schnitt eine Rendite von 5,1 Prozent aus. Und das bei sehr geringer Volatilität. Gerade der KanAm US-grundinvest (WKN 679181) zeigte eine Wertentwicklung von 6,2 Prozent p.a. nach Steuern (Stand 1. Dezember 2008) und liegt damit in puncto Wertentwicklung knapp vor dem Deka-Immobilien Global (WKN 748361), der mit 6 Prozent das beste Jahr unter den in Euro notierten Immobilienfonds verbuchen konnte. Trotzdem mussten einige Fonds die Rücknahme ihrer Anteile aussetzen. Dr. Michael Birnbaum, KanAm Grund Kapitalanlagegesellschaft mbH: „Ich war sehr überrascht. Mir war nicht klar, welche Konsequenzen das Garantieversprechen der Bundesregierung für alle Klassen von Investmentfonds haben würde. Viel Geld – allein im Oktober waren es 51 Milliarden Euro – wurde aus relativ sicheren Investments, die teilweise vorher kaum von der Krise betroffen waren, abgezogen und auf ein vom Staat garantiertes Spar- oder Festgeldkonto gepackt.” Schuld war auch das Verhalten größerer Anleger und Vermögensverwalter, die sich infolge der Marktverwerfungen Liquidität beschaffen mussten. „Viele Anleger haben Geld aus einem bis dahin von der Finanzmarktkrise unbeeinträchtigten Bereich wie den offenen Immobilienfonds gezogen, um damit Verluste in anderen Investments auszugleichen und so ihre bereits vorhandene Liquiditätsknappheit zu lindern“, vermutet Dr. Birnbaum. So seien laut BVI offene Immobilienfonds, in denen vorwiegend Privatanleger investiert sind, kaum betroffen. „Für Anleger nicht betroffener Fonds besteht kein Anlass ihre Anteile zu veräußern, da die Sicherheit und Werthaltigkeit offener Immobilienfonds keinesfalls beeinträchtigt ist“, betont BVI-Präsident Dr. Wolfgang Mansfeld. Gerade Anleger von offenen Immobilienfonds seien in diesen turbulenten Zeiten gut aufgestellt. Jene stellten laut dem BVI gerade im gegenwärtigen Marktumfeld für sicherheitsorientierte Anleger ein attraktives Anlageprodukt dar. Dr. Birnbaum: „Ich bin kein Hellseher. Aber ich bin durchaus optimistisch. Im Laufe des Jahres wird sich der Markt wohl langsam stabilisieren. Deshalb wollen wir die Anleger jetzt davon überzeugen, dass auch ohne staatliche Garantieversprechen eine Anlage sicher sein kann – und dabei eine deutlich höhere und steuergünstigere Rendite als ein Sparbuch erzeugt.”

Sag mir, wo der Boden ist 3/7Aktienfonds Rohstoffe. Mit einem breiten Grinsen fahren derzeit deutsche Autofahrer an die Zapfsäulen. Für den Liter Super zahlen sie so wenig wie zuletzt Ende 2006. Hauptgrund dafür ist der Verfall des Rohölpreises, der allerdings die Mundwinkel der Rohstoff-Anleger nach unten zieht. Jener sank erstmals seit Mai 2005 wieder unter die 50-US-Dollar-Marke. Das Rekordhoch von 146 Dollar je Fass liegt nur sechs Monate zurück. Weinberg erklärt den Kurseinbruch von zeitweise 70 Prozent: „Das Rekordhoch rührte von einer spekulativen Blase her. Fundamental war der Preis nicht mehr zu rechtfertigen.“ Die immer kleineren Ölfelder sind immer schneller erschöpft. Nicht nur aufgrund der weiter steigenden Nachfrage, sondern auch wegen des Produktionsschwunds der vorhandenen Felder müssen große Ölflächen exploriert werden, um eine Angebotsklemme zu vermeiden. Da diese Erschließungen immer teurer werden und Ölfelder in der Größenordnung Kuwaits eher unwahrscheinlich bleiben, wird der Preis schon auf mittlere Sicht wieder anziehen. Die Rezessionsängste belasten neben den Preisen von Öl und Gas auch die Industriemetalle. Aluminium (-46 Prozent), Blei (-65), Kupfer (-60), Zink (- 61) und Nickel (-70) sind allesamt deutlich von ihren Jahreshochs entfernt und ziehen die Rohstofffonds nach unten. So zum Beispiel auch den G&P Exploration & Mining Fund (WKN A0JLUY), der rund 84 Prozentpunkte verlor. „Die Panikund Zwangsverkäufe machten dem Fonds besonders zu schaffen. Um Positionen zu liquidieren mussten solide Firmen bei fallenden Aktienkursen verkauft werden. Darunter litt die Fondsperformance, was wiederum zu weiteren Abflüssen führte“, erklärt Fondsberater Dr. Joachim Berlenbach den Teufelskreis.
Der Blick auf die Edelmetalle fällt ähnlich trübe aus. Silber, Platin und Palladium halbierten ihr Jahreshoch mindestens. Sogar Gold, als vielzitierter sicherer Hafen in der Krise, erlitt deutliche Verluste. Und das, obwohl sich die Nachfrage im dritten Quartal 2008 gegenüber dem Vorjahr auf 19 Tonnen versechsfachte. Das ergab eine Studie der Vereinigung der Goldunternehmen World Gold Council (WGC). „Der Preisverfall lag vor allem an der starken Aufwertung des Dollars“, begründet Weinberg. Egal ob Edel- oder Industriemetalle, Energie oder Soft-Commodities. Bei allen bestimmten deutliche Korrekturen den Jahresverlauf. Als Wirtschaftsgüter sind sie den zyklischen Schwankungen noch stärker unterworfen. Die Rezessionsängste lasten überproportional auf ihnen und dämmen die Nachfrage, jede schlechte Konjunkturnachricht birgt die Gefahr eines weiteren Kursrutsches. Bei vielen Rohstoffen sollte der Boden nach Weinbergs Einschätzung allmählich erreicht sein. So etwa bei Nickel, das preiswerter notiert als vor fünf Jahren. Und auch Berlenbach prognostiziert eine Erholung bis Mitte des Jahres. Dabei keimt seine Hoffnung unter anderem aus dem 600 Milliarden US-Dollar großen Hilfspaket, das China für seine Infrastruktur ausgeben will. Dabei rückt Kupfer besonders in sein Blickfeld. Der Bedarf Chinas und Indiens, die große Teile der Bevölkerung mit ins Industriezeitalter nehmen wollen, dürfte derzeit kaum zu produzieren sein. Der Rohstoffmarkt bietet aktuell sicher die größten Einstiegschancen. Noch immer ist die Weltwirtschaft von den Hauptelementen abhängig. Die Bevölkerung sichert die Nachfrage an den weichen Rohstoffen. Gerade nach den Preisabschlägen der Vergangenheit bleiben Rohstoffe langfristig ein mehr als attraktives Investment.

Sag mir, wo der Boden ist 4/7Aktienfonds Osteuropa. Der russische Bär tanzt nicht mehr, er wankt. Seit 1999 hat es in Russland keine schlechtere Performance mehr an den Märkten gegeben. Stark volatil, unterdurchschnittliches Handelsvolumen: Der Aktienmarkt des größten Flächenstaats der Erde präsentierte seine Instabilität. Dabei versuchte die Regierung in Moskau die Krise lange Zeit totzuschweigen. Um den Markt zu stabilisieren wurden Leerverkäufe beschränkt, was zusätzlich den Handel erschwerte. Trotz Ankündigung von Maßnahmen zur Erhöhung der Liquidität seitens der russischen Verwaltung erholte sich der Markt nicht. Die Senkung des Rohölexportzolls ließ die Ölaktien kurzfristig in die Höhe schnellen, für den restlichen Markt brachte es keinerlei Entlastung. So ist es auch keine große Überraschung, dass die Kurse der Aktienfonds mit Schwerpunkt Osteuropa und Russland ins Bodenlose fielen. Da konnten sich die Anleger des Berenberg Funds II – East European Small & Mid Caps B (WKN A0LC06) fast schon glücklich schätzen. Denn mit -38,39 Prozent verlor dieser Fonds neben dem MC Premium Eastern European Equities (WKN 658636) mit -41,16 Prozent am wenigsten im Osteuropamarkt (Stand 1. Dezember 2008). „Die Verkaufswelle an den Börsen der Industrieund Schwellenländer beschleunigte sich im Oktober trotz beispielloser Bemühungen von Regierungen und Notenbanken um eine Stabilisierung der Finanzmärkte“, so der Marktkommentar der Griffin Eastern European Fund Manager. Schlusslichter seien Ungarn und Russland gewesen. In Ungarn ging der Forint rasant auf Talfahrt, und in Russland gaben die Kurse wegen der sinkenden Rohstoffpreise und der Spekulationen über eine Abwertung des Rubels erneut nach. Mehrere Positionen litten unter den wahllosen Verkäufen, deren Auslöser Mittelabflüsse von den Märkten und der Schuldenabbau von Anlagevehikeln mit hohem Fremdfinanzierungsgrad waren. Die russische Regierung zeigte sich in den letzten Monaten sehr um eine konstruktive Rolle bemüht. Weitere Änderungen des Steuerrechts oder andere Maßnahmen des Kremls zur Stützung des Bankensystems sollten früher oder später zu einer Erholung der zurzeit sehr niedrigen Kurse führen. „Die volkswirtschaftlichen und finanzsektorbezogenen Risiken sind an den Emerging Markets seit 2002 massiv gesunken. Wenn sich der Staub an den Kapitalmärkten erst einmal gelegt hat, sollten die globalen Kapitalflüsse wieder fließen“, glaubt der Osteuropa- Experte Gorky Urquieta. „Langfristig bleibt der russische Aktienmarkt jedoch eine äußerst interessante Story“, urteilen die Griffin Eastern European Fund Manager.

Sag mir, wo der Boden ist 6/7Aktienfonds USA. Was sich derzeit auf allen Weltmärkten abspielt, gilt für die USA in potenzierter Form. Nach dem langen wirtschaftlichen Aufschwung stand eine konjunkturelle Abkühlung ohnehin auf dem Plan. Als regionale Wurzel allen Übels trifft die Krise die Vereinigten Staaten jedoch besonders hart. Die Arbeitslosenquote ist inzwischen auf Raten von über 6 Prozent angestiegen, gut zwei Prozentpunkte mehr als 2007. Zusammen mit den negativen Quartalswachstumszahlen ist die Rezession perfekt. Folglich hält die Bevölkerung ihr Geld zusammen, zu Lasten des Konsumbereichs. Ökonomisch gesehen eine Katastrophe, da für rund 70 Prozent des Bruttosozialprodukts die amerikanischen Konsumenten verantwortlich sind. Die niedrigen Sparquoten der Vergangenheit werden auf absehbare Zeit nicht mehr zu sehen sein. Dennoch keimt Hoffnung auf. „Ich denke, dass die rezessive Phase Mitte des Jahres überwunden sein wird“, meint Prof. Dr. Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Die Steuerentlastungen für geringe und mittlere Einkommen sowie die Expansion der Gesundheitsausgaben sprechen seiner Meinung nach für ein zukünftiges moderates Wachstum.
Bis es soweit ist, will Pioneer-Fondsmanager John Carey die Ruhe bewahren: „Wenn sich die Aktienmärkte im höchsten Alarmzustand befinden, hat es Priorität, methodisch vorzugehen und keine Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen.“ Der Fondsmanager verriet, dass er in der jetzigen unterbewerteten Phase gern mehr Geld zum Investieren hätte, da er langfristig auf die Widerstandsfähigkeit der US-Volkswirtschaft setzt. Ein ordentliches Aufholpotenzial ist in jedem Fall gegeben. Der Dow Jones kämpfte zuletzt 2003 mit der 8.000-Punkte-Marke und verlor seit seinem Rekord aus dem Oktober 2007 über 40 Prozent. Für US-Aktienfonds stellt zukünftig das anhaltende Misstrauen der Banken untereinander eine der größten Herausforderungen dar. Da es schwierig ist in solch einem Umfeld die Märkte stabil zu halten, rechnet Carey auch weiterhin mit hohen Kursschwankungen. Anleger sollten ihre Investments auf mindestens drei Jahre ausrichten. Neben den Nehmerqualitäten der Volkswirtschaft weckt die Innovationsfähigkeit des Landes Hoffnung. Laut der Innovations-Studie 2008 des Bundesverbands der Deutschen Industrie hat die USA zwar ihren ersten Platz in puncto Innovationsfähigkeit an Schweden abgeben müssen. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung liegen allerdings auf historisch hohem Niveau. Auch Carey hat diesen Aspekt im Blick: „ Die Zahl der Patente wächst stetig. Den Amerikanern liegt das Geschäftemachen einfach im Blut. Zusammen mit einer weiteren Stärkung des US-Dollars spricht vieles dafür, dass die US-Wirtschaft deutlich schneller wiedererwacht als die in Europa.“ Auf diese „Yes, we can“-Mentalität setzen US-Investoren, auch wenn sie einen langen Atem mitbringen müssen.

Sag mir, wo der Boden ist 7/7Aktienfonds Deutschland. Die Bürde des Exportweltmeisters wiegt schwer. Zwar bleibt der Großteil der Ausfuhren innerhalb Europas, dennoch ist die deutsche Volkswirtschaft in hohem Maße mit der Entwicklung der gesamten Weltwirtschaft verwoben. Dabei schaut man vor allem auf die Krisenbewältigung in Asien und Amerika. Dr. Stefan Kooths vom DIW unterstreicht diese These: „Die weitere Entwicklung hängt entscheidend vom weltwirtschaftlichen Umfeld ab. Erholt sich die Konjunktur in den wichtigsten Partnerländern, vor allem in der EU, so werden die Wachstumsraten in Deutschland ab der Jahresmitte wieder kräftiger ausfallen.“ Der momentane konjunkturelle Abschwung verläuft, wenn man so will, planmäßig. Allerdings fehlte die für die zurückliegende Aufschwungphase typische private Konsumbelebung, da die real verfügbaren Einkommen konstant blieben. Anleger blicken heute auf deutlich schmalere Deutschlandbestände als noch vor Jahresfrist. Der DAX ist von seinem 8.000-Punkte-Hoch im Dezember 2007 satte 45 Prozentpunkte entfernt. Gemessen am Index erwiesen sich die Aktienfonds Warburg-Daxtrend (WKN 976544) mit – 24 Prozent und der Nordakku von Pioneer (WKN 848536) mit -32 Prozent noch als Einäugige unter den Blinden. Mit ihnen konnten die Verluste in Grenzen gehalten werden. Martin Weinrauter vom Vermögensverwalter Grohmann & Weinrauter erklärt die im Warburg-Fonds angewandte Strategie: „Wir gewichten keinen der 30 DAX-Titel über oder unter. Unser Ziel, in derzeitigen Abwärtsphasen weniger zu verlieren als der Index, erreichen wir durch eine aktive Investitionsgradsteuerung.“ Innerhalb weniger Tage pendelte der Grad aufgrund der Marktschwankungen oftmals zwischen 0 und 70 Prozent. Die rote Laterne im Fondsranking hält mit Abstand der Gerling Deutschland Fonds (WKN 848112). Er war einer von fünf Gerling- Fonds, bei dem die angewandte Optionsstrategie voll nach hinten losging. Was in steigenden Märkten für einen Extra-Rendite- Kick sorgt, wurde ihm zum Verhängnis. Mitte Oktober löste man die gehebelte Strategie bei allen Fonds wieder auf. Am Jahresergebnis von -74 Prozent konnte das nichts mehr ändern.
Die Experten sind sich einig, dass sich die Rezession noch nicht vollständig in den Kursen wiederfinden. Weitere Rückschläge im DAX sind also auch für 2009 nicht ausgeschlossen. Zumal noch ein ordentlicher Puffer zum Tiefstand von 2003 besteht, als der Index – durch die Nachwehen des 11. September und der geplatzten Internetblase – unter 3.000 Punkte krachte. Die Optimisten nutzen dagegen schon jetzt die günstige Bewertung deutscher Aktien, um langfristige Anlagestrategien preiswert aufzubauen bzw. aufzustocken. Für Deutschland als Anlageschwerpunkt spricht zudem, dass das Land von einer Verknappung des Kreditangebots an den Realsektor weitaus weniger betroffen ist als etwa die USA oder Großbritannien. Wenn der strukturelle Abbau der Arbeitslosigkeit weiter vorangetrieben wird, sieht auch Kooths die deutsche Wirtschaft im internationalen Wettbewerb insgesamt weiter sehr gut aufgestellt.

Aktienfonds Euroland. Die ökonomischen Voraussetzungen in der Eurozone ähneln denen in Deutschland. Das Euroland befindet sich in einem konjunkturellen Abschwung, der durch die Finanzmarktkrise weiter verstärkt wird. Alles steht und fällt mit den Banken. Jede Meldung über neue Millionen-Abschreibungen schiebt die angepeilte Trendwende ein Stück in die Ferne. Es ist schwierig einzuschätzen, wie hoch der Wertberichtigungsbedarf im Bankensektor letztendlich sein wird. Auch wenn es Anzeichen dafür gibt, dass sich die Probleme als weitaus geringfügiger erweisen werden als in den USA, ist nicht ganz klar, wie stark die europäischen Banken in notleidende Hypothekenkredite investiert sind. „Bleiben weitere große Überraschungen bei den Wertberichtigungen der Institute aus, ist nicht mit einer ernsthaften Verknappung der Kreditvergabe an den privaten Sektor zu rechnen“, meint Sebastian Weber vom DIW. Andernfalls würden weitere Rezessionsängste geschürt. Die strengere Regulierung europäischer Banken gegenüber angelsächsischen Ländern lässt hoffen, dass die Krise in der Eurozone auf den Finanzsektor beschränkt bleibt und nicht im großen Umfang auf die Realwirtschaft übergreift. Dafür spricht auch, dass „innerhalb der Zone der Handel mit Derivaten bzw. die Verbreitung von Hedgefonds, die in Deutschland erst seit 2004 zugelassen sind, nicht so fortgeschritten ist wie in den USA oder Großbritannien“, erklärt Weber.
53,1 Prozent. Das ist die Spanne zwischen dem besten und dem schlechtesten Aktienfonds im Segment Euroland. Beide Fonds weisen auf Jahressicht wie erwartet rote Zahlen auf. Mit dem HSH Strategy Active Plus (WKN 756077) beschränkten sich die Verluste allerdings auf 15,5 Prozent. „In den vergangenen zwölf Monaten war das Fondsvolumen oftmals nur zur Hälfte in Aktien bzw. komplett im Geldmarkt investiert“, erklärt Fondsmanager Edgar Göcke seine Investitionsgradsteuerung, mit der seinen Anlegern ein Großteil der Verluste erspart blieb. Schlusslicht in der Fondswertung war der Gerling Aktiv (WKN 848511). Auch er fiel der fehlgeschlagenen Optionsstrategie (siehe auch Anlageschwerpunkt Deutschland) des Hauses zum Opfer. 68,6 Prozent unter null standen letztlich zu Buche. Beim NESTOR Europa Index Fonds (WKN 989249) verursachte die dauerhaft hohe Aktienquote und eine ebenfalls angewandte Derivatestrategie deutliche Verluste (-63 Prozent).
Auch im Euroland heißt das Zauberwort für 2009 „Value“. Zwar ist noch nicht seriös vorherzusagen, von welchem Niveau aus die nachhaltige Erholung starten wird, doch Göcke erkennt: „Mit kleinen Raten und einem langen Anlagehorizont lassen sich derzeit Bestände aufbauen, die historisch gesehen alles andere als teuer sind.“ Trotz aller Unterbewertung müssen Euroland-Anleger weiter mit einer hohen Volatilität kalkulieren. Das gilt jedoch übergreifend für alle Anlageschwerpunkte.

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