„Alter Wein aus neuen Schläuchen“
procontra: Herr Soboll, wie lassen sich Betriebskosten einsparen?
Ralf Soboll: Derzeit so gut wie gar nicht. Sie können weder die Personalkosten senken noch die Versicherungskosten. Allenfalls kann man versuchen, durch Einkaufsgenossenschaften die Preise etwas zu drücken.
procontra: Schiffe müssen nun auch gegen Piraterie versichert werden. Ein großer Posten?
Soboll: Wir empfehlen, die Schiffe gegen Piraterie zu versichern. Das kostet zusätzlich ca. 10-20.000 Euro p.a. für ein in der Karibik fahrendes 500-TEU-Schiff.
procontra: Es hängt also von der Gegend ab, wo die Schiffe eingesetzt werden?
Soboll: Sicher. Für Europa muss keine Piraterieversicherung abgeschlossen werden. Aber falls ein Schiff in südasiatischen Gewässern oder Ostafrika eingesetzt wird, wäre es angebracht. Das muss man leider einkalkulieren.
procontra: Immer wieder neue Konzepte für Schiffsfonds. Wo liegen die Vorteile?
Soboll: Gute Frage. Für institutionelle Anleger gibt es von König & Cie. ein interessantes wertpapierorientiertes Modell. Alles andere empfinde ich mehr oder weniger als alten Wein in neuen Schläuchen. Da werden Anlegern tolle Innovationen vorgegaukelt, anstatt realistisch zu kalkulieren.
procontra: Zum Beispiel?
Soboll: Blindpools und Flottenfonds, in denen Reste von noch nicht platzierten Fonds untergebracht werden. Auch an offenen Fonds angelehnte Modelle bergen die Gefahr von Restelagern und zu teuer gekaufter Schiffe. Da finden sich dann Schiffe, die anders nicht zu platzieren sind. Frei nach dem Motto: Das merkt doch keiner.
procontra: Ist Bareboat Charter eine Lösung?
Soboll: Schiffe unter Bareboat Charter fallen nicht unter die Tonnagesteuer. Sie sind zwar raus aus der Betriebskostenfalle, aber so richtig rechnen tut es sich auch nicht, da die Rendite voll zu versteuern ist. Und wehe, wenn der Charterer ausfällt.
procontra: Heißt es bei dem schwierigen Markt nicht besser abwarten?
Soboll: Alles ist abhängig von Schiffspreis, Kosten und Einnahmen. Stimmt das Verhältnis, dann kann auch jetzt ein gutes Projekt konzipiert werden. Dieses Verhältnis lässt sich im Moment aber nur schwer ausbalancieren. Wir sind derzeit zurückhaltend mit Neuemissionen.
