Auf der Erfolgsschiene

 

0508_auf_der_erfolgsschieneIrgendwann wollte jeder Junge einmal Lokführer werden.  Schnell merkt er aber, dass Pilot bei den Mädels besser ankommt, und zum Schluss studiert er dann BWL. Der alte Traum aber erlischt nie ganz und findet oft in Modelleisenbahnen im Hobbykeller seine Renaissance. Die Alternative dazu besteht aus Beteiligungen an den großen Brüdern aus schwerem Stahl. Der Vorteil: Sie werfen im Gegensatz zum Modell eine bessere Rendite ab.

Mehr Schienenverkehr. Bananen aus Brasilien, Fernseher aus Fernost. Konsumgüter kommen aus aller Welt. Die rasante Entwicklung des globalen Handels beschert deutschen Seehäfen einen großen Aufschwung. Laut den Ergebnissen des Masterplans „Hafenbahn Hamburg 2015“ gehen die Experten von einer Verdopplung des Transportaufkommens der Häfen bis 2015 aus. Die Schiene fungiert dabei als ein elementares Bindeglied innerhalb der Umschlagskette. Im Hamburger Hafen wird jeder dritte Container über die Schiene transportiert. Ulrich Krey, Geschäftsführer der northrail GmbH, sieht hier ein gute Chance für Public Private Partnership: „Bereits heute verbinden täglich über 200 Züge mit Containern und Massengut den Hafen mit dem deutschen und europäischen Hinterland. Rund 20 Prozent des Güterverkehrs auf der Schiene werden mittlerweile von privaten Anbietern abgewickelt.“ Immer mehr Verkehrstaus auf Autobahnen, teureres Benzin und die Mautgebühren machen den Gütertransport auf der Straße unattraktiver, wovon Schiene und Wasserwege nur profitieren können. Der Güterverkehr wird laut Aussage des Bundesverkehrsministeriums bis 2025 um 71 Prozent zunehmen. Schon jetzt sei, so Krey, der Bedarf an Rangier- und Zubringerlokomotiven groß: „Derzeit sind etwa 2.600 Dieselloks für öffentliche und rund 1.800 für private Betreiber im Einsatz. Um das wachsende Transportaufkommen zu bewältigen, werden die Flotten aber weiter aufgestockt.“

0509_auf_der_erfolgsschiene_01Lockende Beteiligung. Während die Deutsche Bahn langsam in Richtung Börse steuert, können sich Anleger unternehmerisch beteiligen. Denn die ersten Initiatoren prüfen den Wachstumsmarkt Schiene. Während Loks, Container und Waggons wie Leasing- oder Charterfonds funktionieren, gehören Schienen zum Bereich Infrastruktur. „Solche Infrastruktur-Investments haben den Vorteil, praktisch ein Monopol zu besitzen. Im Gegensatz zu Beteiligungen an Loks“, erklärt Michael Pirgmann, Geschäftsführer der Hamburger HPC Capital. „Wir haben in unserem HPC Infrastrukturfonds 1 derzeit zwar keine Schienenbeteiligung, aber wir denken für die Zukunft in diese Richtung“, so Pirgmann weiter. Genaueres will er allerdings noch nicht verraten. Auch Lokomotiven erfreuen sich großer Nachfrage. Pionierarbeit leisten die Hamburger von Paribus Capital, die den Paribus Deutsche Eisenbahn Renditefonds IX aufgelegt haben. Er investiert in eine Flotte von Rangier- und Zubringerlokomotiven. So erst- und einmalig, wie es klingt, ist das Engagement der Hamburger indes nicht, gab es doch schon zur Zeit der Steuersparmodelle Bahn-Leasingfonds. Neu ist aber, dass speziell in Rangier- und Zubringerlokomotiven investiert wird. „Auf der Schiene gibt es ähnlich wie auf See zwei große Märkte, die Langstrecke und die Feederdienste, also die Rangier- und Zubringerstrecken“, erläutert Krey. 0509_auf_der_erfolgsschiene_02Es gebe auf den Langstrecken bereits eine Reihe professioneller Leasing-Anbieter. So konzentriert man sich auf den Rangierbetrieb, wo zwei- bis sechsachsige Dieselloks mit bis zu 1700 kW Leistung gefragt sind. Neu ist auch, dass Paribus mit dem Seehafen Kiel GmbH einen starken Partner an der Seite hat, der an diesen Mehrverkehren partizipiert und ihren Transportanteil im Seehafenhinterlandverkehr in den vergangenen Jahren stetig steigern konnte. Letztendlich sollen die prognostizierten Gewinne zwischen 7 und 8 Prozent auch ohne Verlustabschreibungen möglich sein. Die Mindestbeteiligungssumme beträgt 10.000 Euro bei 5 Prozent Agio.

Vorsicht bei der Abfahrt. Ein Wermutstropfen dürfte die Tatsache sein, dass es natürlich noch keinerlei Vergleichsmöglichkeiten gibt. Denn die früheren Leasingfonds kalkulierten mit dem Steuereffekt. Erfahrungswerte sind allerdings vorhanden, da die langjährigen Betreiber des Seehafens schon seit langer Zeit in diesem Markt agieren. Außerdem drängt sich bei einigen Beobachtern die Frage auf, ob der Fonds nach Verkäufen vor Ablauf der Nutzungsdauer nicht gewerbliche Einkünfte erzielt. Das könnte steuerliche Konsequenzen haben. So verhält es sich nun mal bei der Pionierarbeit. Aber wenn es gut läuft, stimmen die Renditen und andere Initiatoren werden nachziehen. Eine Zukunft hat die Schiene. Und die Faszination für diese Melange aus Stahl, Öl und Rauch ist seit 150 Jahren ungebrochen.

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