„Ein Bankberater wird einen ETF nie aktiv verkaufen.“

 

Immer mehr Fondsmanager kopieren einfach nur noch ihren Index. Exchange Traded Funds (ETFs) bieten die gleiche Leistung für weniger Geld. Wird ETF das Investment-Kürzel der Zukunft sein?

procontra: Herr Hecher, kürzlich wurden Swap-ETFs zur neuen Generation der Indexfonds ausgerufen. Was ist daran so revolutionär?
Claus Hecher: Nicht viel. Es gibt zwar verschiedene Methoden ETFs zu konstruieren, aber Generationsunterschiede existieren keine. Wir bieten diese Form bereits seit 2006 an, daher ist dieser Ausspruch wohl etwas überzogen.
procontra: Aber wo liegt die Abgrenzung zu klassischen ETFs?
Hecher: Klassische ETFs, etwa auf den DAX, enthalten auch die 30 DAX-Werte. Bei der Swap-basierten Methode kann der Fonds ein völlig beliebiges Aktienportfolio einkaufen.
procontra: Das hat doch aber nichts mit der Performance des Index zu tun.
Interview mit Claus Hecher 1/1Hecher: Stimmt. Daher wird zusätzlich ein Swap-Vertrag mit einer Investmentbank abgeschlossen. Darüber wird später die Performance des Aktienkorbes raus- und die tatsächliche Performance des Index reingeswapt.
procontra: ETFs schmücken sich als Mittel gegen die Abgeltungsteuer. Zu Recht?
Hecher: Nur wer noch 2008 kauft, zahlt keine Abgeltungsteuer auf Kursgewinne. Das gilt für alle ETFs. Die Swap-ETFs wandeln zusätzlich die späteren Dividendenerträge in Erträge aus Termingeschäften um, auf die dann keine Steuer anfällt.
procontra: Indexfonds gelten als transparent und kostengünstig. Warum dominieren sie dennoch nicht die Depots?
Hecher: Wir stehen noch ganz am Anfang der Produkteinführung. Aber die Prognosen, auch unabhängiger Analysehäuser, halten eine Verdopplung des Volumens in den nächsten drei Jahren für eine eher konservative Schätzung.
procontra: Und das obwohl der Berater daran keine Provision verdient? Welche Vertriebskanäle nutzen ETFs?
Hecher: Es ist überwiegend ein Produkt der institutionellen Kunden. Noch, denn über immer mehr Dachfonds und auch Vermögensverwaltungen der Privatbanken gelangen ETFs in die Depots der Privatkunden. Außerdem greift auch die wachsende Gruppe der Honorarberater verstärkt auf Indexfonds zurück.
procontra: Warum gerade die?
Hecher: Ganz einfach. Honorarberater erhalten ihre Provision vorab. Dadurch sind sie motiviert dem Kunden das Beste zu empfehlen und lassen sich nicht von der Produkt-Provision leiten.
procontra: Aber diese Gruppe ist relativ klein im Vergleich zu den Bankberatern.
Hecher: Das stimmt, aber sie wächst. Ein Bankberater wird einen ETF nie aktiv verkaufen. Wir erreichen die Privatkunden über andere Kanäle, wie Vermögensverwaltungen, Dachfonds und eben Honorarberater.
procontra: Laut einer aktuellen Studie kopieren immer mehr Aktienfondsmanager ihren Index. Ärgert Sie die Tatsache, dass der Fondsmanager hohe Gebühren kassiert, obwohl er anscheinend nichts anderes macht als ein ETF?
Hecher: Das ärgert uns immer weniger. Der Kunde ist zunehmend aufgeklärter und erkennt solche Schwachstellen. Zudem schafft es nur eine Handvoll Aktienfondsmanager ihre Benchmark zu schlagen, was uns in die Karten spielt.

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