„Der Margin Call sollte nicht ignoriert werden“

 

procontra: Herr Amini, Chancen und Risiko sind bei CFDs extrem. Sehen Sie noch Steigerungsmöglichkeiten am Markt?
Farhad Amini: Mit Diff erenzgeschäften bewegt man sich auf der höchsten Risikostufe. Doch durch den geringeren Kapitaleinsatz erreicht man eine erhebliche Liquiditätssteuerung. Mit entsprechenden Anlagestrategien relativiert sich das Risiko.
procontra: Gibt es für Anleger etwas Spekulativeres als CFDs?
Amini: Ja, Futures zum Beispiel.
procontra:
Warum?
Amini: Futures sind stärker reglementiert. Die Laufzeiten und Volumengrößen werden vorgegeben. Unter diesen standardisierten Kontrakten ist es für unerfahrene Anleger riskanter, die richtige Auswahl zu treffen. Bei CFDs gibt es nur einen Preis und keine festen Laufzeiten.
procontra: Dafür aber eine Nachschusspflicht wie bei Futures?
Amini: Richtig! Sollte die hinterlegte Margin so weit ins Negative rutschen, dass das eingezahlte Eigenkapital aufgebraucht ist, dann muss der Anleger zusätzliches Kapital nachschießen.
procontra: Dann kann man an der Börse also doch mehr verlieren als 100 Prozent?
Amini: Zumindest mehr als das Anfangskapital.
procontra: Was bedeutet der so genannte Margin Call?
Amini: Zunächst einmal, dass er nicht ignoriert werden sollte. Andernfalls wird der Broker eine Liquidierung der Positionen vornehmen. Dann werden so viele Positionen glattgestellt, bis das erforderliche Kapital zum Ausgleich des Kontos wieder zur Verfügung steht.
procontra: Wie oft erhalten Ihre Kunden einen solchen „Anruf“?
Amini: Das ist vielmehr ein Prozess. Zunächst gibt es mehrere Liquidationswarnungen für den Anleger, bevor der Händler gezwungen ist zu liquidieren.
procontra: Stichwort Altersvorsorge. Kann man mit CFDs langfristig investieren oder schlüpft man zwangsweise in die Rolle eines Day-Traders, um den richtigen Ausstieg nicht zu verpassen?
Amini: Für Anleger, die an einem längeren Auf- und Abwärtstrend partizipieren wollen, sind CFDs ebenso interessant wie für Anleger mit einer kurzfristigen Motivation.
procontra: Aber je nach Hebel liegen zwischen Gewinn- und Verlustzone oft nur Sekunden.
Amini: Letztlich hängt es wie so oft vom persönlichen Investitionsplan ab. Anleger, die sich der Hebelwirkung von Diff erenzgeschäften nicht bewusst sind, sollten sich im Vorfeld informieren und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
procontra: Warum ist der Marktanteil der CFDs noch so gering?
Amini: Den Wenigsten waren CFDs gleich ein Begriff . Die unkomplizierte Handhabung gegenüber anderen Derivaten findet nun mehr Zuspruch. Dennoch ist das Potenzial, gerade in Deutschland, noch lange nicht ausgeschöpft.
procontra: Was können bzw. planen Sie als Broker dafür zu tun?
Amini: Wir wollen noch kundenfreundlicher agieren. Unser CFD-Trading-Center war ein Schritt in Richtung höherer Informationsservice. Mit weiteren Tools, etwa einer Statistikplattform, werden wir noch individueller auf den Kunden eingehen und die Markttransparenz erhöhen.

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