Rattenfänger der Performance

 

Es ist schon paradox. Hedgefonds stehen wegen riskanter Spekulationen, mäßiger Renditen und hoher Gebühren immer wieder in der Kritik, dennoch vertrauen gerade vermögende Kunden der Assetklasse hohe Summen an. Anfang März ist wieder mal ein Traum in der Hedgefonds-Branche geplatzt. Die Focus-Capital- Gründer Tim O‘Brien und Philippe Bubb haben wie aus dem Nichts über zwei Milliarden US-Dollar eingesammelt. Dann der Kollaps.

„Die Verantwortlichen führen zurzeit Gespräche mit den Investoren. Vorarbeiten für eine Liquidierung des Fonds laufen“, sagt Jörg Denzler, Sprecher von Focus Capital in der Schweiz. Der New Yorker Hedgefonds hatte sich auf Schweizer Midcap-Aktien spezialisiert. Nach dem Zusammenbruch grübelte die Branche: Sind Bubb und O‘Brien, die übrigens früher bei Vontobel arbeiteten, böse Jungs oder haben sie einfach nur Pech gehabt? Jacob H. Schmidt, Investmentberater und Kenner der Szene in London, hält die Firmengründer nicht für böswillig und verweist auf die Familie: „Philippe Bubb kommt aus guter Familie. Sein Vater ist CEO einer Schweizer Firma namens Implenia und auch Tim O‘Brien hat einen guten Ruf. Aber auch gute Jungs können von der schlechten Seite in Versuchung geführt werden. So wie Anakin Skywalker bei Star Wars.“ Hauptkritikpunkt an Focus Capital ist der Leverage. Er war groß und lag über dem Marktdurchschnitt. Ein Hebel von 150 Prozent ist üblich, Focus Capital agierte jedoch mit 300 Prozent, sprich auf zwei Milliarden US-Dollar wurden sechs Milliarden USDollar geliehener Bankengelder aufgesetzt. Ein so hoher Verschuldungsgrad von 300 Prozent in einem Portfolio von mittelgroßen, illiquiden Firmen ist schon ungewöhnlich und „ungesund“, wie Schmidt betont, „insbesondere wenn andere die Positionen kennen“. Focus Capital wollte zur Frage des Leverage keine Stellung beziehen. Doch manche sehen Focus Capital auch nur als Opfer der Kreditkrise. Das Unternehmen habe schon die richtigen Unternehmen ausgewählt. So oder so kann es den Firmengründern egal sein, denn sie haben Millionen an Gebühren verdient. Dabei sah Anfang des Jahres noch alles ganz gut aus. Zwar gerieten Fonds der Banken UBS, Bear Stearns – die Investmentbank wurde dann im März des Jahres zum Schnäppchenpreis an JPMorgan Chase verkauft – und Goldman Sachs in Schwierigkeiten, danach prägten aber die Milliarden-Abschreibungen der Banken die Schlagzeilen. Doch dann: Die Londoner Peloton Partners geben die Liquidierung eines 1,8 Milliarden US-Dollar großen Hedgefonds bekannt. Auch der 22-Milliarden- Hedgefonds der renommierten Carlyle Group kommt ins Wanken und wird am 16. März liquidiert. Seit Mitte Februar wurden bereits sechs Hedgefonds aufgelöst. Hatte Investmentlegende Warren Buffet doch Recht, als er Hedgefonds einst mit „Rattenfängern der Performance“ verglich? Es sei für Anleger eine Dummheit bei diesem Spiel mitzumachen. „Das sind nur ein paar von 10.000 Fonds. Aber nicht alle Hedgefonds können super sein, so wie auch nicht alle 3.000 bis 4.000 Hedgefonds-Manager Supertalente sein können“, relativiert Jacob H. Schmidt. Auch Markus Sievers von apano sieht in den beschriebenen Fällen „Ausnahmen“. Der Fonds der Carlyle Group agierte mit einem ungesunden 32-fachen Hebel. „Im Übrigen wurde der Fonds der Carlyle Group in guten Zeiten immer zur Anlageklasse der Private Equity gezählt und erst jetzt in den schlechten ist er ein Hedgefonds“, ergänzt Sievers.

Rattenfänger der Performance 1/2Vermögende lieben es alternativ. Trotz aller Kritik mögen vermögende Anleger Alternative Investments. Eine Studie von Campden Research und Merrill Lynch über 30 Family Offi ces, das sind auf die Betreuung großer Familienvermögen spezialisierte Finanzdienstleister, bescheinigt, dass durchschnittlich 48 Prozent des Vermögens in Alternativen Investments angelegt wird. Hedgefonds folgen mit 14 Prozent nach Immobilien auf Platz zwei noch vor Private Equity (11 Prozent). Bis 2010 wollen die befragten Vermögensverwalter ihren Anteil Alternativer Investments auf 55 Prozent aufstocken. In Hedgefonds sollen dabei 4 Prozent mehr fl ießen als heute. Infl ationsschutz ist eine vorrangige Aufgabe von Vermögensverwaltern, damit das Vermögen über Generationen hinweg wächst. Deshalb stehen Alternative Investments hoch im Kurs. Außerdem schätzt der Vermögende die Einfl ussnahme auf Investitionsentscheidungen. Eine solche kann bei Alternativen Investments wesentlich effektiver erfolgen als bei anderen Anlagemöglichkeiten. Es ist einfacher mit den Managern in Kontakt zu bleiben. „Viele Anbieter liefern maßgeschneiderte Portfolios für ihre vermögenden Kunden“, ergänzt Markus Sievers.

Rattenfänger der Performance 2/2Gutes 2007 – optimistisches 2008. Das Jahr 2007 und auch die Anfänge von 2008 sind geprägt von der größten Finanzkrise der letzten Jahrzehnte. Dem Anspruch der vom Börsenwetter unabhängigen Wertentwicklung wurden Hedgefonds gerade zu Zeiten der Kreditkrise gerecht. Denn trotz aller Negativ-Meldungen „haben Hedgefonds 2007 die Erwartungen auch erfüllt“, erläutert Markus Sievers. Der über alle Hedgefonds-Strategien gestreute Credit Suisse/Tremont Investable Hegde Fund Index zeigte in US-Dollar eine Jahresperformance von 10,38 Prozent (Stand: 2. April 2008). Zum Vergleich: Der MSCI World Index verlor im selben Zeitraum knapp 7 Prozent. „2007 war das Jahr der Managed Futures“, konstatiert Sievers. Aber auch Emerging Markets und Global Macro zählten zu den Gewinnerstrategien. „Equity long/short und Event Driven hatten im Zuge starker Aktienmärkte ein sehr gutes erstes Halbjahr“, betont Dr. Frank A. Erhard, CEO von Rising Star. Von der gestiegenen Volatilität an den Rentenmärkten haben Fixed-Income-Strategien profitiert. Nach der Kreditmarktkrise hat sich die Finanzwelt gänzlich verschoben. Doch Hedgefonds wären keine Hedgefonds, wenn sie nicht auch 2008 ihre Renditechancen sähen. „Korrespondierend zu einer Erholung am Aktienmarkt und sinkender Risikoaversion rechnen wir mit steigenden Renditen bei Renten, im Bereich Währungen gehen wir bei den aktuellen Unsicherheiten nicht von einem Trendbruch in der Entwicklung des US-Dollars aus“, ergänzt Dr. Erhard. Verlierer des kommenden Jahres wird sicherlich Merger Arbitrage sein, denn Kreditkonditionen haben sich verschlechtert und Mergers & Acquisitions werden abnehmen. Bei den aktienlastigen Strategien wird der Fokus Rising Star zufolge im Bereich Emerging Markets liegen. Die anhaltend hohe Volatilität wird 2008 wie bereits 2007 Global Macro ein gutes Jahr bescheren. „Equity long/short ist schwierig gestartet, aber noch nicht abzuschreiben“, sagt Sievers. Der Experte prognostiziert nach der Aufregung der letzten Monate ein ruhiges zweites Halbjahr 2008. Hedgefonds haben dem Sturm der Finanzmarktkrise ganz gut standgehalten. So erscheint es keineswegs paradox, dass gerade die vermögenden Kunden verstärkt auf Alternative Investments setzen wollen.

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