Daddeln fürs Depot
Die Jugend verbringt viel zu viel Zeit mit Videospielen. Was Bildungsministerin Dr. Schavan auf die Palme bringt, erfreut mehr und mehr Investoren. Zweimal X, einmal Kreis und wieder X. Simon Seitz (15) sitzt vor seiner Spielkonsole und daddelt. In seinem rechten Ohr hängt der Kopfhörer seines mp3-Players, über den er das neue Album der Bloodhound Gang hört. Modernes Multitasking, das auch Männer beherrschen. Plötzlich steht sein Vater in der Zimmertür. Simon erschrickt. Seit zwei Stunden sitzt er nun schon wieder so vor dem Bildschirm.
Doch statt die erwartete Rüge zu erteilen lächelt sein Vater, setzt sich neben ihn und schnappt sich den zweiten Controller. „Wie wär‘s mit ’nem Spielchen?“, fragt er seinen Sprössling. Für Seitz Senior ist das keine Zeitverschwendung. Im Gegenteil. Er daddelt für seine eigene Rendite, denn er investiert in einen der am stärksten wachsenden Märkte in der Unterhaltungs- und Medienbranche.
Umsatzstärker als Hollywood. In Spielefonds finden Finanz- und Medienbranchen wieder einen gemeinsamen Nenner. Nachdem der Wegfall des Steuervorteils das Todesurteil für Filmfonds bedeutete, versank die Medienbranche in der Versenkung. Doch der Markt der PC- und Konsolenspiele birgt ein solches Potenzial, das die fehlende Verlustzuweisung wieder wettgemacht wird. Die Einnahmen durch Software übertreffen schon seit Jahren die Umsatzzahlen der weltweiten Kinokassen. Auch wenn die jährliche Wachstumsprognose der Beratergruppe PricewaterhouseCoopers nach unten korrigiert wurde, geht man immer noch von 9,1 Prozent aus. Im Jahr 2011 wären das dann 48,8 Milliarden US-Dollar.
Die Treiber. Durch die weiter wachsende Verbreitung schneller Breitbandanschlüsse sind technisch anspruchsvolle Online-Spiele in immer mehr Haushalten spielbar. Online-Spiele zählen zu den am stärksten wachsenden Bereichen der Spieleindustrie. 2011 werden die Konsolen in Europa zwar noch immer den größten Umsatz ausmachen (7,3 Milliarden US-Dollar). Doch wird dieses Segment mit 37 Prozent nicht annähernd so rasant wachsen wie der Online-Bereich, der sich dann auf einen Umsatz von 3,6 Milliarden US-Dollar verdreifacht haben wird. Klar, dass auch die neuesten Konsolenmodelle wie die Sony Playstation 3, die Microsoft Xbox oder die Nintendo Wii onlinefähig sind. Hinzu kommt, dass sich die Zielgruppe nicht nur vergrößert, sondern auch in ihrer Altersstruktur verbreitert hat. „Die Generation, die mit Video- und Konsolenspielen aufgewachsen ist, ist jetzt die Generation 30plus“, so Andreas Graf Rittberg, Geschäftsführer der BVT Unternehmensgruppe. Aus Sicht der Spieleindustrie haben ältere Zielgruppen in den nächsten Jahren einen viel größeren Bezug zum Daddeln. Außerdem sollen spezielle Konzepte auch das „schwache Geschlecht“ stärker umwerben und an den Controller führen.
Die Angebote. Grundsätzlich investieren Gamefonds in Lizenzen von Spielen, finanzieren komplette Neuentwicklungen oder fördern sogenannte Portierungen, bei denen beispielsweise ein bestehendes PC-Spiel für die Konsole weiterentwickelt wird. Investoren wie Seitz Senior stehen derzeit zwei Beteiligungen offen. Beim dtp Game Portfolio 2007 von United Investors & Cie. sind Anleger ab 15.000 Euro dabei. Den Schwerpunkt legt das Hamburger Emissionshaus dabei auf Kinder- und Abenteuerspiele. Wie schon beim Vorgängerfonds arbeitet man mit dem auf diese Genre spezialisierten Software- Verlag dtp entertainment AG zusammen. Rund die Hälfte des angestrebten 20-Millionen-Euro-Volumens bleibt anfangs offen. Bis 2009 will man auf Marktentwicklungen reagieren und dann entsprechend investieren. Das zweite Angebot kommt aus dem Hause BVT. Der Vertrieb für den Games Fund IV beginnt Ende Mai. Mit einer Mindestbeteiligung von bereits 5.000 Euro soll dann das Fondsvolumen von rund 40 Millionen Euro eingesammelt werden. Im Blickpunkt stehen wieder Spiele der so genannten AAA-Kategorie. „Wir setzen auf Topspiele und Fortsetzungen von erfolgreichen Spielen“, so Rittberg. Diese würden einerseits international aufwendiger beworben werden. Andererseits bauen Fortsetzungen immer auf eine bereits bestehende Fangemeinde. „Die Gefahr, dass diese Spiele zum Ladenhüter werden ist so relativ gering und das Risiko wird damit deutlich reduziert“, erklärt Rittberg weiter. Stichwort Risiko: Den Vorwurf des Blind-Pool-Risikos müssen sich beide Beteiligungen gefallen lassen, da dem Anleger nicht alle Investitionsobjekte sofort bekannt sind. 45 Prozent des dtp Game Portfolio 2007 werden in so genannte NN-Games, also in namentlich noch nicht bekannte Entwicklungen, investiert. Um den Anlegern etwas Sehkraft zu verleihen, wurde beim BVT-Angebot erstmals ein Teil des Portfolios für fünf Game-Projekte vorreserviert. Bei Familie Seitz ist für heute erst mal Schluss an der Konsole. Der Junior hat dem Senior mal wieder dessen spielerische Grenzen aufgezeigt. Macht nichts, denn gut fürs Depot war die Runde allemal.
