Gute Fee, böse Fee
Die Fondsgesellschaften haben eine neue Einnahmequelle entdeckt. Leider kommt diese aus den Depots ihrer Kunden. Leistung soll belohnt werden. Dieses Prinzip gefällt auch der Fondsbranche. Doch Kritikern ist dieses Konzept zu einseitig. Mit einer Erfolgsgebühr, einer Performance Fee, kassieren Fondsmanager einen risikolosen Zusatzbonus. Bei Misserfolg bleibt immerhin die fixe Managementgebühr.
Laut Analysehaus Lipper Fitzrovia stieg der Anteil der in Deutschland zugelassenen Performance-Fee-Fonds in den letzten fünf Jahren von 9 auf 17 Prozent. „Eine solche Gebühr gibt es in den USA oder Großbritannien schon lange. Und auch die Akzeptanz der Endkunden in Deutschland ist sehr hoch“, begründet Henning Voigt von Warburg Invest diesen Trend.
Nutzlose TER. Gut möglich, dass diese Akzeptanz auch aus einer Unwissenheit herrührt. Kostenorientierte Anleger beziehen die Gesamtkostenquote (TER) mit in ihre Auswahl ein. Doch eine eventuelle Performance Fee wird in die TER gar nicht mit eingerechnet. „Ein Kostenvergleich zwischen Fonds unabhängig einer Erfolgsgebühr wäre dann nicht mehr möglich“, hält Claus Gruber von der DWS die separate Behandlung der Kosten weiter für sinnvoller. Zur TER muss daher eine Kostenvariable X mit einkalkuliert werden. Wird eine Performance Fee in bestehende Fonds installiert, bleibt die Frage, wie zeitnah diese Information bis zur Anlegerschaft durchdringt. So handhabte es die cominvest. Zum 1. September wurde bei acht bestehenden Fonds nachträglich eine 20-prozentige Erfolgsgebühr eingeführt. Zum 1. Februar 2008 folgen weitere zwölf Aktienfonds. Darunter auch das Aushängeschild, der cominvest Fondak. Langfristig orientierte Anleger werden sich dieser Anpassung wohl eher ergeben, als ihren Sparplan zur Altersvorsorge umzuschichten. „Die nachträgliche Einführung dieser Gebühr dient als Leistungsanreiz für unsere Fondsmanager“, begründete die cominvest diese Entscheidung. Der Anreiz etwas zu leisten ist ohne Zweifel gegeben. Doch Kritikern schlägt vor allem die Tatsache auf den Magen, dass das Erfolgsprinzip nur in eine Richtung angewandt wird. „Eine Performance Fee wäre nur dann sinnvoll, wenn die Fondsmanager bei Erfolglosigkeit auch auf ihre Gebühren verzichten würden“, fordert Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Einspruch, heißt es da von Fondsseite: „Mit einer Kürzung der Managementgebühr bei ausbleibendem Erfolg kann eine Gesellschaft in den Konkurs getrieben werden“, hält Gruber dagegen. Dem Fondsmanagement bleibt seine fixe Gebühr also erhalten, unabhängig der Performance. Der Anleger dagegen muss mit dem Verlust leben. Schlimmer noch. Wann der Erfolg eintritt ist den Gesellschaften überlassen. Je nach Definition kann ein Verlust auch ein Erfolg sein. Klingt absurd, ist aber Realität. Verliert der Fonds weniger als der Vergleichsindex, zählt das als Erfolg. Das ist so, als würde der Grundschüler voller Stolz mit einer 4 minus in Mathe nach Hause kommen und seine enttäuschten Eltern auf seinen Banknachbarn verweisen, der eine 5 geschrieben hat. Eine Mindestperformance (Hurdle Rate) schützt davor. Sie muss zunächst überwunden werden, bevor eine Erfolgsgebühr fällig wird. Hinzu kommt die Auswahl des Vergleichsmaßstabs. Es klingt logisch, dass sich ein Aktienfonds dem Duell mit einem Aktienindex stellt. Warum der Aktienfonds C-Quadrat ARTS Total Return Global-AMI seine Performance Fee vom Vergleich mit dem Zinssatz von Termingeldern festmacht, ist unverständlich. Eine entsprechende Nachfrage blieb unbeantwortet. Ebenso ist es Sache der Gesellschaft, den Fondsmanager nur für neue Höchststände (High Water Mark) zu belohnen oder auch für das Aufholen von Verlusten.
Geld für die Forschung. Für die Gesellschaften garantieren die Zusatzeinnahmen von heute die Outperformance von morgen. So fließt die Erfolgsgebühr überwiegend ins Research. „Wir haben Experten, die sich Unternehmen vor Ort ansehen, auch in Brasilien oder China. Das ist etwas anderes, als nur einen Geschäftsbericht zu studieren. Der so erreichte Wissensvorsprung ist Grundlage für eine Outperformance. Wird die erzielt, lohnt es sich auch für den Kunden“, erklärt Gruber. Für ihn macht eine Performance Fee nur Sinn, wenn die Gelder in unerforschte Gebiete, wie Emerging Markets oder Nebenwertemärkte investiert werden. Nur dort lohne es sich, zusätzliches Research zu betreiben. Der cominvest Fondak setzt auf deutsche Standardwerte und ab Februar 2008 trotzdem auf eine Erfolgsgebühr. Scheinbar lohnt sich auch in Deutschland noch zusätzliche Forschung. Besser zu performen als die Benchmark ist der Job von Fondsmanagern. Jetzt wird diese Outperformance zusätzlich entlohnt. Kritiker warnen daher vor unnötigen Risiken, die die Manager eingehen. „Die Gefahr ist vorhanden, die Zahlen zum Stichtag der Erfolgsberechnung besonders gut aussehen zu lassen“, macht Kurz auf mögliche Zockereien aufmerksam. „Unser Management wird nicht angeregt übermäßige Risiken einzugehen, sondern vielmehr dazu, sich das ein oder andere Mal noch tiefer reinzuknien“, so Grubers Antwort.
Fakt ist, die Performance Fee spült zusätzliches Geld in die Kassen der Fondsgesellschaften. Eine sinnvolle Verwendung rechnet sich auch für den Anleger. Leider sind die Erfolgsbedingungen sehr verschieden und wirken zum Teil undurchsichtig. Selbst die Prospekte geben selten kompletten Aufschluss über die Performance Fee. Zukünftig muss sich auch der Berater schlau machen, will er seiner Auskunftspflicht nachkommen.
