Ein bunter Teller

 

Multi-Asset-Fonds sind mittlerweile in aller Munde – eine lange Tradition mit wenig Definition. Wer sich auf die Suche begibt, wird für die viel umschriebenen Multi-Asset-Fonds keine Normdefinition finden. Dafür viele Meinungen zu einem Thema, über das noch mehr reden.

„Multi-Asset-Fonds hat es in Deutschland noch nicht gegeben“, überrascht Marcel van Leeuwen, Geschäftsführer der YEALD Vermögensmanagement GmbH und erklärt: „Sie kombinieren sämtliche Anlageklassen vom Markt miteinander – auch Rohstoffe und alternative Investments.“ Zwar gibt es in Deutschland Mischfonds, die den Namen Multi-Asset führen, doch im strengen Sinne sind es keine. Wenn man sagt, es handle sich um einen Multi-Asset- Fonds, meint man damit, dass sich der Mischfonds so besser an den Anleger bringen lässt. Werbung verkauft am Besten.

Lange Tradition. Denn: Multi-Asset-Fonds – das ist nicht nur ein Name. Das ist Tradition. Vorbild sind die seit Jahrhunderten verfolgten Strategien reicher Familien und Vermögensverwalter, die in mehrere Asset- Klassen investierten. „Der Endowment Fonds der Yale Universität ist ein zur Zeit beliebtes Vorbild“, erklärt van Leeuwen. „Diese eigentlich sehr traditionelle Strategie möchte man mit Multi-Asset-Fonds auf dem Investmentmarkt abbilden.“ Und die zeichnet sich durch freie Hand bei der Gewichtung in die unterschiedlichen Assetklassen aus. Die Stiftungsfonds der US-Universitäten Yale, Harvard und Co. haben gezeigt, wie wichtig eine gute Asset Allocation ist. David Swensens Yale Endowment Fonds hat beispielsweise seit 1985 eine durchschnittliche Performance von 16 Prozent erzielt. Kein Wunder also, dass Fondsmanager mit Neid auf diese Vorbilder schielen. In Deutschland hat der Fondsmanager noch keine freie Hand – so beispielsweise bei der Gewichtung der Assetklasse Hedgefonds. Dies ist aber nach van Leeuwen unabdingbar, um im Sinne der traditionellen Multi-Asset-Fonds zu investieren. Doch bisher hatte das Gesetz einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am 8. November wurde das Investmentänderungsgesetz vom Bundestag verabschiedet. „Dieses Gesetz erlaubt eine optimale Gewichtung der unterschiedlichen Assetklassen“, erklärt van Leeuwen. In einen Mischfonds dürfen heute in Deutschland beispielsweise maximal zehn Prozent Hedgefonds beigefügt werden. Mit dem neuen Gesetz können es bis zu 30 Prozent sein.

Ein bunter Teller 1/1Hedgefonds gehören dazu. Eine Beimischung gerade von Hedgefonds hat einen positiven Effekt auf das Multi-Asset-Portfolio, bestätigt eine Studie der Infinanz GmbH: „Je nach Zusammensetzung des Depots kann sich die Volatilität bei gleich bleibender Rendite bis zur Hälfte reduzieren beziehungsweise bei steigender Rendite die Volatilität vermindern“, heißt es dort. Bis vor drei Jahren waren Fondsmanager noch sehr eingeschränkt bei der Auswahl der Anlageklassen. Seit dem 13. Februar 2004 sind Multi-Asset-Fonds durch die Umsetzung einer EU-Änderungsrichtlinie (OGAW – Organismen für gemeinsame Anlage in Wertpapiere) zugelassen. Ein Portfolio im Sinne der Yale-Universität zu konzipieren, ist jedoch erst mit der nächsten Änderung des Investmentgesetzes möglich.

Die Strategie. Breite Streuung – sichere Rendite. Das ist die Strategie von Multi-Asset- Fonds – einem klassischen Basisinvestment. Man kann die Anlageklasse auch unter weniger strikten Parametern betrachten: „Ein Multi-Asset-Fonds investiert in eine Vielzahl von Anlageklassen und nutzt die sich bietenden Chancen außerhalb der traditionellen Anlageklassen“, erklärt Harald Rieger, Produktspezialist bei DWS Investments. Auch der im Oktober 2006 von Fidelity aufgelegte Multi Asset Strategic Fund besteht aus verschiedenen Assetklassen: Schuldverschreibungen, Aktien, Rohstoffen, Immobilien und liquiden Mitteln. „Der Fonds wird mit Hilfe eines globalen Wirtschaftsphasenmodells aktiv gemanagt. Das minimiert deutlich das Risiko. Dadurch ist die Rendite nicht exorbitant hoch, dennoch konstant“, erklärt Dr. Sinan York Temelli, Leiter Unternehmenskommunikation bei Fidelity. Die Risiken sind minimiert: „Die fünf Assetklassen, die dem Portfolio beigemischt sind, weisen untereinander nur geringe Korrelationen auf.“

Abgeltungssteuer und MiFID. Bei Multi- Asset-Fonds und Mischfonds können die Umschichtungen über alle Anlageklassen hinweg innerhalb des Fonds stattfinden. Damit umgehen sie die Abgeltungssteuer und werden definitiv profitieren: „Im nächsten Jahr werden alle Fonds, bei denen ein Fondsmanager während der Laufzeit umschichten kann, ohne dass dies für den Anleger steuerrelevant wird, eine Renaissance erleben“, prophezeit Temelli. Die ersten Multi-Asset-Fonds sind bereits auf dem Markt. Doch nicht nur die Abgeltungssteuer macht Multi-Asset-Fonds interessant. Die DWS sieht noch einen anderen Motor: „Die Verlagerung der Vermögensoptimierung auf einen Fondsmanager ist insbesondere auch vor dem Hintergrund der MiFID sinnvoll“, sagt Produktespezialist Rieger. Mit der MiFID wird die Einzelberatung erschwert, da strengere Auflagen gelten. „Die Depotoptimierung auf den Fonds zu verlegen, kommt dem Berater deutlich entgegen. Dieser kann sich rein auf die Nachbetreuung seiner Kunden und die Akquise neuer Kunden konzentrieren“, erklärt Rieger. Bei den Multi-Asset-Fonds wird sich bald die Spreu vom Weizen trennen. „Wir werden künftig sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Multi-Asset-Fonds feststellen können“, sagt van Leeuwen. Denn ob der Fondsmanager das Anlageuniversum tatsächlich nutzt und die Marktgegebenheiten berücksichtigt, hängt von seiner Strategie ab.

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