Die Milliardenmanagerinnen

 

Sie verwalten insgesamt 4,5 Milliarden Euro: Sonja Schemmann, Alexandra Richter und Heidrun Heutzenröder. Die drei Fondsmanagerinnen geben procontra einen Einblick in ihren Alltag und ihr Leben.






Die Milliardenmanagerinnen 1/3Sonja Schemmann schaut aus dem Fenster. Ihr Blick fällt in eine graue Wand. Die Umrisse der umstehenden Bürotürme sind fast nicht zu erkennen. Trotz der üblen Aussicht ist sie gut gelaunt und lacht – wie so oft. Schemmann hat es mittlerweile „auf 33 Jahre geschafft“. Sie war mit ihrem Dividendenfonds der Shooting-Star bei der DWS und arbeitet nun seit fast zwei Jahren für Schroders in London, wo sie einen globalen und einen europäischen Dividendenfonds verwaltet. Die gebürtige Hamburgerin hatte als Teenagerin aber ganz andere Pläne als die Finanzbranche. „Ich wollte Berufsreiterin werden und sogar die Schule dafür früher verlassen. Meine Eltern waren dagegen.“ Sonja Schemmann hat sich überzeugen lassen, aber ist dem Reitsport trotzdem treu geblieben. Ihr „selbst gezogener“ 15- jähriger Hannoveraner namens Borsalino steht noch in Bad Homburg. Eine Freundin kümmert sich um ihn. „Es geht ihm großartig.“ Langfristig soll das Pferd aber auch nach London.

Von Kaldemorgen geprägt. Nach dem Abitur macht sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau – bei der Deutschen Bank und nicht bei der Sparkasse, wo sie auch hätte anfangen können. „Für mich war klar, es sollte eine Privatbank sein. Ich habe mich auch bei den kleinen Hamburger Privatbanken beworben, die Deutsche Bank ist es dann aber geworden.“ Danach studiert sie Volkswirtschaftslehre. Es hat sie schon immer ins Ausland gezogen. Die drei- oder sechsmonatigen Erasmus- und Auslandsprogramme waren ihr immer zu kurz. Sie wollte länger weg. Also hat sie nach Köln ein ganzes Jahr in Paris, ein ganzes Jahr in Oxford und ein ganzes Jahr in Berlin studiert. Während des Studiums war sie auch zum ersten Mal bei der DWS. Auch eine Unternehmensberatung hat sie ausprobiert, ebenso ein Praktikum im Marketing bei den SOS Kinderdörfern gemacht. Aber zwischendurch immer wieder DWS, wo sie dann auch letztlich gelandet ist. „Ich kann tatsächlich von mir behaupten, dass ich das ausgesucht habe, was mir am meisten Spaß gemacht hat, weil ich es vergleichen konnte mit einer Vielzahl anderer Bereiche.“ Entscheidende Person in der Karriere der Fondsmanagerin war Klaus Kaldemorgen. Sie saß immer in seinem Umfeld. Als sie 2000/2001 mit dem Studium fertig war, gab es noch mehrere Jobangebote. Der Job kann noch so spannend sein, doch die menschliche Komponente sollte schon stimmen. „Klaus Kaldemorgen überträgt schnell Verantwortung“, sagt Schemmann anerkennend. Nach erfolgreichen Jahren bei der DWS kam 2005 das Angebot von Schroders aus London. „Dann ist der ganze Denkanstoß losgegangen“, sagt Schemmann. Bei der Überlegung, was ihr ein angelsächsisches Haus mehr bieten könne als ein deutsches, hat Schroders stark gepunktet. „Die Arbeitsmarktsituation in England, insbesondere in London, kreiert eine ganze andere Motivation und Dynamik in englischen Unternehmen“, berichtet Schemmann. Man merkt, dass es ihr Spaß macht, dort zu arbeiten. Zudem hat der angelsächsische Kapitalmarkt eine viel längere Tradition als der deutsche. Sie schätzt die Unabhängigkeit von Schroders als reiner Asset Manager, ohne eine große Bank im Hintergrund.

Dividendenfonds sind Basisinvestments. Schemmann hat Probleme mit Modeerscheinungen in der Fondsindustrie. Deutsche Anleger sind anfällig dafür. 2004 waren es Dividendenfonds, danach kam BRIC usw. Dabei gibt es nur wenig, was Schemmann als Basisinvestment identifizieren würde. Dividendenfonds gehören dazu. Sie sind für den langfristigen Vermögensaufbau geeignet. In England ist das bereits längst etabliert: 25 Prozent der jährlichen Nettomittelzuflüsse fließen dort in UK-Dividendenfonds. In Deutschland ist das Thema erst nach dem Zusammenbruch des neuen Marktes in den Fokus gerückt. In Großbritannien sind 30 Prozent aller Fonds, die als Anlageregion auch Großbritannien haben, Dividendenfonds. Und in Europa sind es gerade mal zwei Prozent. „Da frage ich mich, was machen eigentlich alle anderen“, sagt Schemmann. Wir haben weiterhin Rekordzahlungen im DAX. „Das Thema Dividende ist doch nicht vorbei, sondern fängt in meinen Augen erst an“, konstatiert die Fondsmanagerin.

Die Milliardenmanagerinnen 2/3Alexandra Richter arbeitet in einem Großraumbüro. Ihr Schreibtisch ist einer von vielen. Von diesem Sitz aus verantwortet sie zusammen mit Andrea Szabo-Kelly den Allianz-dit Osteuropa. Die Fondsmanagerin wusste früh, dass sie sich später im Beruf mit Zahlen beschäftigen würde. „Als Kind haben mir die Schulfächer, die etwas mit Mathematik und Logik zu tun hatten, am meisten Spaß gemacht.“ Die zweifache Mutter wirkt unprätentiös und holt dem Gast den Kaffee schon mal selbst. Im Fußball würde man sagen, Alexandra Richter sei ein Eigengewächs. Denn sie hat ihre Bankausbildung bereits bei der Dresdner Bank gemacht und arbeitet nach dem Studium bereits seit 1991 im Hause. Der Wertpapierbereich hat sie schon immer interessiert, deshalb hat sie sich das Geschäft auch schon während der Ausbildung von New York, Tokio und Hong Kong aus angeschaut. Nach zehn Jahren in der Global Emerging Markets Gruppe hat Richter dann 2003 das Management des Osteuropa-Fonds übernommen. Richters Tag beginnt früh. „Ich bin morgens schon vor acht Uhr im Büro.“ Da ist erstmal Informationsaufnahme und -verarbeitung angesagt: EMails, Zeitungen und Zeitschriften. Die folgende morgendliche Konferenz findet auch in Form von Telefon- und Videokonferenzen mit London, Hong Kong und Tokio statt. Viele Termine mit Ökonomen, Analysten, Strategisten bestimmen ihren Tag. Das alles für eine bestmögliche Performance in ihrer Anlageregion Osteuropa.
Alexandra Richter hat sich mit dem NOMURA Central and East Europe Price Index bewusst für einen Index entschieden, „der Osteuropa in der Breite abbildet, d. h. Russland gehört auch mit dazu, dominiert aber den Index nicht“. Nichtsdestotrotz ist und bleibt Russland für Richter ein spannender Aktienmarkt. „Wenn der Ölpreis über 27 US-Dollar pro Fass liegt, und kürzlich ist er ja erstmalig fast die 100 US-Dollar- Marke überstiegen, dann fließen 90 Prozent der Einnahmen an den Staat und nicht an die Ölunternehmen, sodass die Volkswirtschaft über Investitionen insgesamt davon profitiert“, erklärt Richter. Das Geld wird in einem Fonds aufgesammelt mit der Zielsetzung, auch wieder im Land zu investieren. Einige Entwicklungen führen aber auch zu Verunsicherungen. In Russland finden im Dezember die Duma-Wahlen und im kommenden Jahr die Präsidentschaftswahlen statt. „Die große Frage ist: Bleiben die Regeln die gleichen?“, so Richter. „Unser Szenario ist: Die Regeln werden sich grundsätzlich nicht ändern, auch wenn der Präsident nicht mehr Putin heißt.“ Auch für den Rest Osteuropas sieht Richter weiterhin gute Perspektiven. Konvergenz ist ein lang anhaltender Trend. Zum Beispiel im Bankensektor. Lange gab es überhaupt keine Kredite für die Menschen dort. Das Verhältnis der privaten Verschuldung zum Bruttoinlandsprodukt ist in Osteuropa trotz der großen Wachstumsraten noch sehr klein. „Es liegt bei 10 Prozent, während wir in Westeuropa ein Vielfaches davon haben“, ergänzt Richter. Es besteht nach wie vor hoher Nachholbedarf in allen Bereichen. Wenn sie kann, ist Richter auch gern vor Ort. „Reisen bildet“, sagt sie. Im Juni dieses Jahres war die Fondsmanagerin beispielsweise in Israel, aus dem auch Unternehmen im Portfolio vertreten sind. Da ging es im Gaza-Streifen gerade hoch her. „Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. Es ist bemerkenswert, wie wenig die israelische Wirtschaft von der Gewalt am Gaza-Streifen berührt wird.“

Die Milliardenmanagerinnen 3/3Heidrun Heutzenröder ist das Aushängeschild der cominvest. Mittlerweile seit fast zehn Jahren managt die Volkswirtschaftlerin den ältesten deutschen Aktienfonds Fondak und ist Co-Managerin des Fondak Europa. Vor ihrem Job als Fondsmanagerin stand erstmal Schlagersängerin als kleines Mädchen und dann Ärztin als Teenagerin auf dem Berufswunschzettel. Für ein Medizinstudium reichte der Abischnitt aber damals nicht. „Und was liegt in Frankfurt näher als der Bankensektor“, sagt die gebürtige Hessin. Also fing sie ganz klassisch an und zwar mit einer Banklehre bei der Privatbank Hauck, heute Hauck & Aufhäuser. Sie hat früh gemerkt, dass die „Kreditschiene“ ihr weniger liegt, eher das Wertpapiergeschäft. Eine frühere Kollegin von ihr fragte sie, ob sie nicht in den Fondsbereich will. So landete Heutzenröder schon sehr früh bei Adig, heute cominvest. Heutzenröders Informationsverarbeitung beginnt direkt nach dem Aufstehen. „Ich schalte das Radio ein, um mich zu informieren, was über Nacht passiert ist.“ Die Bearbeitung der Informationsflut geht im Büro weiter. Bei der täglichen Morgenkonferenz um halb zehn berichten Analysten und Portfoliomanager aus ihren Bereichen. Deren Arbeit möchte die Fondsmanagerin nicht missen. „Wir als Generalisten können ja gar nicht jeden Wert und jedes Segment im Detail kennen.“ Das Team ist überschaubar. Vieles wird über den kleinen Dienstweg gemacht, „was für uns natürlich sehr schön ist, weil wir nicht von einem Meeting zum anderen hetzen“, betont Heutzenröder. Sie schätzt den persönlichen Kontakt zu den Kollegen und sitzt mit fünf Personen in einem Büro. Manchmal ist es ein bisschen laut, wenn alle gleichzeitig telefonieren, aber insgesamt empfindet sie dies als positiv. „So bin ich stets auf dem Laufenden.“

1.200 Unternehmenskontakte jährlich. Täglich kommen Vorstände von Unternehmen ins Haus. „Über 1.200 direkte Unternehmenskontakte kommen so im Laufe eines Jahres zusammen.“ Diese persönlichen Gespräche sind wichtig. „Manche Unternehmensvertreter sind betont konservativ, andere versprechen vieles vollmundig. Daran können Sie schon einiges ablesen“, sagt Heutzenröder. Viele Themen wie Mergers & Acquisitions oder Restrukturierungspotenzial sind mit den klassischen Kennzahlen nicht zu greifen. Da hilft auch das Gespräch mit den Kollegen nach dem Gespräch mit den Unternehmensvertretern. Heutzenröders Strategie hat Erfolg. Vor fast zehn Jahren hatte der Fondak ein Volumen von knapp einer Milliarde DM, mittlerweile sind es drei Milliarden Euro. Ein großer Fonds ist aber schwerer zu managen. Der Kauf von Small Caps wird dadurch schwieriger. Die Kurse werden durch große Orders zu stark beeinflusst. „Man macht sich dann mehr oder weniger selbst das Geschäft kaputt“, sagt Heutzenröder. Im Jahre 2000 wurde dem Fondak ein ganz neuer Stil verpasst. Es sollte ein Pendant zum Wachstumsfonds Adifonds geschaffen werden. Also setzte Heutzenröder und ihr Team mehr auf Substanz. „Nach der Umstrukturierung haben wir das dann das Fondak-Prinzip genannt“, erklärt sie. In Deutschland hat das Fondak-Prinzip gut funktioniert. In den Phasen 2000 bis 2003, in denen der Aktienmarkt stark nach unten ging, verlor der Fondak weniger als die Konkurrenz und als es 2003 wieder nach oben ging, konnte der Fondak die Schere sogar weiter noch zum Positiven öffnen. „So kam die Idee auf, dass wir dieses Fondak-Prinzip auch für Europa anwenden könnten“, erläutert Heutzenröder den Startschuss für den Fondak Europa im vergangenen Jahr.

Optimismus für den DAX. Trotz Subprime- Krise hält Heutzenröder die fundamentalen Daten nach wie vor für intakt. „Wir gehen weiterhin von einem knapp 5-prozentigem Weltwirtschaftswachstum aus.“ Deutsche Güter werden nicht nur aus dem Ausland, sondern inzwischen auch aus dem Inland nachgefragt. „Bis zum Jahresende könnten wir noch die 8.500 Punkte im DAX sehen.“ Allerdings bleibt es volatil. Die Anfälligkeit der Aktienmärkte hat in den letzten Jahren zugenommen und „wird uns weiter begleiten.“ Zahlen, Konferenzen, Gespräche, Büro. Heidrun Heutzenröder sucht dann ihren Ausgleich draußen. Im Winter fährt sie gern Ski, im Sommer Fahrrad. Oder sie wandert. „Naturaktivitäten finde ich schon sehr gut“, sagt sie. Aber ihre privaten Interessen liegen nicht nur im Sport. Literatur, dabei alles mögliche: Krimis, Belletristik oder auch mal ein Sachbuch, gehört genauso dazu. Natürlich nimmt sie sich auch Zeit für Freunde und Familie. „Aber eigentlich sind meine Hobbys nicht weiter außergewöhnlich“, sagt sie fast entschuldigend und macht sich wieder an die Arbeit für den Fondak Deutschland und Fondak Europa.

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