Summa cum laude?
Das Konzept von Bildungsfonds scheint genial. Doch Anleger verleihen der Rendite nicht automatisch das höchste Lob. „Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen“, beteuerte bereits Benjamin Franklin im 18. Jahrhundert. Gut 250 Jahre später vertrauen Emissionshäuser auf diese These und versuchen Investoren für die Anlageklasse „Human Capital“ zu begeistern.
„Bildungsfonds investieren in ausgewählte Studenten, die diese Förderung nutzen, um ihre Kosten aus Studiengebühren, Lebenserhaltung oder Auslandssemester zu decken. Im Gegenzug verpflichten sie sich, einen festen Prozentsatz ihres späteren Einkommens zurückzuzahlen“, erklärt Rolf Zipf, Vorstand der CareerConcept AG, das Prinzip eines Bildungsfonds. Bis zum Ende des Jahres kann noch in seinen Bildungsfonds Exklusiv II investiert werden. Dann sollen die prospektierten zehn Millionen Euro voll platziert sein. Anleger spekulieren auf die später höheren Gehälter von Akademikern. So zum Beispiel auf das von Jana Licht. Die VWL- und Jura-Studentin der Technischen Universität Dresden greift seit über zwei Jahren in den Fördertopf. „Anders hätte ich nicht studieren können“, so die 22-Jährige. „Ich erhalte monatlich 300 Euro. Ohne diesen Zuschuss hätte ich mir die unbezahlte Praktikumsstelle in der Forschung nicht leisten können“, fügt Jana an.
Bildung als Investment. Darauf setzt nun auch die Deutsche Bildung AG. Mit dem Deutsche Bildung Studienfonds I versucht man sich erstmals am Markt zu etablieren. Die Delta Lloyd AG pumpte als institutioneller Großinvestor gleich drei Millionen Euro in den Fonds und übernimmt zudem Vertriebsaufgaben. Insgesamt sollen 20 Millionen Euro eingesammelt werden. Bildungsfonds sind nicht frei von Risiken. Investoren ist zum Zeitpunkt ihrer Beteiligung nicht bekannt, welcher Studentenkreis die nächsten zwölf Jahre von ihrem Geld leben wird. Kritiker degradieren daher Bildungsfonds zu rein emotionalen und gesellschaftlichen Investments, da man zwar etwas Gutes tut, aber die Rendite diesem Blindpool-Risiko nicht gerecht wird. Viel mehr als die prospektierten 6 bis 7 Prozent Jahresrendite scheinen langfristig auch nicht möglich: „Höhere Einkommen der Absolventen würden zwar höhere Rückzahlungsbeiträge für den Fonds bedeuten. Doch irgendwann stellt sich die Frage, ab wann eine einkommensabhängige Rückzahlung gegenüber einem Bankkredit mit fester Tilgung noch attraktiv ist“, räumt Zipf den geringen Renditespielraum nach oben ein. Auch Jana zahlt mehr zurück als sie erhält. „Die Alternative Bankkredit kam für mich aber nie in Frage. Es ist eine Investition in meine Zukunft und bei langjähriger Arbeitslosigkeit habe ich keine Kreditlast zu tragen.“ Die Rückzahlung beginnt mit Eintritt ins Berufsleben und einem festen Mindesteinkommen von 2.000 Euro.
Elite und breite Masse. Jana gehört zur Elite. Denn an den Topf des Bildungsfonds Exklusiv II darf nicht jeder Student ran. Die Mittel sind für jene bestimmt, die mittels „strengem und mehrstufigem Auswahlverfahren“ in den Kreis der besonders Begabten erhoben werden. Wer unter dieser Hürde bleibt, könnte eine Förderung beim Studienfonds I beantragen. „Bei uns bekommt jeder leistungsorientierte Student Geld. Wir fördern bewusst nicht ausschließlich Hochbegabte, sondern wollen jedem motivierten Studenten ein Studium ermöglichen“, begründet Dr. Frank Steinmetz, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bildung AG, die Entscheidung für einen Fonds für die breite Masse. Für Studenten klingen Bildungsfonds paradiesisch: Nimm dir was du brauchst und zahle zurück wenn du kannst. Doch ganz so simpel ist es nicht. „Unsere Förderung ist auf 30.000 Euro beschränkt. Das verhindert Klumpenrisiken. Zurzeit liegen wir im Schnitt bei 17.000 Euro je Student“, erklärt Zipf. Aber es gibt auch Ausnahmen: „Wir hatten einmal eine Bewerbung einer MBA Studentin, die erstklassige Zeugnisse vorwies und an der Harvard Business School weiterstudieren wollte. So einen Juwel bekommt man nicht alle Tage. Da können die Fördergrenzen schon mal überschritten werden“, erinnert sich Zipf. Juwelen sind selten und schwer zu bekommen. Hinzu kommt, dass wirkliche Hochkaräter auf Fördergelder meist nicht angewiesen sind. Sei es durch finanzstarke Eltern im Rücken oder durch ein Stipendium in der Tasche. Solche Renditebringer bleiben für Bildungsfonds daher die Ausnahme. Effizienteres Lernen ist ihre Mission. Die Zeit, die sonst für den Nebenverdienst an der Tankstelle draufging, soll zum Lernen und zur Erholung dienen. Klingt logisch, ist für Renditejäger jedoch zweitrangig. Bildungsfonds punkten aufgrund ihrer geringen Korrelation zu anderen Assetklassen. Gehälter, die Basis der Rendite, bieten zudem einen Inflationsschutz, da sie sich langfristig mit den Preissteigerungen entwickeln. Diversifiziert wird mit bis zu 3.000 Studenten verschiedener Fachrichtungen, Universitäten und Studienfortschritte. Doch wie viele Studenten eine Förderung in Anspruch nehmen, ist ungewiss. Das erschwert die Renditekalkulation und birgt Klumpenrisiken. Nichtsdestotrotz vertrauen die Anbieter weiterhin auf Franklins Theorie und Studenten wie Jana Licht. Die Deutsche Bildung plant noch in diesem Jahr die Platzierung eines weiteren Studienfonds. Im ersten Halbjahr 2008 will CareerConcept mit einem 100 Millionen Euro schweren Bildungsfonds nachziehen.
