Don Quijote ahoi
iWindparks auf dem offenen Meer – das ist die Zukunft. Die ersten Fonds schwappen auf einen Markt mit viel Potenzial. Ein frischer Wind weht. Die Wolken eilen vorüber. Holger Bethmann, Montageleiter der Firma Reetec aus Bremen, blickt auf die Irische See. „Das Wetter ist optimal“, denkt er und zieht seinen roten Überlebensanzug über. Das Boot wartet schon. Eine Sandbank vor dem Fischerdorf Arklow ist das Ziel.
Sieben 70,5 Meter hohe Windkraftanlagen müssen zur Inbetriebnahme fertig gemacht werden. Der Weg ist klar: Was sich an Land schon seit Jahren bewährt, entdeckt nun das Meer. Denn an Land ist der Platz rar. 20.000 Windräder produzieren dort bereits um die sechs Prozent des deutschen Stromverbrauches. Auf See ist das Potenzial wesentlich höher. Bei einer Windstärke von 12 Metern pro Sekunde manövriert sich das Boot an eine der Anlagen heran. Bethmann fasst nach der Leiter und besteigt den Koloss. Eine windiges Unterfangen – auf das viele weitere folgen werden, so ist sich Tobias Dünow, Pressesprecher im Bundesumweltministerium, sicher: „Die Windenergienutzung auf See soll bis zum Jahr 2030 zirka 15 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Bundesrepublik decken. Hierfür müssen Kapazitäten von 20 bis 25.000 Megawatt im Meer installiert werden.“ Vor der irischen Küste ist Bethmann bereits in das Maschinenhaus gestiegen. Während er in fast 70 Metern Höhe die Anlage verkabelt, schwankt sie im morgendlichen Wind. Bethmann ist Experte für den Bau von Onshore- Windkraftanlagen. Auch sein Weg ist klar: Nach dem Lehrgang für
Offshore-Bedingungen möchte er zunehmend raus auf See. Denn die Zukunft liegt im Seewind.
Der aktuelle Stand bei der Projektierung und Finanzierung von Offshore-Windparks in Deutschland ist indes noch desolat: Initiatoren kämpfen mit aufwändigen Genehmigungsverfahren und gegen hohe Umweltauflagen. Aufgrund der Schifffahrt und aus Naturschutzgründen dürfen Offshore- Windparks erst in einer Entfernung von 30 bis 40 Kilometer zur Küste entstehen. Dann wird die Wassertiefe von bis zu 40 Metern zum Problem, um die Windkraftanlagen im Meeresboden zu erden. Höhere Windlasten, aufwändige Fundamente, salzhaltige Luft und ein erhöhter Wartungs- und Montageaufwand steigern jedoch auch deutlich die Investitions- und Betriebskosten. Offshore- Windparks sind zwischen 20 bis 30 Prozent teurer als ihre Pendants an Land. Christian Schnibbe, Pressesprecher der WPD AG, ist skeptisch: „WPD geht nicht davon aus, dass Offshore-Technologie für geschlossene Fonds sinnvoll ist. Sicherlich gibt es Überlegungen, Einzelbereiche auszukoppeln – grundsätzlich sehen wir allerdings andere Risikostrukturen als im Onshore-Sektor und somit wenig Raum für geschlossene Fonds.“ Die Firma Energiekontor hingegen konzeptioniert einen neuen geschlossenen Fonds: „Zwei Planungsfonds für den Bau der zwei Offshore Windparks Nordergründe und Borkum Riffgrund West sind bereits platziert“, erklärt Susanne Liesen, Projektleiterin Offshore bei Energiekontor. Sie sollen eine Ausschüttung von bis zu 304 Prozent erreichen können. „Für Anfang nächsten Jahres planen wir ein neues Beteiligungskonzept an einem Windpark“, verrät Liesen.
Deutsche Regierung setzt Impulse. Im Dezember 2006 wurde mit dem Inkrafttreten des Infrastrukturplanungsbeschleunigungsgesetzes (InPBeschlG) die Grundlage für den Weg auf See gelegt. Es verpflichtet die Energiekonzerne, bis Ende 2011 die Anschlusskosten für Offshore Windstrom an das Netz zu übernehmen. Das stieß bei Liesen auf Wohlwollen: „Das Gesetz ist ein sehr wichtiger Schritt. Dieser Beschluss war dringend notwendig, damit die deutsche Offshore-Entwicklung den Anschluss in Europa nicht verliert.“ Doch das reicht nicht aus: Durch den weltweiten Boom von Windenergieanlagen sind Windturbinen Mangelware. Der Aufschwung in der Öl und Gasexploration schränkt den Zugriff auf Fahrzeuge, Kräne und Plattformen erheblich ein. Um die Wirtschaftlichkeit einer Anlage zu sichern, muss das Vergütungsniveau gehoben werden. Das Bundesumweltministerium hat bereits reagiert und „vorgeschlagen, die Offshore-Vergütung zu verbessern – der Rahmen liegt zwischen 11 bis 14 Cent“, erklärt Dünow.
Schnelles Lernen für mehr Effizienz. Risiko und Ertrag für Projekte der Offshore-Windenergie sind noch schwer kalkulierbar. Die mangelnde Erfahrung und die niedrige Vergütung wirken sich negativ auf die Branche aus. Schnibbe sieht noch Handlungsbedarf: „Wir sehen einfachere Baubedingungen im Ausland zu höheren Vergütungssätzen.“ Die deutsche Offshore-Windwirtschaft ist noch nicht konkurrenzfähig, der Weg ist jedoch vorskizziert. In Nord- und Ostsee sind inzwischen 18 Hochseewindparks und vier Windparks im Küstenmeer genehmigt. An der irischen Küste dämmert es bereits. Bethmann wird abgeholt. Sollte ein zu hoher Wellengang dies nicht erlauben, kann er sich in einer Überlebenstonne verschanzen. Doch das braucht er nicht. Heute nicht und auch die anderen Tage nicht. Die Einweihung des Arklow Bank Offshore-Windpark war bereits am 26. Mai 2005. Jetzt freut sich Bethmann auf das nächste Offshore Projekt: Der Windpark Borkum Riffgrund West. Dann darf er wieder auf die schwankenden Kolosse auf hoher See.
