„Das regt mich mich total auf“
Sonya Kraus – die Klischee-Blondine aus dem Fernsehen. Mit „Uuhs“ und „Aahs“ glänzt sie bei ProSieben. Im Gespräch über den Klimaschutz überrascht sie. Von wegen blondes Dummchen…
procontra: Frau Kraus, Sie machen bei der ProSieben-Aktion CO2NTRA, aktiv für den Klimaschutz mit. Warum?
Sonya Kraus: Ich bin von Hause aus eine alte Öko-Tussi. Meine Mutter ist ein wirklicher Hippie und ich bin mit sechs verschiedenen Mülleimern aufgewachsen. Meine „böse“ Mutter war sogar sauer, wenn man nach dem „Pullern“ die Wasserspartaste nicht betätigt hat. Energiesparen war schon immer ein Thema für mich, so habe ich zum Beispiel im Eigenheim als erste Baumaßnahme gut isolierte Fenster eingebaut. Man spart ja nicht nur Energie, um etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, sondern langfristig gesehen auch Geld.
procontra: Es schwimmt sich aber gut auf der Klimaschutz-Welle, oder?
Kraus: Das Aufspringen auf die Klimaschutz-Welle könnte ich mir zum Vorwurf machen, wenn das bei mir erst seit gestern so wäre. Aber ich fahre weder mein Traumauto, das wäre nämlich ein Off-Roader, also ein Jeep, noch bin ich früher eine Umweltsau gewesen. Umweltverträgliches Verhalten ist bei mir seit vielen Jahren gewachsen.
procontra: Prominenten Klimaschützern wird oft vorgeworfen: „Wasser zu predigen und Wein zu trinken.“ So reist Al Gore zu manchen Veranstaltungen mit seinem Privatjet an. Reisen Sie persönlich nun wirklich umweltfreundlicher?
Kraus: Ich bin nicht mit dem Privatjet unterwegs und bin sogar Besitzerin einer Bahncard. So bin ich heute zum Beispiel zum Fotoshooting nach Köln mit dem ICE gefahren. Das ist zudem auch viel entspannter. Außerdem kann man im Zug schön arbeiten oder lesen. Gerade diese Städteverbindungen mit dem Zug sind ideal. Privat bin ich mit einem Auto unterwegs, das 6,5 Liter verbraucht. Da ließe sich sicherlich noch was machen, aber mein Auto ist schon umweltfreundlich, zumal es auch ganz wenig PS hat.
procontra: Was für ein Auto ist das?
Kraus: Ich will jetzt keine Werbung machen, aber es ist ein Daihatsu Copen. Ein kleines Auto, was keinen ganzen Pferdestall unter der Haube hat.
procontra: Was sind Ihrer Meinung nach die absurdesten Umweltsünden?
Kraus: Gerade in der Landwirtschaft gibt es viele Sinnlosigkeiten, davon ist eine sicherlich der Tiertransport zum kostengünstigeren, aber weiter entfernten Schlachter. Letztendlich ist es aber schwierig, sich wirklich korrekt zu verhalten. Zum Beispiel dürfte man wegen der Überfischung der Meere und den daraus resultierenden Folgen fürs Ökosystem keinen Fisch mehr essen. Fisch ist jedoch total gesund und eine meiner spanischen Lieblingsspeisen sind chipirones, das sind Baby-Tintenfische. Das zunehmende Verschwinden dieser chipirones aus dem Meer ist aber auch eine Ursache für Quallenplagen. Alles greift ineinander wie ein Räderwerk. In allen Bereichen muss man sein Verhalten hinterfragen. Das fängt bei ganz einfachen Dingen an: Ich ärgere mich immer wieder, wenn ich Menschen sehe, die im Supermarkt Plastiktüten kaufen. Ich dachte, das wäre ein Relikt aus den 80er oder 90er Jahren. Das regt mich total auf.
procontra: Bei Ihrer ProSieben-Aktion zeigen Sie, wie jeder Einzelne seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Was sind die wichtigsten Maßnahmen? Kraus: Bei den Heizkosten kann zum Beispiel jeder sparen. Ist man Besitzer eines Eigenheims, kann man durch bauliche Maßnahmen sparen, ansonsten kann schon ein Gespräch mit dem Vermieter sehr hilfreich sein. Auch beim Auto fahren kann man sich einschränken. Beim Einkauf von Lebensmitteln kann jeder seinen Beitrag leisten, so schmecken zum Beispiel die gezüchteten Tomaten aus dem Ausland sowieso nicht, warum nicht mal zum Bauernmarkt gehen. Wenn das jeder machen würde, wäre uns schon sehr geholfen.
procontra: Klimaschutzmaßnahmen werden ja immer kontrovers diskutiert. So bringt es ja bezüglich der CO2-Bilanz gar nichts, wenn man morgens mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit fährt, dann aber nach Thailand in den Urlaub fliegt. Was entgegen Sie darauf?
Kraus: Man kann den Menschen nicht vorschlagen, an der Nordseeküste Urlaub zu machen oder den Urlaub gar verbieten, das wird nicht funktionieren. Also muss der Einzelne versuchen, sich diese Fernreise mit energiesparendem und klimafreundlichem Verhalten im Alltag heraus zu arbeiten. Prozentual gesehen sind die Fernreisen ja gar nicht so gravierend. Es sind vielmehr die Kurzstreckenflüge, die extrem kerosinverbrauchend sind.
procontra: Klimaschutz kann doch nur global funktionieren. Es wirkt doch für den „kleinen“ deutschen Energiesparer, der abends vor dem Schlafen gehen, die Stand by-Funktion des Fernsehers ausschaltet, demotivierend, wenn zeitgleich in den asiatischen Boomländern oder den USA tonnenweise CO2 produziert wird.
Kraus: Ja, das stimmt. Aber wenn wir uns die deutsche Geschichte anschauen, dann gibt es nur wenig, auf was wir stolz sein können. Wenn wir jetzt eine Vorreiterrolle im Bereich Umwelt- und Klimaschutz einnehmen, dann können wir in 100 Jahren stolz darauf sein. Denn die anderen werden nachziehen und dafür ergeben sich für die deutsche Umweltindustrie auch wieder gute ökonomische Chancen. Das Umweltbewusstsein der deutschen Bevölkerung löst aber auch Druck auf die Industrie aus, neue Wege zu gehen. So ist es mir völlig schleierhaft, warum sich zum Beispiel bei den deutschen Autoherstellern noch keine andere Antriebskraft als die herkömmlichen Verbrennungsmotoren durchgesetzt hat. Auch der Hybridantrieb ist ja nur eine Semi-Lösung. Ich hoffe, dass das Umweltbewusstsein noch weitere Ideen fördert. Es ist eine Chance, die wir beim Schopfe packen sollten. Denn wir Deutschen sind ja schlau und gut im Entwickeln von Ideen.
procontra: Frau Kraus, Sie sind vielseitig und engagieren Sie nicht nur für Klimaschutz, sondern entwickeln auch Bademoden. Wie kam es denn dazu?
Kraus: Das ist ganz einfach. Ich bin ein Bademoden-Fan und habe seit meiner Teenager-Zeit meine Bikinis selbst geklöppelt und für meinen Freundeskreis auch klöppeln müssen. D. h. ich habe langweilige Bikinis mit Pailletten und anderen Accessoires bestickt und aufgepeppt. Dabei kamen sehr individuelle Einzelstücke heraus. Die waren bei meinen Freunden so beliebt, dass sie alle immer zum Geburtstag oder zu Weihnachten für die „böse“ Fernreise bestellt haben. Die Kooperation mit Hunkemöller läuft seit vier Jahren und kommt jetzt ins fünfte Jahr. Dieses Jahr sind wir richtig groß geworden und haben das Volumen der Kollektion ums Dreifache gesteigert.
